HSH-Chef Nonnenmacher unter Druck
In der Führung der HSH Nordbank sind im Herbst 2008 Informationen über drohende Verluste in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro offenbar wochenlang nicht weitergegeben worden. Warum HSH-Chef Nonnenmacher diese Information an die damaligen Vorstandsmitglieder nicht weiterreichte, ist unklar. In der Führung der HSH Nordbank sind im Herbst 2008 Informationen über drohende Verluste in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro offenbar wochenlang nicht weitergegeben worden. Nach Recherchen von NDR Info warnte ein Mitarbeiter des jetzigen HSH-Chefs Dirk Jens Nonnenmacher und seines Vorstandskollegen Martin van Gemmeren bereits am 14. Oktober 2008 aus London per E-Mail vor einem der riskanten Omega-Geschäfte, das damals mit 260 Millionen Euro im Minus stand. Van Gemmeren weist Vorwürfe zurück Van Gemmeren wies am Montag vor dem HSH- Untersuchungsaussschuss des schleswig- holsteinischen Landtags Vorwürfe zurück, im Herbst 2008 Informationen zurückgehalten zu haben. Die Mail aus London sei nicht an ihn, sondern seinen Stellvertreter gegangen, der mit Bewertungsfragen beschäftigt gewesen sei, sagte van Gemmeren. Van Gemmeren betonte, er habe erst am 3. November 2008 durch ein Memo von den drohenden Wertberichtigungen der Omega-Geschäfte erfahren. "Da haben bei mir alle Alarmglocken geschrillt." Er habe umgehend um ein Gespräch mit Nonnenmacher gebeten, welches entweder noch am 3. November oder am Vormittag des folgenden Tages stattgefunden habe. Die HSH Nordbank habe zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr lang "extreme Scherereien" mit diesem Transaktionstypus gehabt. Bis Anfang November 2008 sei ihm jedoch lediglich die formale Bewertung der Omega-Geschäfte als Triple-A bekanntgewesen. Diese Einschätzung habe sich im Nachhinein jedoch als "komplett falsch" herausgestellt. "Ich brauche Hilfe." Laut NDR Info schrieb der Buchprüfer aus London eine verzweifelte E-Mail an die Zentrale in Hamburg. Er endete darin mit dem Satz: "Was machen wir nun damit? Ich brauche Hilfe." Der damalige HSH-Chef Hans Berger habe davon erst drei Wochen später erfahren, nachdem er auf einer Pressekonferenz deutlich positivere Zahlen präsentiert habe. Im Anschluss daran informierte ihn Nonnenmacher, dass die Bank weitere Abschreibungen von mehreren hundert Millionen Euro vornehmen müsse. Daraufhin sei Berger von seinem Amt zurückgetreten. Wenige Tage später stellte die Landesbank Nonnenmacher als neuen Vorstandsvorsitzenden vor. Dass Nonnenmacher wochenlang nichts von den Warnungen aus London wusste, schließen mehrere an dem Geschäft Beteiligte laut NDR-Bericht aus. Als Finanzvorstand war er für die Bilanzen und für das sogenannte Group Risk Management zuständig, das den Notruf ausgesandt habe. Chef dieser Abteilung war damals van Gemmeren. Dieser gilt als Vertrauter Nonnenmachers und ist mittlerweile Vorstandsmitglied der HSH Nordbank. Auf Arbeitsebene schon diskutiert Nach Angaben einer HSH-Sprecherin wurden die verlustreichen Omega-Geschäfte zunächst auf der Arbeitsebene diskutiert. Es sei lange unklar gewesen, wie die Bank die Transaktionen verbuchen solle. Nach Klärung dieser Frage seien die Gremien umgehend informiert worden. Van Gemmeren sagte vor dem Ausschuss, er kenne die betreffende E-Mail mittlerweile. Laut der Nachricht sei unklar gewesen, nach welcher von zwei unterschiedlichen Methoden die Transaktionen zu bewerten seien. Die FDP-Abgeordnete Ingrid Brand-Hückstädt bezeichnete den Umgang der HSH-Chefetage mit Informationen im Herbst 2008 als befremdlich. Van Gemmerens Aussage bestätige "das derzeit alles andere als positive Image der HSH-Chefetage". Die Bank sollte "aus eigenem Interesse über personelle Konsequenzen nachdenken". Zum wiederholten Mal seien Fehler der Bank insbesondere im Risikomanagement eingeräumt worden. Für Grünen- Ausschuss-Obmann Thorsten Fürter ist nicht entscheidend, ob "Herr Nonnenmacher als damaliger Finanzvorstand seinen Bereich nicht im Griff hatte, oder - noch schlimmer - Herrn Berger vorsätzlich ins offene Messer laufen ließ". Mit Nonnenmacher werde die HSH Nordbank "nicht in ruhigeres Fahrwasser kommen". Nonnenmacher steht seit Wochen unter Druck, weil er an zweifelhaften Aktionen beteiligt gewesen sein soll, um unliebsame Mitarbeiter los zu werden oder ihnen zu schaden. 20.09.2010 | (mss/DAPD) |