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21.01.19 09:00
Anleihemarkt: Nach "wilder Woche" steigt Risikoappetit

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Politische Themen wie Brexit und Zölle bestimmen weiter den Anleihehandel, so die Deutsche Börse AG.

"Es war eine wilde Woche", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank. Am Dienstag habe das britische Parlament den Brexit-Vertrag abgelehnt, am Mittwoch habe Theresa May ein Misstrauensvotum überlebt. "Anders als erwartet, wurde das alles am Markt sehr ruhig aufgenommen", berichte der Händler.

Was den Handelsstreit zwischen den USA und China angehe, sei derzeit etwas Entspannung angesagt: Das Wall Street Journal habe berichtet, dass die Trump-Regierung eine Rücknahme der Strafzölle auf chinesische Produkte erwäge, allerdings habe das US-Finanzministerium den Bericht umgehend dementiert. "Das wird uns wohl noch eine Weile begleiten", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Die extreme Nervosität an den Märkten sei jedenfalls etwas gewichen. "Riskanteres ist wieder gefragter", berichte Brunner. Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) liege mit 164,20 Punkten etwas unter dem Niveau vom Dienstag, zehnjährige Bundesanleihen würden mit 0,25 Prozent rentieren. "Die EZB-Sitzung und wichtige Konjunkturdaten werden die Bewertungen bei Bonds in der kommenden Woche auf die Probe stellen", meine Christoph Rieger von der Commerzbank. Die EZB werde wegen der rückläufigen Inflationserwartungen allerdings behutsam agieren, zumal die Erholung des Risikoappetits vor dem Hintergrund des Brexit-Chaos auf tönernen Füßen stehe.

Auch im Handel mit Unternehmensanleihen zeige sich die wieder gestiegene Risikobereitschaft: "Alles, was vor kurzem noch keiner haben wollte, wird gekauft, etwa Hybridanleihen und Coco-Bonds", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. "Wir sehen eine große Erholung." Auch Deutsche Bank-Anleihen seien wieder gefragt.

Brexit-bedingt seien Papiere (ISIN XS1881005976 / WKN A2RRUQ) von Jaguar Land Rover leicht unter Druck geraten, wie Brunner melde. VW-Anleihen seien Daniel zufolge unterdessen wieder gefragt. "China hat die Lokalverwaltungen aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Autos zu unterstützen." Er melde Käufe in dem bis 2026 laufenden Papier mit Kupon von 2,25 Prozent (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C), dem bis 2023 laufenden mit 0,875 Prozent (ISIN XS1167644407 / WKN A1ZUTN) und einer Hybridanleihe mit Kupon von aktuell 2,5 Prozent (ISIN XS1206540806 / WKN A1ZYTJ).

Eher verkauft würden laut Brunner Anleihen (ISIN DE000NLB8K69 / WKN NLB8K6) der kriselnden Nord/LB. "Anleger trennen sich wegen der Unsicherheit um die Zukunft der Bank lieber von den Papieren." Deutliche Verluste habe die Senvion-Anleihe (ISIN XS1608040090 / WKN A2E4E2) verzeichnet. Der Bond des Windenergieunternehmens sei im Oktober noch zu fast 90 Prozent gehandelt worden, jetzt seien es nur noch 55 Prozent. Gesucht seien Brunner zufolge Ferratum- (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF) und Sixt Leasing-Bonds (ISIN DE000A2LQKV2 / WKN A2LQKV).

Die Deutsche Lichtmiete AG, die energiesparende LED-Beleuchtungssysteme herstelle und vermiete, habe eine neue Anleihe (ISIN DE000A2NB9P4 / WKN A2NB9P) mit Kupon von 5,75 Prozent und Laufzeit bis 2023 auf den Markt gebracht, wie Petz berichte. "Die Emission ist zwar sehr klein, wir sehen da aber einiges an Umsatz." Der Deutsche Mittelstandsanleihen-Fonds solle die neue "Energie-Effizienz-Anleihe" in sein Portfolio aufgenommen haben. (Ausgabe vom 18.01.2019) (21.01.2019/alc/a/a)



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