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29.01.18 08:30
Anleihen: Schwäche setzt sich fort

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die EZB zögert weiter, das Ende der expansiven Geldpolitik einzuläuten, so die Deutsche Börse AG.

Die Notenbanker hätten am gestrigen Donnerstag den zentralen Zinssatz, zu dem sich Banken im Euroraum Geld leihen würden, bei 0 Prozent gelassen. Der Strafzins für Banken, die über Nacht Liquidität bei der EZB parken würden, bleibe bei minus 0,4 Prozent. Die Notenbank habe außerdem bestätigt, dass die Anleihekäufe noch bis mindestens Ende September fortgesetzt werden sollten, eine Ausweitung sei noch nicht ausgeschlossen worden. "Im EZB-Rat ist es offenbar umstritten, ob schon beim nächsten Treffen am 8. März die Märkte mit etwas veränderten Formulierungen auf ein Ende der lockeren Geldpolitik vorbereitet werden sollen", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Trotz der EZB-Äußerungen: Die Zinsen im Euroraum würden anziehen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen seien gestern zwischenzeitlich auf 0,64 Prozent geklettert - das sei der höchste Stand seit Dezember 2015 gewesen. Aktuell seien es 0,60 Prozent. Im Tief 2016 habe die Rendite im Negativbereich gelegen. Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sei in dieser Woche erstmals seit März vergangenen Jahres wieder unter 160 Punkte gerutscht, am Freitagmorgen seien es 160,17 Zähler.

Noch höhere Renditen seien der Commerzbank zufolge vorerst allerdings nicht zu erwarten: "Wir gehen davon aus, dass das weitere Aufwärtspotenzial der Renditen sehr begrenzt ist und kommende Woche eher wieder mit niedrigeren Niveaus zu rechnen ist", erkläre Analyst Markus Koch. "Denn angesichts der eigentlich klaren Aussagen Draghis dürften die Zinserwartungen wohl kaum weiter steigen." Dazu komme die weiterhin niedrige Inflation: "Die Kernteuerungsrate im Euroraum dürfte im Januar zwar leicht auf 1 Prozent gestiegen sein; ein nachhaltiger Aufwärtstrend, der die EZB umdenken lassen könnte, ist aber nicht in Sicht."

Auch in den USA gehe der Zinsanstieg in diesem Jahr weiter: Ende 2017 habe die Rendite zehnjähriger Treasuries noch bei 2,40 Prozent gelegen, jetzt seien es 2,63 Prozent. Im Sommer 2016 seien es im Tief nur 1,36 Prozent. Am kommenden Mittwoch finde die nächste Notenbanksitzung statt - die letzte unter Vorsitz von Janet Yellen, die Anfang Februar von Jerome Powell abgelöst werde. "Nach der Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf eine Zielspanne für die FED Funds Rate auf 1,25 bis 1,50 Prozent im Dezember ist zunächst mit keinen weiteren Zinsschritten zu rechnen", meine Sintje Boie von der HSH Nordbank. Die Bank gehe von einer Fortführung des Zinsanhebungszyklus im Juni aus.

Nicht nur Staats-, sondern auch Unternehmensanleihen würden sich schwächer zeigen - vor allem langlaufende. "Besonders bei Papieren mit Laufzeiten über zehn Jahren ist das zu beobachten", stelle Rainer Petz von Oddo Seydler fest. Wie Daniel berichte, habe der Kurs des sich in Insolvenz befindenden Immobilienentwicklers Golden Gate (ISIN DE000A1KQXX5 / WKN A1KQXX) deutlich von 61 auf 51 Prozent nachgegeben. "Der Insolvenzverwalter hat am Dienstag eine nicht erwartete Teilrückzahlung gemeldet."

Im Corporate-Bereich habe es diese Woche eine ganze Reihe von Neuemissionen gegeben, allerdings alle mit Stückelung von 100.000 Euro. Im Bereich der Staatanleihen seien neue spanische Bonds (ISIN ES0000012B39 / WKN A19VKR) mit Laufzeit bis 2028 auf großes Interesse gestoßen, wie Petz berichte. Klaus Stopp von der Baader Bank spreche von einem "Run" auf die neuen spanischen Bonds: "Infolge der Anhebung der Bonität Spaniens durch die Ratingagentur Fitch auf "A-" mit Ausblick "stabil" wurden für die geplanten 10 Milliarden Euro insgesamt rund 45 Milliarden Euro an Zeichnungsgeboten abgegeben." Außerdem sei eine neue zehnjährige österreichische Anleihe mit Kupon von 0,75 Prozent (ISIN AT0000A1ZGE4 / WKN A19VB0) auf den Markt gekommen. Beide Neuemissionen hätten Stückelungen von 1.000 Euro.

Dass der US-Dollar immer schwächer werde, habe Daniel zufolge im Handel mit Währungsanleihen bislang keine Folgen. "Größere Umsätze in US-Dollar-Papieren sehen wir nicht." Der Euro sei am gestrigen Donnerstag zum ersten Mal seit Dezember 2014 über 1,25 US-Dollar gestiegen, am Freitagmorgen liege er bei 1,2461 US-Dollar. Stopp zufolge hätten sich Privatanleger hauptsächlich in Währungsanleihen auf US-Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie Mexikanische Peso und Russische Rubel engagiert. (Ausgabe vom 26.01.2018) (29.01.2018/alc/a/a)



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