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Anleihe-Investments 2013: Nichts leichter als das?


09.01.13 11:51
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Endlich mal sind Anlageentscheidungen ein Kinderspiel - so jedenfalls könnte man die Meinung der meisten Analysten zu den Aussichten für erstklassige Staatsanleihen interpretieren, so Ad van Tiggelen, Senior Investment Specialist, Investment Content Management bei ING Investment Management, Den Haag.

Die Mehrzahl der Kommentatoren halte die gegenwärtigen Renditen von ein bis zwei Prozent auf zehnjährige US-Treasuries und Staatsanleihen aus Kerneuropa für untragbar niedrig. Nach ihrem Dafürhalten werde 2013 ein verlorenes Jahr für Anleger in langlaufenden Staatsanleihen. Da müsse man sich doch fragen: Seien die tatsächlichen Verhältnisse wirklich so simpel?

Eines sei klar: Die lange Phase üppiger Renditen auf Staatsanleihen sei vorbei, daran gebe es nichts zu rütteln. Die Staatsanleiherenditen müssten deutlich unter ein Prozent fallen, um dieser Asset-Klasse noch ein weiteres gutes Jahr abzuringen. Das sei allerdings unwahrscheinlich. Insofern verwundere es nicht, dass der Appetit auf höherrentierliche, aber risikoreichere Rentenwerte - beispielsweise von den Emerging Markets, aus den EWU-Randstaaten und von Unternehmensemittenten - immer noch groß sei.

Andererseits würden die Experten die Erwartung bzw. Sorge, dass die Staatsanleiherenditen in den EWU-Kernländern in den nächsten Jahren wieder auf ihre "angestammte" Bandbreite von drei bis vier Prozent zurückkehren würden, für verfrüht halten. Wahrscheinlicher sei, dass die Renditen noch über längere Zeit auf ihrem aktuell niedrigen Niveau - bzw. knapp darüber - verharren würden. Und warum?

Zunächst einmal würden die Experten das Argument, die Anleiherenditen würden von den Zentralbanken "künstlich" niedrig gehalten, für verfehlt halten. Tatsächlich könnten die Währungshüter nur davon träumen, die Finanzmärkte so leicht und so umfassend zu beeinflussen. Die Geschichte lehre: Die Manipulation von Währungen bzw. der Renditen langlaufender Anleihen sei über längere Zeiträume so gut wie unmöglich - es sei denn, dass die staatlichen Steuerungsmaßnahmen von der realen wirtschaftlichen Entwicklung gestützt würden. Natürlich hätten sich die Zentralbanken durch den Rückkauf von Staatspapieren im Rahmen ihrer Quantitative-Easing-Programme auf die Märkte ausgewirkt. Doch die QE-Maßnahmen hätten nur in begrenztem Maße langlaufende Anleihen betroffen und auch nur in den USA und Großbritannien, nicht aber im Kern der Eurozone.

Ein weiteres Argument für höhere Renditen sei die Inflationsangst. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Konsensschätzungen der Ökonomen für 2013 auf eine niedrigere Inflationsrate als noch in 2012 hindeuten würden. Den Prognosen zufolge dürfte die Inflationsrate in den entwickelten Volkswirtschaften in diesem Jahr von ca. 2 Prozent auf 1,7 Prozent zurückgehen. Das mache Sinn, denn die Kerninflation hänge vor allem vom Lohnwachstum ab. Da die Arbeitslosigkeit aber immer noch hoch sei und man in einigen Sektoren sogar die Möglichkeit von Lohnrückgängen diskutiere, sei in absehbarer Zeit nicht mit einem Anstieg der Kerninflation zu rechnen.

Hinzu komme, dass die Anleiherenditen schon allein deshalb auf niedrigem Niveau verharren dürften, weil die hochverschuldete Welt hohe Zinsen noch nicht verkraften würde. Häufig werde übersehen, dass die Gesamtverschuldung (der Staaten, Unternehmen, Privathaushalte und Finanzinstitutionen) in der entwickelten Welt ungefähr dem Dreieinhalbfachen des Bruttoinlandsprodukts entspreche. Ende der 1990er Jahre sei es noch das Zweieinhalbfache und Anfang der 1980er Jahre, als die Zinsen bei über 10 Prozent gelegen hätten, nur das Anderthalbfache gewesen. Würden die Anleiherenditen jetzt deutlich steigen, dann würde das aktuelle Schuldenniveau zunehmend unbezahlbar. Ein Anstieg der Renditen wäre also letztlich kontraproduktiv. Wenn also irgendwann die Renditen wieder steigen sollten, sei damit wohl nicht 2013 oder selbst 2014 zu rechnen.

Das Leben sei nie ganz so einfach, wie es hin und wieder erscheinen möge. Anleihen würden zwar auf niedrigem Niveau dahin dümpeln, aber abschreiben könne man sie noch lange nicht. (09.01.2013/alc/a/a)