Erweiterte Funktionen
2016 - wie geht es nach dem schwachen Jahresauftakt weiter?
08.01.16 08:30
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Ein schwieriges Börsenjahr 2015 liegt hinter uns, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Und einfacher werde es im neuen Jahr auf jeden Fall auch nicht. Die Herausforderungen würden die alten bleiben. Einige neue würden sicherlich dazu kommen. Vor einem Ausblick auf 2016 lohne daher zunächst ein Blick zurück, auf ein Jahr, das Anlegern einen Zugewinn beim deutschen Aktienleitindex DAX von stattlichen 9,6 Prozent beschert habe. An den Rentenmärkten sei angesichts der Politik der Notenbanken dagegen wenig zu holen gewesen.
Das vergangene Jahr habe mit einem Paukenschlag begonnen: Die Schweizer Nationalbank habe den Frankenmindestkurs zum Euro aufgegeben. Nur wenige Wochen später seien die kurzfristigen Auswirkungen an den Märkten vergessen gewesen, als die Europäische Zentralbank (EZB) ein eigenes Anleihekaufprogramm für den Euroraum beschlossen habe: Bis Herbst 2016 wolle sie Wertpapiere über mehr als eine Billion Euro erwerben.
Offizielles Ziel der Aktion sei die Erhöhung der Inflationsrate gewesen, inoffiziell sei gewesen und sei allen Beteiligten jedoch bewusst: Der EZB gehe es um die Ankurbelung der flauen Konjunktur im Euroraum, die sechs Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise weiterhin keinen selbsttragenden Aufschwung entwickelt habe, der von ihr zuvor regelmäßig angekündigt worden sei. Die Aussicht auf die zu erwartende Liquiditätsschwemme habe in den ersten Monaten des vergangenen Jahres die europäischen Aktienmärkte ungebremst und nahezu explosionsartig in die Höhe getrieben: Der Deutsche Aktienindex sei zwischen Januar und April 2015 von 9.500 auf fast 12.400 Zähler geschossen und habe neue historische Höhen erklommen - trotz sich verschärfender Griechenland-Krise und trotz geopolitischer Spannungen in der Ukraine.
Dann habe die zweite, wenig erfreuliche Phase begonnen: Die Zeit der Rekorde habe im April geendet. Auslöser seien die sich zuspitzende Griechenland-Krise - mit der Konfrontation zwischen griechischer Regierung und dem Rest Europas, angeführt von den drei Institutionen, sei sogar ein "Grexit" immer wahrscheinlicher geworden - und ernste Sorgen um die Konjunktur der inzwischen zum globalen Wirtschaftsmotor aufgestiegenen chinesischen Volkswirtschaft gewesen.
Am sonst so ruhigen und beschaulichen Anleihemarkt sei es in dieser Phase zu einem regelrechten Crash gekommen. Die Rendite von 10-jährigen Bundesanleihen sei von annähemd null auf fast ein Prozent in die Höhe geschossen. Parallel sei es mit den Aktienmärkten dynamisch abwärts gegangen - ebenfalls eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Denn über den Schwellenländern - den so genannten Emerging Markets - seien dunkle Wolken aufgezogen. Viele Jahre hätten sie die globale Konjunktur gestützt. Doch nun würden sie von Problemen beeinflusst: Wachstumsabschwächung in China und stark rückläufigen Rohstoffpreisen, insbesondere dem Rohölpreis.
Diese Entwicklung habe wichtige Länder wie Russland und Brasilien in die Rezession geführt. Angeheizt worden sei die Situation durch den Beschluss Pekings, seine Währung gegenüber der Weltleitwährung, dem US-Dollar, abzuwerten. Plötzlich sei wieder vom "Währungskrieg" die Rede gewesen. Die kurze Erholung des DAX im September sei schließlich zunichte gemacht worden von der Bestätigung des VW-Konzerns, seine veröffentlichten Abgaswerte manipuliert zu haben. Ende September habe der DAX dann seine vorherigen Gewinne, die er im Verlauf des Jahres erzielt habe, aufgezehrt.
Dem Sommer-Gewitter sei dann eine kräftige Kurserholung zum Jahresende gefolgt, maßgeblich angetrieben abermals von der EZB und ihrer Ankündigung, die Geldpolitik abermals zu lockern und immer mehr Geld in die Märkte zu pumpen. Insgesamt habe der DAX im Jahresverlauf leicht zulegen können, ebenso wie die meisten Märkte der Euro-Zone. Die beste Jahresperformance unter den DAX-Werten habe die Aktie von adidas mit einem Kursplus in Höhe von rund 56 Prozent erzielt. Fresenius und Infineon seien knapp dahinter gefolgt.
Inhaber der roten Laterne sei das Papier von RWE gewesen, welches um knapp 54 Prozent nach unten gegangen sei. E.ON (-37%) und VW (-28%) hätten ebenfalls zu den größten Verlierern gezählt. Der Dow Jones habe per saldo etwas nachgegeben, ebenso wie der britische FTSE. An den Rohstoffmärkten sei keine Freude aufgekommen: Energie, Edelmetalle, Industriemetalle - all diese Werte seien von der globalen Konjunkturschwäche negativ beeinflusst worden.
Wer in diesen Tagen einen Blick auf die Gesamtsituation werfe, erhalte den Eindruck, für die Welt - und insbesondere für Europa - gebe es nur ein Thema: Die Flüchtlingsfrage. Grenzkontrollen würden die Schlagzeilen beherrschen, die Terrorgefahr, der Krieg in Syrien, der Streit um Flüchtlingskontingente, Hotspots und die Kosten der Integration. Für die Bürger seien dies alles bedeutende Fragen. Für Anleger jedoch würden sie nur eine Nebenrolle spielen.
Ganz prinzipiell leide die Investment-Welt weiter unter einem Problem: Grundlage adäquater Anlagerenditen sei ein anständiges Wirtschaftswachstum oder zumindest die Aussicht auf ein solches. Doch genau das sei derzeit fraglich. Seit Jahren werde eine kräftige Erholung der globalen Konjunktur vorhergesagt. Seit Jahren bleibe sie diese Erholung jedoch schuldig. Die EZB gebe inzwischen zu, den Euro schwächen zu wollen, um den Konzernen und Unternehmen im Euroraum Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
2016 werde man sich mit Blick auf die Erwartungshaltung einer konjunkturellen Dynamik - wie schon im abgelaufenen Jahr - zunächst vor allem auf die USA verlassen müssen. Ihre Konjunktur sei weiter stark. Der Beschluss der US-Zentralbank Federal Reserve im Dezember 2015, die Leitzinsen erstmals seit langem wieder zu erhöhen, sei daher weniger eine Gefahr für die amerikanische Wirtschaft, sondern eher ein Beleg für ihre Stärke. Die US-Volkswirtschaft halte dies aus, vorausgesetzt, die FED erhöhe in dem gerade begonnenen Zinszyklus nicht zu schnell und heftig die Zinsen.
So bleibe ein Restrisiko - insbesondere, wenn die US-Inflation schneller steige als derzeit erwartet. Zudem bleibe abzuwarten, wie die US-Unternehmen mit dem zu Stärke neigenden Dollar umgehen würden, der im Zuge der erwarteten steigenden Leitzinsen weiter gestützt werden sollte. Die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen werde hiervon nachhaltig beeinflusst.
Die Experten würden für die weitere Gewinnentwicklung amerikanischer Firmen im Jahr 2016 keine dynamische Entwicklung erwarten - und das angesichts bereits hoch bewerteter Aktiennotierungen. Und es gebe einen weiteren Grund zur Vorsicht: Der Aufschwung in den USA sei nicht gerade jung, er laufe bereits seit vielen Jahren - und kein Aufschwung halte ewig, das zeige die Historie. Auch seitens der Politik gebe es angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahlen Unsicherheiten. So würden sich derzeit manche Kandidaten mit nationalistischen Themen profilieren.
Im Europa bzw. im Euroraum gehe die Erholung der wirtschaftlichen Entwicklung schleppend voran. Das Wachstum sollte 2016 erneut zulegen, und auch in ehemals von der Krise gezeichneten Ländern wie Spanien und Italien zeige sich eine Tendenz zur Besserung. Gestützt werde die Entwicklung durch die weiterhin extrem niedrigen Zinsen, die billigen Rohstoffe und den schwachen Euro. Allerdings: Die Umsätze der Unternehmen würden kaum noch wachsen, die Gewinnmargen seien bereits hoch. Die Unternehmensgewinne sollten 2016 daher wohl nur einstellig zulegen können. Inwieweit sich vor dem Hintergrund des geschilderten Szenarios breit angelegte Kurssteigerungen einstellen könnten, bleibe abzuwarten.
Insgesamt würden die Staaten der Euro-Zone ihre längste Phase schwachen Wachstums seit Jahrzehnten verzeichnen, die Unternehmen würden kaum investieren, die reale Wirtschaftsleistung liege, vom Wachstumsmotor Deutschland abgesehen, meist noch immer unter dem Stand vor der Krise. Dazu würden zunehmende politische Risiken wie der Aufstieg Europa-kritischer Parteien, die Gefahr eines Brexit - und eines Grexit kommen, der bald schon wieder auf der Tagesordnung stehen könnte. Die ungelöste Flüchtlingsfrage lasse das Vertrauen in die Politik schwinden und viele EU-Bürger würden sich von der europäischen Idee abwenden.
Während also in den Industrieländern eine - gefährdete - Besserung zu sehen sei, würden die Schwellenländer ein Unsicherheitsfaktor erster Güte bleiben. Hätten sie bis vor kurzem noch jährliche Wachstumsraten von mehr als sieben Prozent erzielt, so würden es dieses und nächstes Jahr wohl eher vier Prozent sein. Auch wenn die Rohstoffpreise nicht weiter fallen sollten, so bedeute ihr aktueller Stand doch massive Einnahmeverluste für viele Emerging Markets. Sie würden als Wachstumstreiber ausfallen.
Größtes Fragezeichen bleibe China, das für fast 40 Prozent der Wirtschaftsleistung der Schwellenländer stehe. Ein steter Rückgang des Wachstums sei hier wohl ausgemacht und man könne nur hoffen, dass es zu keinem Crash in China komme - insbesondere an den Immobilienmärkten. Entscheidend sei hier auch das Verhalten der FED: Starke Zinserhöhungen in den USA könnten eine Kapitalflucht aus den Schwellenländern anheizen.
Das sei das große Bild: Das globale Wachstum bleibe mäßig und werde vermehrt von den Industrieländern getragen. Die Kapitalmärkte würden zwar von einigen Faktoren gestützt, doch seien diese Faktoren gleichzeitig ein Spiegel der schwächlichen Konjunktur: Niedrige Zinsen, billige Rohstoffe. Letztlich würden die Märkte abhängig von den internationalen Notenbanken bleiben. Und es stehe die Frage, ob diese die Märkte mit ihrem Agieren eher irritieren oder beruhigen könnten.
Politisch herrsche darüber hinaus kein Mangel an Krisenherden: In der Ukraine und in Syrien würden sich Nato und Russland bedenklich nah kommen, im südchinesischen Meer verlaufe niedrigschwellig der Konflikt zwischen China und seinen von den USA unterstützten Nachbarn. Weiterhin scheine der Streit zwischen Iran und Saudi-Arabien zu eskalieren und drücke gleich zu Jahresbeginn auf die Stimmung der Anleger. Die Gefahr neuer Terror-Anschläge in der Eurozone bleibe real und könnte jederzeit negativen Einfluss auf das Börsengeschehen nehmen.
Traditionell hätten die Kurse an den internationalen Börsen zu Jahresbeginn zwar die Tendenz, freundlich ins neue Jahr zu starten. Diese Regel sei in diesem Jahr allerdings zunächst eindeutig gebrochen worden. Die Börsen in Asien hätten aufgrund von Sorgen um die chinesische Konjunktur heftige Kursabschläge verbucht. Die Börsen in Europa und den USA hätten sich der negativen Entwicklung nicht entziehen können.
Der DAX sei an den ersten beiden Börsentagen kräftig gefallen und habe damit den schlechtesten Start seit 1988 verbucht. Die Turbulenzen an den Aktienmärkten hätten dem Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) hingegen einen guten Jahresauftakt beschert, wovon Rentenpapiere profitiert hätten. Eine wichtige Anlaufmarke stelle dabei das Hoch vom 11. Dezember bei 159,36 dar. Danach rücke bereits das Allzeithoch vom April letzten Jahres bei 160,69 ins Visier. Der Euro sollte nicht unter die Haltemarken bei rund 1,08 USD abrutschen, ansonsten drohe ein Wiedersehen mit dem Jahrestief 2015 bei knapp 1,05 US-Dollar.
Schwarz malen sei jedoch nicht angesagt: Alles in allem würden die Experten an den Aktienmärkten eine tendenziell steigende Volatilität und schnelle Wechsel der kursbestimmenden Themen erwarten. Die Aussichten auf eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends seien gegeben. Inwieweit zwischenzeitlich neue Hochstände erreicht werden könnten, bleibe abzuwarten. An den Rentenmärkten sollten die Renditen zunächst auf ihrem Niveau verharren, bevor sich im Jahresverlauf ein langsamer Trend hin zu tendenziell moderat steigenden Renditen entwickeln könnte. (Ausgabe Januar 2016) (08.01.2016/alc/a/a)
Und einfacher werde es im neuen Jahr auf jeden Fall auch nicht. Die Herausforderungen würden die alten bleiben. Einige neue würden sicherlich dazu kommen. Vor einem Ausblick auf 2016 lohne daher zunächst ein Blick zurück, auf ein Jahr, das Anlegern einen Zugewinn beim deutschen Aktienleitindex DAX von stattlichen 9,6 Prozent beschert habe. An den Rentenmärkten sei angesichts der Politik der Notenbanken dagegen wenig zu holen gewesen.
Das vergangene Jahr habe mit einem Paukenschlag begonnen: Die Schweizer Nationalbank habe den Frankenmindestkurs zum Euro aufgegeben. Nur wenige Wochen später seien die kurzfristigen Auswirkungen an den Märkten vergessen gewesen, als die Europäische Zentralbank (EZB) ein eigenes Anleihekaufprogramm für den Euroraum beschlossen habe: Bis Herbst 2016 wolle sie Wertpapiere über mehr als eine Billion Euro erwerben.
Offizielles Ziel der Aktion sei die Erhöhung der Inflationsrate gewesen, inoffiziell sei gewesen und sei allen Beteiligten jedoch bewusst: Der EZB gehe es um die Ankurbelung der flauen Konjunktur im Euroraum, die sechs Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise weiterhin keinen selbsttragenden Aufschwung entwickelt habe, der von ihr zuvor regelmäßig angekündigt worden sei. Die Aussicht auf die zu erwartende Liquiditätsschwemme habe in den ersten Monaten des vergangenen Jahres die europäischen Aktienmärkte ungebremst und nahezu explosionsartig in die Höhe getrieben: Der Deutsche Aktienindex sei zwischen Januar und April 2015 von 9.500 auf fast 12.400 Zähler geschossen und habe neue historische Höhen erklommen - trotz sich verschärfender Griechenland-Krise und trotz geopolitischer Spannungen in der Ukraine.
Dann habe die zweite, wenig erfreuliche Phase begonnen: Die Zeit der Rekorde habe im April geendet. Auslöser seien die sich zuspitzende Griechenland-Krise - mit der Konfrontation zwischen griechischer Regierung und dem Rest Europas, angeführt von den drei Institutionen, sei sogar ein "Grexit" immer wahrscheinlicher geworden - und ernste Sorgen um die Konjunktur der inzwischen zum globalen Wirtschaftsmotor aufgestiegenen chinesischen Volkswirtschaft gewesen.
Am sonst so ruhigen und beschaulichen Anleihemarkt sei es in dieser Phase zu einem regelrechten Crash gekommen. Die Rendite von 10-jährigen Bundesanleihen sei von annähemd null auf fast ein Prozent in die Höhe geschossen. Parallel sei es mit den Aktienmärkten dynamisch abwärts gegangen - ebenfalls eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Denn über den Schwellenländern - den so genannten Emerging Markets - seien dunkle Wolken aufgezogen. Viele Jahre hätten sie die globale Konjunktur gestützt. Doch nun würden sie von Problemen beeinflusst: Wachstumsabschwächung in China und stark rückläufigen Rohstoffpreisen, insbesondere dem Rohölpreis.
Diese Entwicklung habe wichtige Länder wie Russland und Brasilien in die Rezession geführt. Angeheizt worden sei die Situation durch den Beschluss Pekings, seine Währung gegenüber der Weltleitwährung, dem US-Dollar, abzuwerten. Plötzlich sei wieder vom "Währungskrieg" die Rede gewesen. Die kurze Erholung des DAX im September sei schließlich zunichte gemacht worden von der Bestätigung des VW-Konzerns, seine veröffentlichten Abgaswerte manipuliert zu haben. Ende September habe der DAX dann seine vorherigen Gewinne, die er im Verlauf des Jahres erzielt habe, aufgezehrt.
Dem Sommer-Gewitter sei dann eine kräftige Kurserholung zum Jahresende gefolgt, maßgeblich angetrieben abermals von der EZB und ihrer Ankündigung, die Geldpolitik abermals zu lockern und immer mehr Geld in die Märkte zu pumpen. Insgesamt habe der DAX im Jahresverlauf leicht zulegen können, ebenso wie die meisten Märkte der Euro-Zone. Die beste Jahresperformance unter den DAX-Werten habe die Aktie von adidas mit einem Kursplus in Höhe von rund 56 Prozent erzielt. Fresenius und Infineon seien knapp dahinter gefolgt.
Inhaber der roten Laterne sei das Papier von RWE gewesen, welches um knapp 54 Prozent nach unten gegangen sei. E.ON (-37%) und VW (-28%) hätten ebenfalls zu den größten Verlierern gezählt. Der Dow Jones habe per saldo etwas nachgegeben, ebenso wie der britische FTSE. An den Rohstoffmärkten sei keine Freude aufgekommen: Energie, Edelmetalle, Industriemetalle - all diese Werte seien von der globalen Konjunkturschwäche negativ beeinflusst worden.
Wer in diesen Tagen einen Blick auf die Gesamtsituation werfe, erhalte den Eindruck, für die Welt - und insbesondere für Europa - gebe es nur ein Thema: Die Flüchtlingsfrage. Grenzkontrollen würden die Schlagzeilen beherrschen, die Terrorgefahr, der Krieg in Syrien, der Streit um Flüchtlingskontingente, Hotspots und die Kosten der Integration. Für die Bürger seien dies alles bedeutende Fragen. Für Anleger jedoch würden sie nur eine Nebenrolle spielen.
Ganz prinzipiell leide die Investment-Welt weiter unter einem Problem: Grundlage adäquater Anlagerenditen sei ein anständiges Wirtschaftswachstum oder zumindest die Aussicht auf ein solches. Doch genau das sei derzeit fraglich. Seit Jahren werde eine kräftige Erholung der globalen Konjunktur vorhergesagt. Seit Jahren bleibe sie diese Erholung jedoch schuldig. Die EZB gebe inzwischen zu, den Euro schwächen zu wollen, um den Konzernen und Unternehmen im Euroraum Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
So bleibe ein Restrisiko - insbesondere, wenn die US-Inflation schneller steige als derzeit erwartet. Zudem bleibe abzuwarten, wie die US-Unternehmen mit dem zu Stärke neigenden Dollar umgehen würden, der im Zuge der erwarteten steigenden Leitzinsen weiter gestützt werden sollte. Die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen werde hiervon nachhaltig beeinflusst.
Die Experten würden für die weitere Gewinnentwicklung amerikanischer Firmen im Jahr 2016 keine dynamische Entwicklung erwarten - und das angesichts bereits hoch bewerteter Aktiennotierungen. Und es gebe einen weiteren Grund zur Vorsicht: Der Aufschwung in den USA sei nicht gerade jung, er laufe bereits seit vielen Jahren - und kein Aufschwung halte ewig, das zeige die Historie. Auch seitens der Politik gebe es angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahlen Unsicherheiten. So würden sich derzeit manche Kandidaten mit nationalistischen Themen profilieren.
Im Europa bzw. im Euroraum gehe die Erholung der wirtschaftlichen Entwicklung schleppend voran. Das Wachstum sollte 2016 erneut zulegen, und auch in ehemals von der Krise gezeichneten Ländern wie Spanien und Italien zeige sich eine Tendenz zur Besserung. Gestützt werde die Entwicklung durch die weiterhin extrem niedrigen Zinsen, die billigen Rohstoffe und den schwachen Euro. Allerdings: Die Umsätze der Unternehmen würden kaum noch wachsen, die Gewinnmargen seien bereits hoch. Die Unternehmensgewinne sollten 2016 daher wohl nur einstellig zulegen können. Inwieweit sich vor dem Hintergrund des geschilderten Szenarios breit angelegte Kurssteigerungen einstellen könnten, bleibe abzuwarten.
Insgesamt würden die Staaten der Euro-Zone ihre längste Phase schwachen Wachstums seit Jahrzehnten verzeichnen, die Unternehmen würden kaum investieren, die reale Wirtschaftsleistung liege, vom Wachstumsmotor Deutschland abgesehen, meist noch immer unter dem Stand vor der Krise. Dazu würden zunehmende politische Risiken wie der Aufstieg Europa-kritischer Parteien, die Gefahr eines Brexit - und eines Grexit kommen, der bald schon wieder auf der Tagesordnung stehen könnte. Die ungelöste Flüchtlingsfrage lasse das Vertrauen in die Politik schwinden und viele EU-Bürger würden sich von der europäischen Idee abwenden.
Während also in den Industrieländern eine - gefährdete - Besserung zu sehen sei, würden die Schwellenländer ein Unsicherheitsfaktor erster Güte bleiben. Hätten sie bis vor kurzem noch jährliche Wachstumsraten von mehr als sieben Prozent erzielt, so würden es dieses und nächstes Jahr wohl eher vier Prozent sein. Auch wenn die Rohstoffpreise nicht weiter fallen sollten, so bedeute ihr aktueller Stand doch massive Einnahmeverluste für viele Emerging Markets. Sie würden als Wachstumstreiber ausfallen.
Größtes Fragezeichen bleibe China, das für fast 40 Prozent der Wirtschaftsleistung der Schwellenländer stehe. Ein steter Rückgang des Wachstums sei hier wohl ausgemacht und man könne nur hoffen, dass es zu keinem Crash in China komme - insbesondere an den Immobilienmärkten. Entscheidend sei hier auch das Verhalten der FED: Starke Zinserhöhungen in den USA könnten eine Kapitalflucht aus den Schwellenländern anheizen.
Das sei das große Bild: Das globale Wachstum bleibe mäßig und werde vermehrt von den Industrieländern getragen. Die Kapitalmärkte würden zwar von einigen Faktoren gestützt, doch seien diese Faktoren gleichzeitig ein Spiegel der schwächlichen Konjunktur: Niedrige Zinsen, billige Rohstoffe. Letztlich würden die Märkte abhängig von den internationalen Notenbanken bleiben. Und es stehe die Frage, ob diese die Märkte mit ihrem Agieren eher irritieren oder beruhigen könnten.
Politisch herrsche darüber hinaus kein Mangel an Krisenherden: In der Ukraine und in Syrien würden sich Nato und Russland bedenklich nah kommen, im südchinesischen Meer verlaufe niedrigschwellig der Konflikt zwischen China und seinen von den USA unterstützten Nachbarn. Weiterhin scheine der Streit zwischen Iran und Saudi-Arabien zu eskalieren und drücke gleich zu Jahresbeginn auf die Stimmung der Anleger. Die Gefahr neuer Terror-Anschläge in der Eurozone bleibe real und könnte jederzeit negativen Einfluss auf das Börsengeschehen nehmen.
Traditionell hätten die Kurse an den internationalen Börsen zu Jahresbeginn zwar die Tendenz, freundlich ins neue Jahr zu starten. Diese Regel sei in diesem Jahr allerdings zunächst eindeutig gebrochen worden. Die Börsen in Asien hätten aufgrund von Sorgen um die chinesische Konjunktur heftige Kursabschläge verbucht. Die Börsen in Europa und den USA hätten sich der negativen Entwicklung nicht entziehen können.
Der DAX sei an den ersten beiden Börsentagen kräftig gefallen und habe damit den schlechtesten Start seit 1988 verbucht. Die Turbulenzen an den Aktienmärkten hätten dem Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) hingegen einen guten Jahresauftakt beschert, wovon Rentenpapiere profitiert hätten. Eine wichtige Anlaufmarke stelle dabei das Hoch vom 11. Dezember bei 159,36 dar. Danach rücke bereits das Allzeithoch vom April letzten Jahres bei 160,69 ins Visier. Der Euro sollte nicht unter die Haltemarken bei rund 1,08 USD abrutschen, ansonsten drohe ein Wiedersehen mit dem Jahrestief 2015 bei knapp 1,05 US-Dollar.
Schwarz malen sei jedoch nicht angesagt: Alles in allem würden die Experten an den Aktienmärkten eine tendenziell steigende Volatilität und schnelle Wechsel der kursbestimmenden Themen erwarten. Die Aussichten auf eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends seien gegeben. Inwieweit zwischenzeitlich neue Hochstände erreicht werden könnten, bleibe abzuwarten. An den Rentenmärkten sollten die Renditen zunächst auf ihrem Niveau verharren, bevor sich im Jahresverlauf ein langsamer Trend hin zu tendenziell moderat steigenden Renditen entwickeln könnte. (Ausgabe Januar 2016) (08.01.2016/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 126,0482 € | 125,1945 € | 0,8537 € | +0,68% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie


