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Anleger ziehen Bonds EM-Aktien vor
21.08.12 15:02
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - In diesem Jahr haben Anleger weltweit ihr Engagement an Aktienfonds reduziert und investieren stärker in Rentenfonds, so die Experten von ING Investment Management.
Dieser Trend zeichne sich auch an den Emerging Markets ab: anhaltendes Interesse an EMD-Produkten und zunehmende Kapitalabflüsse von den EM-Aktienmärkten. Natürlich würden die Fixed-Income-Segmente von ganz anderen Faktoren beeinflusst als die Aktiensegmente. So seien die hohen Spreads von Emerging Market Debt für renditeorientierte Investoren attraktiv. Dividendenrenditen von rund 3% bei EM-Aktien würden dagegen nicht reichen, um ausländische Investoren zu überzeugen.
Obwohl EM-Aktien seit Anfang Juni 7% abgeworfen hätten, halte die seit fast zwei Jahren beobachtete Underperformance ggü. Aktien von entwickelten Märkten an. Anhaltende Sorgen um die Risiken im Finanzsystem und das Wachstum in China seien nach Einschätzung der Experten die Hauptgründe für das vergleichsweise schlechte Abschneiden. Hinzu würden Faktoren wie die jüngste Stagnation der Welthandelsdynamik, das wachsende Risiko höherer Lebensmittelpreise und eine weniger marktfreundliche Politik in mehreren großen EM-Volkswirtschaften kommen. Eine Übergewichtung ihrer Position in EM-Aktien komme für die Experten erst in Frage, wenn die Konjunktur in China und der EM-Aktienmarkt sich wieder belebt hätten.
Im April habe Peking die im letzten Oktober begonnenen Konjunkturmaßnahmen intensiviert. Mit einer unerwartet starken Kreditzunahme und einer Verdopplung der Zuwachsraten von Infrastrukturinvestitionen auf 18% bei Sachanlagen habe sich die beschleunigte geldpolitische Lockerung bereits an den Juni-Daten gezeigt. Aus Erfahrung würden die Experten wissen, dass die politischen Instanzen in China schnell und effektiv reagieren würden, wenn es um eine Intensivierung der Investitionstätigkeit gehe. So seien die Experten auch diesmal zuversichtlich, dass die Binnennachfrage die Talsohle bereits hinter sich habe und in den nächsten Monaten und Quartalen wieder steigen werde.
Die konjunkturelle Erholung in China habe wahrscheinlich schon begonnen. Ein wenig Sorge mache den Experten indes die Stärke des Aufschwungs. Ein ähnlich offensives Konjunkturprogramm wie in 2008/09 sei wohl kaum möglich, da das Bankensystem und die Finanzen der Kommunen derartige Kapitaleinschüsse nicht verkraften würden. Auch eine mögliche Überhitzung im Immobiliensektor sowie mehrere Großunfälle im Transportsektor in den letzten Jahren würden den geldpolitischen Spielraum begrenzen.
Finanzierung sei das größte Problem. Notleidende Engagements und ein rückläufiges Einlagengeschäft würden die chinesischen Banken belasten. Den Privatbanken, die wegen der weniger günstigen Konjunktur und der schlechten Gewinnentwicklung bei Unternehmen eher risikoavers seien, bleibe wenig Spielraum zur Ausweitung ihres Kreditbestands. Da die Finanzprobleme der Kommunen anhalten würden, müsse das Geld für neue Infrastrukturprojekte von den staatlichen Entwicklungsbanken und der Emissionstätigkeit im Unternehmenssektor kommen.
Chinas Konjunkturprobleme sowie steigende Risiken im Finanzsektor seien die Hauptgründe für das enttäuschende Abschneiden von EM-Aktien in den letzten paar Jahren. China sei der wichtigste Wachstumsmotor der Schwellenländer. In den kommenden Quartalen dürften die verstärkten Konjunkturanstrengungen Chinas die Wachstumsentwicklung in den EM beleben. Doch begrenzter Spielraum für weitere Zuwächse in China und die trüben Aussichten im Welthandel würden den Ausblick für die Schwellenländer dämpfen.
Auch die Ausfuhrländer Asiens würden in den Sog der EWU-Krise geraten: Im Juli sei die Zuwachsrate für chinesische Exporte nach Europa um 16% gefallen. Auch die Nachfrage in der übrigen Welt sei rückläufig. Die Binnennachfrage Chinas dürfte sich in den kommenden Monaten im Zuge verstärkter Infrastrukturinvestitionen indes erholen. Die Aussichten für eine Nachfrageerholung in Europa würden jedoch wesentlich von den nächsten Schritten der EZB abhängen.
Daher würden die Finanzmärkte gebannter als je zuvor die Verlautbarungen aus Frankfurt verfolgen. Die Nachfrage in Europa werde sich jedoch kaum erholen, solange die Zinsen auf spanische und italienische Anleihen nicht nachhaltig gesenkt werden könnten. In den kommenden Monaten würden die Experten mit einer Stabilisierung des Welthandels rechnen, gestützt von etwas besseren globalen PMI-Daten und der Aussicht auf höhere Sachanlageinvestitionen in China.
Es bestehe zwar ein akutes Lebensmittelpreisrisiko, das den Aktienmarkt belasten könnte, doch fürs Erste scheine dieses Risiko beherrschbar zu sein. Durch die schwache Wachstumsdynamik in den Schwellenländern sei der Inflationsdruck in letzter Zeit deutlich gesunken. Damit sei die Ausgangsbasis für die Inflationsentwicklung günstiger als noch in 2010. In H2 2010 hätten steigende Lebensmittelpreise die EM-Aktienmärkte stark belastet.
Für einige Schwellenländer würden die steigenden Lebensmittelpreise bedeuten, dass sich der Spielraum für weitere Zinssenkungen verringere. Das sei insbesondere in Indien und Mexiko der Fall. Doch noch sei die aktuelle Lage kaum mit 2010 vergleichbar, als die höheren Lebensmittelpreise die Zinsen in den Schwellenländern nach oben getrieben hätten. Derzeit würden die Renditen auf EM-Anleihen infolge der trüben Wachstumsaussichten und trotz der höheren Lebensmittelpreise sinken.
Die besten Beispiele für die wachstumsdämpfende Wirkung wirtschaftspolitischer Zielabweichungen seien Brasilien und Indien. So habe die brasilianische Regierung die Unabhängigkeit der Zentralbank stark beschnitten; die Zinsen seien aggressiv gesenkt worden. Steigende Einkommen bei der Landbevölkerung ohne gleichzeitige Liberalisierung der Lebensmittelmärkte würden in Indien die Inflation antreiben. Insgesamt bedrohe interventionistische Politik das Investitionsklima und damit das Wachstum. (21.08.2012/alc/a/a)
Dieser Trend zeichne sich auch an den Emerging Markets ab: anhaltendes Interesse an EMD-Produkten und zunehmende Kapitalabflüsse von den EM-Aktienmärkten. Natürlich würden die Fixed-Income-Segmente von ganz anderen Faktoren beeinflusst als die Aktiensegmente. So seien die hohen Spreads von Emerging Market Debt für renditeorientierte Investoren attraktiv. Dividendenrenditen von rund 3% bei EM-Aktien würden dagegen nicht reichen, um ausländische Investoren zu überzeugen.
Obwohl EM-Aktien seit Anfang Juni 7% abgeworfen hätten, halte die seit fast zwei Jahren beobachtete Underperformance ggü. Aktien von entwickelten Märkten an. Anhaltende Sorgen um die Risiken im Finanzsystem und das Wachstum in China seien nach Einschätzung der Experten die Hauptgründe für das vergleichsweise schlechte Abschneiden. Hinzu würden Faktoren wie die jüngste Stagnation der Welthandelsdynamik, das wachsende Risiko höherer Lebensmittelpreise und eine weniger marktfreundliche Politik in mehreren großen EM-Volkswirtschaften kommen. Eine Übergewichtung ihrer Position in EM-Aktien komme für die Experten erst in Frage, wenn die Konjunktur in China und der EM-Aktienmarkt sich wieder belebt hätten.
Im April habe Peking die im letzten Oktober begonnenen Konjunkturmaßnahmen intensiviert. Mit einer unerwartet starken Kreditzunahme und einer Verdopplung der Zuwachsraten von Infrastrukturinvestitionen auf 18% bei Sachanlagen habe sich die beschleunigte geldpolitische Lockerung bereits an den Juni-Daten gezeigt. Aus Erfahrung würden die Experten wissen, dass die politischen Instanzen in China schnell und effektiv reagieren würden, wenn es um eine Intensivierung der Investitionstätigkeit gehe. So seien die Experten auch diesmal zuversichtlich, dass die Binnennachfrage die Talsohle bereits hinter sich habe und in den nächsten Monaten und Quartalen wieder steigen werde.
Die konjunkturelle Erholung in China habe wahrscheinlich schon begonnen. Ein wenig Sorge mache den Experten indes die Stärke des Aufschwungs. Ein ähnlich offensives Konjunkturprogramm wie in 2008/09 sei wohl kaum möglich, da das Bankensystem und die Finanzen der Kommunen derartige Kapitaleinschüsse nicht verkraften würden. Auch eine mögliche Überhitzung im Immobiliensektor sowie mehrere Großunfälle im Transportsektor in den letzten Jahren würden den geldpolitischen Spielraum begrenzen.
Chinas Konjunkturprobleme sowie steigende Risiken im Finanzsektor seien die Hauptgründe für das enttäuschende Abschneiden von EM-Aktien in den letzten paar Jahren. China sei der wichtigste Wachstumsmotor der Schwellenländer. In den kommenden Quartalen dürften die verstärkten Konjunkturanstrengungen Chinas die Wachstumsentwicklung in den EM beleben. Doch begrenzter Spielraum für weitere Zuwächse in China und die trüben Aussichten im Welthandel würden den Ausblick für die Schwellenländer dämpfen.
Auch die Ausfuhrländer Asiens würden in den Sog der EWU-Krise geraten: Im Juli sei die Zuwachsrate für chinesische Exporte nach Europa um 16% gefallen. Auch die Nachfrage in der übrigen Welt sei rückläufig. Die Binnennachfrage Chinas dürfte sich in den kommenden Monaten im Zuge verstärkter Infrastrukturinvestitionen indes erholen. Die Aussichten für eine Nachfrageerholung in Europa würden jedoch wesentlich von den nächsten Schritten der EZB abhängen.
Daher würden die Finanzmärkte gebannter als je zuvor die Verlautbarungen aus Frankfurt verfolgen. Die Nachfrage in Europa werde sich jedoch kaum erholen, solange die Zinsen auf spanische und italienische Anleihen nicht nachhaltig gesenkt werden könnten. In den kommenden Monaten würden die Experten mit einer Stabilisierung des Welthandels rechnen, gestützt von etwas besseren globalen PMI-Daten und der Aussicht auf höhere Sachanlageinvestitionen in China.
Es bestehe zwar ein akutes Lebensmittelpreisrisiko, das den Aktienmarkt belasten könnte, doch fürs Erste scheine dieses Risiko beherrschbar zu sein. Durch die schwache Wachstumsdynamik in den Schwellenländern sei der Inflationsdruck in letzter Zeit deutlich gesunken. Damit sei die Ausgangsbasis für die Inflationsentwicklung günstiger als noch in 2010. In H2 2010 hätten steigende Lebensmittelpreise die EM-Aktienmärkte stark belastet.
Für einige Schwellenländer würden die steigenden Lebensmittelpreise bedeuten, dass sich der Spielraum für weitere Zinssenkungen verringere. Das sei insbesondere in Indien und Mexiko der Fall. Doch noch sei die aktuelle Lage kaum mit 2010 vergleichbar, als die höheren Lebensmittelpreise die Zinsen in den Schwellenländern nach oben getrieben hätten. Derzeit würden die Renditen auf EM-Anleihen infolge der trüben Wachstumsaussichten und trotz der höheren Lebensmittelpreise sinken.
Die besten Beispiele für die wachstumsdämpfende Wirkung wirtschaftspolitischer Zielabweichungen seien Brasilien und Indien. So habe die brasilianische Regierung die Unabhängigkeit der Zentralbank stark beschnitten; die Zinsen seien aggressiv gesenkt worden. Steigende Einkommen bei der Landbevölkerung ohne gleichzeitige Liberalisierung der Lebensmittelmärkte würden in Indien die Inflation antreiben. Insgesamt bedrohe interventionistische Politik das Investitionsklima und damit das Wachstum. (21.08.2012/alc/a/a)


