Brechen (www.anleihencheck.de) - Vorsicht - erneut kursieren fragwürdige Kauf-Angebote für Anleihen mit deutlich unter Marktpreisen liegenden Offerten, berichtet die Anleihen Finder Redaktion.
So unterbreite ein Kölner Investor namens Karl Müller derzeit Anleihegläubigern der Beate Uhse AG, der Ekosem-Agrar GmbH oder der SeniVita-Gruppe Kaufangebote für deren Anleihen bzw. Genussrechte, die Anleger verunsichern würden und bereits zu kleineren Kursschwankungen geführt hätten.
Diese "dubiosen Angebote" lägen bisweilen deutlich (bis 25%) unter den Marktpreisen und würden nicht selten verunsicherte Anleger um ihr Erspartes bringen. Die Redaktion der Experten habe zahlreiche Zuschriften von besorgten Anlegern bekommen. So hätten die SeniVita-Wandelanleihe oder die Ekosem-Agrar-Bonds zum Zeitpunkt des Angebots deutlich über 90% notiert. Die Offerte von Herrn Müller habe hingegen lediglich bei 65% bzw. 70% gelegen.
Öffentliches Kaufangebot an die Inhaber verschiedener Anleihen
Emittent/ WKN/ ISIN/ Preis
Beate Uhse AG/ A12T1W/ DE000A12T1W6/ 7,00%
DB Capital Finance Trust I/ A0E5JD/ DE000A0E5JD4/ 71,20%
Ekosem-Agrar GmbH/ A1MLS3/ DE000A1MLSJ1/ 70,50%
Ekosem-Agrar GmbH/ A1R0RZ/ DE000A1R0RZ5/ 70,25%
Hybrid Capital Funding I L.P,/ A0D1KQ/ XS0216711340/ 10,30%
Hybrid Capital Funding II LP./ A0D2FH/ DE000A0D2FH1/ 10,30%
SeniVita Social Estate AG/ A13SHL/ DE000A13SHL2/ 65,30%
SeniVita Sozial gemeinnützige GmbH/ A1XFUZ/ DE000A1XFUZ2/ 61,20%
Quelle: Bundesanzeiger
"Verarschungsnummer"
Für Finanzexperte und Anleihen Finder-Kolumnist Markus Stillger, Geschäftsführer der MB Fund Advisory GmbH, würden diese Angebote in die Kategorie "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" gehören. Gewohnt klar in seiner Ausdrucksweise spreche Stillger - der selbst von derartigen Angeboten heimgesucht worden sei - im Gespräch mit dem Anleihen Finder von einer klaren "Verarschungsnummer". Auch andere Marktteilnehmer würden Maßnahmen gegen die "Abzockerangebote" fordern.
"Als Bank würde ich mir überlegen, ob man solche Leute aufgrund der ganzen Mühe, die sie verursachen, auf Schadensersatz verklagt", so Stillger zum Anleihen Finder. Die Banken müssten solche Angebote an ihre Kunden weiterleiten. Sicherlich wäre zu raten - auch im Interesse der Bankkunden - wenn diese bislang legalen Angebote jeweils mit den aktuellen Börsenkursen versehen weitergereicht würden.
Die Ekosem-Agrar GmbH habe nun als erstes Unternehmen auf die aktuellen Kaufangebote reagiert und Stellung bezogen:
Die Ekosem-Agrar GmbH sei von Anlegern darüber informiert worden, dass Herr Karl Müller Erwerbsangebote für die Ekosem-Agrar Unternehmensanleihen 2012/21 (ISIN DE000A1MLSJ1 / WKN A1MLSJ) und 2012/22 (ISIN DE000A1R0RZ5 / WKN A1R0RZ) unterbreitet habe, welche die Depotbanken an die Anleger weitergeleitet hätten.
Die Geschäftsführung nehme dazu wie folgt Stellung:
Herr Müller sei der Gesellschaft nicht bekannt und es bestünden keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen zwischen ihm und der Gesellschaft. Gemäß dem unverbindlichen Angebot möchte Herr Müller Anleihen im Volumen von jeweils bis zu 5.000.000 EUR zu einem Angebotspreis von 705,00 EUR, respektive 702,50 EUR je 1.000 EUR Nennbetrag erwerben und liege damit deutlich unter dem Ausgabepreis und dem derzeitigen Marktwert der Anleihen.
Das Angebot von Herrn Müller habe offensichtlich für Verunsicherung am Markt gesorgt, was ein Grund für den aktuellen Rückgang der Anleihenkurse sein könnte. Die Geschäftsführung stelle klar, dass es keine Ursachen aus der operativen Geschäftsentwicklung für die rückläufige Kursentwicklung der Ekosem-Anleihen gebe.
Ekosem-Agrar GmbH
Wiederholungstäter
Dass der Investor Karl Müller das Angebot nach dem Genuss von 20 Kölsch in bester Karnevalslaune verfasst habe, wie Markus Stillger vermute, sei indes zu verneinen, denn Herr Müller sei ein "Wiederholungstäter". Schon im November des vergangenen Jahres habe der Investor Müller Kaufangebote für Anleihen der Air Berlin PLC, Solwarld AG oder der GEWA 5 to 1 GmbH abgegeben.
Die Stuttgarter Nachrichten hätten von einem Kaufangebot berichtet, wonach ein Kölner Geschäftsmann den Besitzern von Anleihen des insolventen GEWA-Towers in Fellbach ein freiwilliges Barabfindungsangebot anbiete. Müller habe damals einen Preis in Höhe von 16 Prozent je Anleihe geboten, wobei aufgelaufene Stückzinsen nicht vergütet würden. Die Anleihen-Inhaber hätten demnach pro Anleihe im Nennwert von 1000 Euro eine Barabfindung in Höhe von 160 Euro erhalten. Bei den damaligen Übernahme-Interessenten der GEWA-Immobilie wäre im Insolvenzverfahren nach Expertenschätzung bei gelungener Abwicklung eine Quote von etwa 40 Prozent herausgesprungen. Die Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger habe das Angebot von Müller strikt abgelehnt.
Den kompletten Beitrag finden Sie hier. (News vom 13.02.2018) (14.02.2018/alc/n/a)
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