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Abnehmendes Wachstum und der nicht greifbare Inflationshöhepunkt
19.07.22 09:00
Ardea Investment Management
Sydney (www.anleihencheck.de) - Im ersten Halbjahr 2022 überraschten die Inflationsdaten Zentralbanken, Anleger und Wirtschaftswissenschaftler positiv, so Alex Stanley, Relative Value Strategist, bei Ardea Investment Management.
Zu Beginn des zweiten Halbjahres sei die Inflation immer noch hoch, wobei negative Wachstumsentwicklungen für die Märkte ebenso bedenklich würden. Die Weltwirtschaft verlangsame sich, und das Risiko einer Rezession in den großen Volkswirtschaften steige. Die Märkte hätten in den letzten Wochen die schwächeren US-Konjunkturdaten aufgegriffen, von denen einige darauf hindeuten würden, dass die größte Volkswirtschaft der Welt das zweite Quartal in Folge schrumpfe.
Im letzten Monat hätten sich zum Beispiel die Indikatoren hinsichtlich US-Housing sowie das Verbrauchervertrauen verschlechtert, was gewöhnlich auf eine allgemeine Schwäche der Wirtschaft hindeute. Der durch den Inflationsanstieg und die aggressive Straffung der Geldpolitik bedingte negative Realeinkommenszuwachs wirke sich allmählich auf die Verbraucher aus, sodass viele Wirtschaftsexperten ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigieren würden. Der US-Data-Surprise-Index sei in den letzten zwei Monaten gesunken, was darauf hindeute, dass die jüngsten Zahlen deutlich hinter den Markterwartungen zurückgeblieben seien.
Optimistischer stimme die derzeit niedrige Arbeitslosenquote in den USA, doch sei dies ein Spätindikator. Einige Marktbeobachter würden auf den anhaltenden Anstieg der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA um etwa 60.000 in den letzten zwei Monaten (ausgehend von einem Rekordtief) als Indiz für eine bevorstehende höhere Arbeitslosigkeit verweisen.
Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung gebe es auch in Europa, wo die PMI-Erhebungen im Juni überraschend negativ ausgefallen seien. Die vorausschauenden Komponenten der Umfrage, wie Auftragseingänge und Geschäftserwartungen, seien stark zurückgegangen.
Weltweit würden die Wachstumsprognosen für 2022 weiter nach unten korrigiert. Einige Ökonomen des Privatsektors würden für 2022 ein Wachstum der Industrieländer von nur 2,5% erwarten - weniger als die Hälfte des Anstiegs von 2021.
In den USA, Großbritannien und Europa liege die Gesamtinflation bei 8 bis 9% im Jahresvergleich. Die Kerninflationsraten seien niedriger, hätten aber zuletzt Anzeichen von Zweitrundeneffekten aufgrund der hohen Gesamtinflation gezeigt. In den meisten Ländern seien die Preise generell gestiegen. So würden sich beispielsweise die Preise für über 60% des US-VPI-Warenkorbs um 5% oder mehr im Jahresvergleich erhöhen.
Ungeachtet der jüngsten Herausforderungen würden viele Experten damit rechnen, dass die Inflation im dritten oder vierten Quartal ihren Höhepunkt erreichen werde. Sollte dies der Fall sein, werde sich der Fokus stärker auf die besorgniserregenden Tail-Risiken für das Wachstum richten. Diese Aussichten würden im Allgemeinen auf einer Kombination der folgenden zentralen Annahmen beruhen:
- nachlassende Basiseffekte bei den Energiepreisen und niedrigere Rohstoffpreise, die in den letzten Wochen stark zurückgegangen seien
- Druck auf die Lieferkette lasse weiter nach und
- eine schwächere Nachfrage, die den Druck auf die Lohnpreise verringere.
Nach der historisch starken Underperformance des ersten Halbjahres 2022 könnte die schlimmste Zeit für Anleiherenditen vorbei sein.
Das bedeute nicht, dass die Renditen im zweiten Halbjahr nicht weiterhin neue Höchststände erreichen könnten - wie dies in früheren Straffungszyklen tendenziell auch der Fall gewesen sei. Aber die allgemeinen Aussichten für Anleihen hätten sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 verbessert. In den meisten Märkten sei ein restriktives geldpolitisches Niveau eingepreist. Die langfristigen Real- und Nominalrenditen würden sich auf einem Niveau bewegen, das eine gewisse Absicherung gegen die Abwertung risikoreicherer Anlagen ermögliche. Es gebe Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums.
Was angesichts dieser Faktoren noch fehle, sei ein deutlicher Rückgang der Inflation. Aus diesem Grund seein die Experten nach wie vor der Ansicht, dass die großen zweiseitigen Tail-Risiken einer Rezession oder einer anhaltend hohen Inflation die Volatilität von Anleihen (und Aktien) auf einem hohen Niveau halten dürften. Wie im Juni zu beobachten gewesen sei, sei der Markt binnen weniger Wochen aufgrund von Inflationsängsten zu schwächerem Wachstum übergegangen, was die 10-jährigen Renditen weltweit auf neue Zyklushöchststände getrieben habe, bevor sie um bis zu 60 Basispunkte gefallen seien.
Die Divergenz der Zinskurven zwischen den Märkten könnte in den kommenden Monaten deutlicher werden. So könnten beispielsweise die erheblichen Abwärtsrisiken in Europa aufgrund von Energie- und Fragmentierungsproblemen die Pläne der EZB zur Straffung der Geldpolitik weiter erschweren. Die Terminkurven in Europa und Australien seien steiler als in den anderen Märkten, weil die Straffung der Geldpolitik langsamer erfolge, während andere Märkte ein gewisses Lockerungsrisiko innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahren einpreisen würden. (19.07.2022/alc/a/a)
Zu Beginn des zweiten Halbjahres sei die Inflation immer noch hoch, wobei negative Wachstumsentwicklungen für die Märkte ebenso bedenklich würden. Die Weltwirtschaft verlangsame sich, und das Risiko einer Rezession in den großen Volkswirtschaften steige. Die Märkte hätten in den letzten Wochen die schwächeren US-Konjunkturdaten aufgegriffen, von denen einige darauf hindeuten würden, dass die größte Volkswirtschaft der Welt das zweite Quartal in Folge schrumpfe.
Im letzten Monat hätten sich zum Beispiel die Indikatoren hinsichtlich US-Housing sowie das Verbrauchervertrauen verschlechtert, was gewöhnlich auf eine allgemeine Schwäche der Wirtschaft hindeute. Der durch den Inflationsanstieg und die aggressive Straffung der Geldpolitik bedingte negative Realeinkommenszuwachs wirke sich allmählich auf die Verbraucher aus, sodass viele Wirtschaftsexperten ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigieren würden. Der US-Data-Surprise-Index sei in den letzten zwei Monaten gesunken, was darauf hindeute, dass die jüngsten Zahlen deutlich hinter den Markterwartungen zurückgeblieben seien.
Optimistischer stimme die derzeit niedrige Arbeitslosenquote in den USA, doch sei dies ein Spätindikator. Einige Marktbeobachter würden auf den anhaltenden Anstieg der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA um etwa 60.000 in den letzten zwei Monaten (ausgehend von einem Rekordtief) als Indiz für eine bevorstehende höhere Arbeitslosigkeit verweisen.
Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung gebe es auch in Europa, wo die PMI-Erhebungen im Juni überraschend negativ ausgefallen seien. Die vorausschauenden Komponenten der Umfrage, wie Auftragseingänge und Geschäftserwartungen, seien stark zurückgegangen.
Weltweit würden die Wachstumsprognosen für 2022 weiter nach unten korrigiert. Einige Ökonomen des Privatsektors würden für 2022 ein Wachstum der Industrieländer von nur 2,5% erwarten - weniger als die Hälfte des Anstiegs von 2021.
Ungeachtet der jüngsten Herausforderungen würden viele Experten damit rechnen, dass die Inflation im dritten oder vierten Quartal ihren Höhepunkt erreichen werde. Sollte dies der Fall sein, werde sich der Fokus stärker auf die besorgniserregenden Tail-Risiken für das Wachstum richten. Diese Aussichten würden im Allgemeinen auf einer Kombination der folgenden zentralen Annahmen beruhen:
- nachlassende Basiseffekte bei den Energiepreisen und niedrigere Rohstoffpreise, die in den letzten Wochen stark zurückgegangen seien
- Druck auf die Lieferkette lasse weiter nach und
- eine schwächere Nachfrage, die den Druck auf die Lohnpreise verringere.
Nach der historisch starken Underperformance des ersten Halbjahres 2022 könnte die schlimmste Zeit für Anleiherenditen vorbei sein.
Das bedeute nicht, dass die Renditen im zweiten Halbjahr nicht weiterhin neue Höchststände erreichen könnten - wie dies in früheren Straffungszyklen tendenziell auch der Fall gewesen sei. Aber die allgemeinen Aussichten für Anleihen hätten sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 verbessert. In den meisten Märkten sei ein restriktives geldpolitisches Niveau eingepreist. Die langfristigen Real- und Nominalrenditen würden sich auf einem Niveau bewegen, das eine gewisse Absicherung gegen die Abwertung risikoreicherer Anlagen ermögliche. Es gebe Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums.
Was angesichts dieser Faktoren noch fehle, sei ein deutlicher Rückgang der Inflation. Aus diesem Grund seein die Experten nach wie vor der Ansicht, dass die großen zweiseitigen Tail-Risiken einer Rezession oder einer anhaltend hohen Inflation die Volatilität von Anleihen (und Aktien) auf einem hohen Niveau halten dürften. Wie im Juni zu beobachten gewesen sei, sei der Markt binnen weniger Wochen aufgrund von Inflationsängsten zu schwächerem Wachstum übergegangen, was die 10-jährigen Renditen weltweit auf neue Zyklushöchststände getrieben habe, bevor sie um bis zu 60 Basispunkte gefallen seien.
Die Divergenz der Zinskurven zwischen den Märkten könnte in den kommenden Monaten deutlicher werden. So könnten beispielsweise die erheblichen Abwärtsrisiken in Europa aufgrund von Energie- und Fragmentierungsproblemen die Pläne der EZB zur Straffung der Geldpolitik weiter erschweren. Die Terminkurven in Europa und Australien seien steiler als in den anderen Märkten, weil die Straffung der Geldpolitik langsamer erfolge, während andere Märkte ein gewisses Lockerungsrisiko innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahren einpreisen würden. (19.07.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


