Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der US-Zinsanstieg ist ins Stocken geraten, so die Deutsche Börse AG.
Zwar habe FED-Chefin Janet Yellen die Märkte in letzter Woche auf weitere Zinserhöhungen in den USA eingestimmt. Ein zu langsamer Kurs könne später schnelle Zinsschritte nach sich ziehen, habe sie bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats am Dienstag erklärt.
"Das setzte die Märkte aber nur kurz unter Druck", melde Arthur Brunner von der ICF Bank. "Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) gilt weiter als sicherer Hafen." Der Indikator für langfristige Zinserwartungen zeige sich gegenüber der Vorwoche etwas fester und habe am Freitagmittag bei 164,37 nach 163,87 Punkten vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 0,30 Prozent abwerfen, am 10. Februar seien es 0,32 Prozent gewesen.
In Europa hätten bis letzten Donnerstag Sorgen um den Ausgang der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie die Schulden Griechenlands für steigende Renditeaufschläge in den Peripherieländern gesorgt. Mit der Veröffentlichung des EZB-Notenbankprotokolls am 16. Februar seien diese aber wieder zurückgegangen: Offenbar halte der Zentralbankrat begrenzte und temporäre Abweichungen vom Kapitalschlüssel für das Anleiheprogramm für möglich, interpretiert werde das als Bereitschaft zum Aufkauf von mehr Anleihen aus Europas Peripherie.
"Von der EZB gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Anleihekaufprogramm in absehbarer Zeit zurückgefahren wird", würden Viola Julien und Ulrich Wortberg von der Helaba feststellen. Das Protokoll habe vielmehr gezeigt, dass eine große Mehrheit im EZB-Rat den von Präsident Draghi favorisierten expansiven Kurs unterstütze.
"Was Griechenland angeht, wird nun offenbar auf eine Einigung zwischen EU und IWF gehofft", erkläre Brunner. Die Renditeaufschläge seien zwar etwas geschrumpft, befänden sich Brunner zufolge aber weiter im "Krisenmodus". "Für zweijährige Papiere liegt die Rendite immer noch bei 9,33 Prozent." Vorvergangene Woche seien es zwischenzeitlich über 10 Prozent gewesen.
Thema würden auch die anziehenden Preise bleiben. "PIMCO warnt weiterhin vor einem Inflationsrisiko, der Markt habe den Anstieg noch nicht voll eingepreist", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Im Euroraum seien die Verbraucherpreise im Januar um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, in den USA seien es sogar 2,5 Prozent gewesen. Der Anleihemarkt signalisiere unterdessen keine große Gefahr: Dreißigjährige US-Bonds hätten in diesem Jahr den Rest des Marktes geschlagen, Investoren würden also offenbar davon ausgehen, dass die Preissteigerungen unter Kontrolle bleiben würden.
Weiterhin gesucht sei Brunner zufolge die am 6. Februar emittierte Anleihe (ISIN XS1555774014 / WKN A19CTJ) des österreichischen Bauunternehmens PORR mit Kupon von 5,5 Prozent und unendlicher Laufzeit - trotz Stückelung von 100.000 Euro. Dasselbe gelte für die Ende Januar emittierte Fresenius-Anleihe (ISIN XS1554373834 / WKN A19B3J) mit Laufzeit von 15 Jahren und Kupon von 3 Prozent, für die die Stückelung allerdings kleinanlegerfreundlich bei 1.000 Euro liege.
Dass RWE eine im November 2011 begebene Hybridanleihe in Schweizer Franken zum ersten möglichen Termin, dem 4. April dieses Jahres, kündigen wolle, habe Daniel zufolge für Nachfrage nach anderen Anleihen des Versorgers gesorgt. Betroffen gewesen seien bis 2075 laufende Hybridanleihen, die eine in US-Dollar (ISIN XS1254119750 / WKN A13SHX), die andere in Euro (ISIN XS1219499032 / WKN A14KAB).
Für STADA-Bonds (ISIN XS1213831362 / WKN A14KJP) sei der Bieterkampf um den hessischen Generikahersteller ohne Folgen geblieben, wie Daniel außerdem feststelle. "Wir sehen da kaum Umsatz." Die Aktie habe in der vergangenen Woche kräftig zugelegt, mittlerweile hätten drei Kandidaten Interesse an STADA geäußert.
Nicht gut angekommen seien die Gewinnwarnungen von Deutsche Rohstoff (ISIN DE000A2AA055 / WKN A2AA05, ISIN DE000A1R07G4 / WKN A1R07G) und SeniVita (ISIN DE000A1XFUZ2 / WKN A1XFUZ), wie Brunner beobachtet habe. "Da haben wir viele Verkäufe gesehen."
Neuemissionen habe es in letzter Woche zwar viele gegeben, diese hätten sich aber ausschließlich an institutionelle Anleger gerichtet. Gleich drei neue Bonds habe es zum Beispiel vom mexikanischen Mineralölkonzern Pemex gegeben (ISIN XS1568875444 / WKN A19DL7, ISIN XS1568874983 / WKN A19DL8, ISIN XS1568888777 / WKN A19DL9), wie Rainer Petz von Oddo Seydler berichte - allerdings mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro. (Ausgabe vom 17.02.2017) (20.02.2017/alc/a/a)
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