Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Widersprüchliche Meldungen in der Griechenland-Debatte stehlen soliden Konjunkturdaten die Show, so die Deutsche Börse AG.
"Während die europäischen Gesprächspartner eine Einigung in diesem Monat nicht für realisierbar halten, wiederholt das griechische Führungs-Duo gebetsmühlenartig, man befinde sich quasi auf der Zielgeraden zum ultimativen Durchbruch", beschreibe die ICF Bank die Lage. Mittlerweile werde die Kritik am nicht enden wollenden Realitätsverlust des griechischen Finanzministers immer lauter.
"Vorübergehend folgten Anleger dennoch dem griechischen Zweckoptimismus", beobachte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Aktien und Anleihen der südlichen Peripherie waren zwischenzeitlich wieder stärker gefragt." Danach habe sich schnell wieder Ernüchterung breit gemacht, was den Renditeabstand von Bonds südeuropäischer Staaten wie Italien, Spanien und Portugal im Vergleich zu hiesigen Anleihen gleicher Laufzeit vergrößert habe.
Unterm Strich würden griechische Staatsanleihen laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft unter Druck bleiben. Stellvertretend für den gesamten Bestand hätten sich Investoren beispielsweise tendenziell von einer 2012 begebenen und bis 2027 laufenden Anleihe (ISIN GR0128014710 / WKN A1G1UE) getrennt. "Den Griechen läuft die Zeit davon", urteile der Händler, auch wenn der Internationale Währungsfonds einen Aufschub bis Ende Juni für die am 5. Juni anstehenden Rückzahlungen gewährt habe.
Derweil gebe es fundamentale Lichtblicke in den USA. Stabile US-Wirtschaftsdaten würden laut ICF Bank darauf hindeuten, dass die Talsohle dort nun langsam durchschritten sei. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, der Philadelphia-FED-Index und Hausverkäufe hätten nur knapp die Prognosen verfehlt. Gleichzeitig überträfen die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter die Erwartungen und die Aufträge für Investitionsgüter seien den zweiten Monat in Folge gestiegen. Deshalb habe US-Notenbankchefin Janet Yellen in einer Rede am Freitag vergangener Woche vorsichtigen Optimismus zum Ausdruck gebracht. Fondsanbieter Standard Life Investments gehe davon aus, dass die Zinsen in den USA bereits im September dieses Jahres angehoben würden.
Die Umsätze mit Mittelstands-Anleihen beschreibe Brunner als feiertagsbedingt dünn. Nach wie vor auf Interesse stoße etwa das 2020 fällige Produkt von Katjes International (ISIN DE000A161F97 / WKN A161F9) mit einem jährlichen Zins von 5,5 Prozent. Mit derzeit 104,64 Prozent habe sich der Anleihe-Preis auf Wochenbasis nochmals verteuert.
Interesse mache Daniel an einer im November 2020 fälligen Wert von Thyssen (ISIN DE000A14J579 / WKN A14J57) mit einem Kupon von 1,75 Prozent aus. Auch eine Anleihe von Bayer (ISIN DE000A11QR65 / WKN A11QR6) komme bei Anlegern tendenziell gut an. Grundsätzlich seien die Umsätze aber verhalten.
Eine Gruppe von Gläubigern komme laut Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg der finanziell angeschlagenen Ukraine nun entgegen. Ein Vorschlag an die ukrainische Regierung enthalte eine Streckung von Fälligkeiten und die Reduzierung von Zinszahlungen. Das bringe über einen Zeitraum von vier Jahren Einsparungen in Höhe von 15,8 Mrd. USD. Eine Antwort der Ukraine stehe noch aus. Nach Medienberichten habe Präsident Petro Poroschenko derweil am gestrigen Donnerstag ein Gesetz unterzeichnet, was der Ukraine die Verhinderung von Rückzahlungen ausländischer Schulden per Moratorium erlaube. (29.05.2015/alc/a/a)
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