"Deshalb ist es sinnvoll, die Reform so lange auszusetzen, bis die Betriebe bewiesen haben, dass 65-Jährige für sie nicht zum alten Eisen gehören – bis also das tatsächliche Renteneintrittsalter von gegenwärtig rund 62 auf 65 Jahre angestiegen ist. Damit bliebe auch Zeit, noch einmal darüber nachzudenken, ob die Rente mit 67 wirklich so alternativlos ist, wie es von ihren Befürwortern dargestellt wird.
Dass Zweifel daran durchaus angebracht sind, zeigt ein kleines Gedankenexperiment: Wer hätte vor 50 Jahren die Einführung der Pille, die Wiedervereinigung und die Osterweiterung der EU vorausgesehen? Diese drei Vorgänge hatten wesentliche Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands, damit aber auch auf die Zahl der Erwerbstätigen und die Rentenversicherung. Prognostizierbar waren sie nicht. Wie kann also mit Sicherheit vorausgesagt werden, wie viele Menschen 2040 oder 2050 in der Republik leben und arbeiten werden, wie sich bis dahin die Wirtschaft entwickelt und um wie viel produktiver jeder einzelne Arbeitnehmer in einigen Jahrzehnten seinen Job versieht? Wirklich sicher kann das niemand sagen, aber jeder einzelne dieser Faktoren beeinflusst die Funktionsfähigkeit des Rentensystems. Soll man also Ökonomen vertrauen, die selbst kurz vor ihrem Ausbruch die weltweite Finanzkrise nicht vorausgesehen haben, die nun aber fordern, dass die Deutschen im Jahr 2030 bis 67 und später bis 70 arbeiten müssen?....."
http://www.zeit.de/2010/34/Standpunkt-Rente |