Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es war eine Woche der Zentralbanken, doch die Aufreger blieben aus, so die Deutsche Börse AG.
Am Mittwoch habe die US-Notenbank, wie erwartet, das Leitzinsband auf 1,25 bis 1,50 Prozent erhöht, am Donnerstag habe die EZB - ebenfalls wie erwartet - die Füße still gehalten. Daher sei es auch zu keiner Reaktion am Anleihemarkt gekommen: Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) liege am Freitagmittag bei 163,52 Punkten, vor einer Woche seien es 163,35 Prozent gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 0,29 Prozent abwerfen, nach 0,31 Prozent vergangenen Freitag.
Die ausbleibende Reaktion werde auch als Zeichen dafür gesehen, dass die Kommunikation der Zentralbanken funktioniere und die Märkte gut vorbereitet würden. Nach Ansicht der HSH Nordbank könnte es in der kommenden Woche für US-Anleihen aber stärkere Aufwärtsimpulse geben - dann werde nämlich voraussichtlich die US-Steuerreform verabschiedet. "Bei den beiden bestehenden Fassungen von Senat und Repräsentantenhaus hat man sich auf einen gemeinsamen Gesetzesentwurf geeinigt, dem aller Wahrscheinlichkeit nach beide Kammern des Kongresses zustimmen werden", erläutere Sintje Boie.
Die US-Regierung habe ein starkes Interesse daran, die Steuerreform noch vor der Weihnachtspause zu verabschieden, da die Senats-Nachwahl in Alabama vom demokratischen Kandidaten gewonnen worden sei. Dadurch hätten sich die Mehrheitsverhältnisse im Senat zuungunsten der Republikaner auf 51 zu 49 verschoben.
Darüber hinaus würden regionale Inflationszahlen nach Weihnachten die "Lowflation"-Erwartungen für den Euroraum wohl untermauern - und damit die Prognose der Commerzbank, die mit einem noch langsameren EZB-Ausstieg rechne. Für die USA prognostiziere sie fünf Zinserhöhungen in den kommenden zwei Jahren, die FED rechne mit insgesamt sechs. "Die FED ignoriert unverändert die schwache US-Kerninflation", meine die Bank.
Im Bereich der Unternehmensanleihen habe eine größere Verkaufsorder Papiere der HSH Nordbank (ISIN XS0142391894 / WKN 542696) unter Druck gesetzt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Dann folgte aber schnell eine Erholung." Die Kurse seien in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen - in der Hoffnung auf ein positives Ende der Übernahmeschlacht um die Bank. Auch Rainer Petz von Oddo Seydler melde viel Umsatz in HSH-Nordbank-Anleihen.
Nicht nur die Aktien des Möbelkonzerns Steinhoff hätten in den vergangenen zwei Wochen kräftig Federn lassen müssen. Auch eine bis 2025 laufende Anleihe (ISIN XS1650590349 / WKN A19LXV) mit Kupon von 1,875 Prozent sei abgestürzt. Gegen den Steinhoff-Konzern, zu dem auch die Möbelkette Poco gehöre, werde wegen Bilanzunregelmäßigkeiten ermittelt, Unternehmenschef Chef Markus Jooste habe gehen müssen. Der Kurs der Anleihe habe sich innerhalb kurzer Zeit halbiert. "Wir sehen immer noch viel Kursbewegung", melde Daniel.
Thomas Miller von der HSH Nordbank weise im Übrigen darauf hin, dass sich die Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen derzeit auf Jahrestiefstständen befinden würden. "Diesen Schwung werden die europäischen Kreditmärkte ins neue Jahr mitnehmen." Die Bank habe allerdings schon mehrfach darauf hingewiesen, dass ein Umschwung schnell und folgenschwer erfolgen könne - etwa durch ein Nachlassen der Stützwirkung des EZB-Anleihekaufprogramms. "High Yield-Anleihen werden am sensitivsten ausschlagen, wenn der Kreditzyklus von der Expansions- in die Kontraktionsphase dreht." (Ausgabe vom 15.12.2017) (18.12.2017/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.de