Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Wie schnell sich eine volkswirtschaftliche Einschätzung doch ändern kann, so die Analysten der IKB Deutsche Industriebank AG.
Noch vor sechs Monaten habe man erhebliche globale Konjunkturrisiken gesehen, was auch die EZB im Januar zu weiterem Handeln genötigt habe. Inzwischen habe sich das Bild wieder aufgehellt. Und auch wenn die grundsätzliche Sorge über die Nachhaltigkeit der Erholung im Schatten hoher Schuldenquoten und ausgereizter Geldpolitik bestehen bleibe, würden Konjunkturdaten keine akute Gefahr eines weltweiten Einbruchs signalisieren. Im Gegenteil, die globale wie europäische Industrieproduktion habe im ersten Quartal relativ solide Zuwächse verzeichnen können. Nur die Zinsmärkte scheinen weiterhin ein eher negatives Bild von der Konjunkturentwicklung zu haben, so die Analysten der IKB Deutsche Industriebank AG.
So seien die Renditen in den USA wie in Deutschland relativ niedrig bzw. erneut gesunken und die Zinsmärkte hätten auch weiterhin eher wenig Vertrauen in die Notenbanken, auf Sicht die Konjunktur voranzutreiben und somit eine nachhaltige Zinswende sicherzustellen. Solide, aber weniger positiv überraschende Konjunkturdaten aus den USA hätten Zweifel aufkommen lassen, ob die FED im Verlauf von 2016 überhaupt die Zinsen anheben werde. Doch das jüngste Protokoll des Offenmarktausschusses der FED habe die Möglichkeit einer Zinsanhebung im Juni wieder ins Spiel gebracht. Allerdings bleibe der weitere Konjunkturverlauf der USA entscheidend, auch wenn es sich nur um kleine Zinsschritte handeln sollte.
Eine steigende Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte sollte dennoch für höhere deutsche Renditen sorgen, auch wenn von keinem anhaltenden Anstieg auszugehen sei. Hierfür wäre eine deutlich aktivere Fiskalpolitik notwendig. So könnte angesichts der Größe der geldpolitischen Maßnahmen sicherlich von einer möglichen Übertreibung der europäischen Geldpolitik gesprochen werden, im Kontext ihrer Effektivität und des nennenswerten Einflusses allerdings eher weniger.
Rohstoffpreise scheinen sich moderat zu erholen, so die Analysten der IKB Deutsche Industriebank AG. Dies sei ein weiteres Indiz für ein sich festigendes globales Konjunkturbild. Doch vor allem im Falle des Ölpreises sei dessen Anstieg nicht nur auf einen weniger negativen Konjunkturausblick und damit auf die verbesserte Nachfrage zurückzuführen. Kapazitäten und Fördermengen hätten sich reduziert, was zu einem rückläufigen Angebot geführt habe. Dies gelte vor allem für die USA, deren tägliche Förderung nun unverkennbar ihren Höhepunkt überschritten habe. Dennoch sei mit keinem deutlichen Anstieg des Ölpreises zu rechnen, da viele der Förderkapazitäten bei einem steigenden Ölpreis wieder profitabel würden.
Die Möglichkeit eines Austritts Großbritannien aus der EU bleibe ein bestimmendes Thema für die Finanzmärkte. Generell würden die meisten Studien in einem Austritt einen negativen Einfluss auf die kurz- und selbst mittelfristige Entwicklung Großbritanniens sehen. Aber auch der Rest der EU könnte von einem BREXIT in einem nicht unerheblichen Maße beeinflusst sein. Jüngste Umfragewerte würden andeuten, dass unentschlossene Wähler eher zu einem Verbleib tendieren würden. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, so wäre am 23. Juni mit keinem Austritt zu rechnen.
Dennoch bleibe das Risiko grundsätzlich bestehen, da unabhängig vom Wahlergebnis mit deutlichen Reaktionen der Finanzmärkte zu rechnen sei. Eine unerwartete Entscheidung für einen Austritt würde zudem anhaltende Unsicherheit mit sich bringen, da die finale Ausgestaltung der Beziehung zwischen der EU und Großbritannien erst noch verhandelt werden müsste. Mit einem Verbleib wäre hingegen eine Zinsanhebung der britischen Notenbank Anfang 2017 nicht ausgeschlossen. (Ausgabe Mai 2016) (24.05.2016/alc/a/a)
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