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Anleihemarkt: Anleger halten die Füße still
03.07.15 15:42
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ein heißes Wochenende steht den Europäern bevor, so die Deutsche Börse AG.
Neben rekordverdächtigen Temperaturen komme es zur Abstimmung der Griechen, vorausgesetzt die dortigen Gerichte würden heute den Weg dazu frei geben. "Vor dem Referendum am Sonntag ist allerorten Zurückhaltung angesagt", beschreibe die Helaba die Anlegerstimmung. Sollten sich die Griechen tatsächlich gegen die Reformpläne entscheiden, werde ein Ausstieg aus dem Euro wahrscheinlicher. Das erhöhe das Sicherheitsbedürfnis der Investoren, was kurzlaufenden Bundesschatzanweisungen zu Gute käme. "Trotz tiefroter Renditen müssen diese als Parkposition übers Wochenende herhalten."
Nach Ansicht von Robert Halver scheitere der Euro übrigens nicht, sollten die Griechen austreten. "Denn die Euro-Kette wird nicht schwächer, wenn das schwächste Glied entfernt wird", begründe der Analyst der Baader Bank. "Nur wenn weiter undisziplinierte Verstöße gegen Stabilitätsregeln geduldet werden, hat die Eurozone längerfristig keine Chance."
"Größtenteils gehen Anleger wohl davon aus, dass das Land "irgendwie" in der Eurozone bleibt", beobachte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Allgemein dominiert vor dem Urnengang zwar die Vorsicht." Panik herrsche aber nicht. Privatanleger hätten besonnen reagiert. Abgaben in größerem Maße seien ausgeblieben.
Das Geschäft mit Unternehmensanleihen bezeichne Gregor Daniel als eher gemächlich. "Anleger sind wie benommen", berichte der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Im gegenwärtigen Umfeld hätten sich Investoren verständlicherweise nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Selbst Meldungen, wie die Streichung der Kohleabgabe im Rahmen der Energiewendeanpassungen hätten kaum Wirkung gezeigt. Diese für Versorger positive Entscheidung würde in regulären Zeiten mehr Bewegung bei entsprechenden Bonds von RWE oder E.ON auslösen. "Am Montag werden wir auch nicht viel schlauer sein", sei Daniel überzeugt.
Das vorübergehende Aus der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern habe nicht nur den Bankaktien in dieser Woche zugesetzt. "Insbesondere nachrangige Bankanleihen sind dadurch in schweres Fahrwasser geraten", registriere Tillmann. "Teilweise gab es für diese Werte im OTC-Handel nur stark ermäßigte oder gar keine Geldkurse." Mittlerweile habe sich die Situation wieder etwas entspannt.
Mit Blick auf das zweite Halbjahr rechne Robert Halver von der Baader Bank eher mit einem "Weiter so" an den Rentenmärkten. Als Konsequenz der geldpolitischen Druckbetankung und dem damit einhergehenden Anlagenotstand sei zwar die größte Anleihen-Überhitzung aller Zeiten entstanden. Ein Platzen der Blase würden die Notenbanken aber nicht zulassen.
Das Anlegervertrauen in die Macht der Europäischen Zentralbank, bei einem Grexit einen Dominoeffekt auf andere Euroländer verhindern zu können sei groß. Das erkenne der Händler an den Bonds südeuropäischer Länder. Der Renditeanstieg italienischer, spanischer und portugiesischer Staatsanleihen halte sich in Grenzen. "Allerdings wird die Volatilität an den Anleihemärkten aufgrund der mittlerweile über drei Jahrzehnte andauernden Rentenhausse und des erreichten Niedrigzinsniveaus zunehmen", prognostiziere Halver.
Diskussionen über eine gemeinsame Einlagensicherung mit gegenseitiger Haftung würden bei den Bürgern Europas vermutlich derzeit auf wenig Gegenliebe stoßen, wie Klaus Stopp denke. Der Rentenexperte der Baader Bank rate dazu, den Sparerschutz lieber auf Basis leistungsfähiger nationaler Einlagen- und Institutssicherungssysteme zu gewährleisten.
"Eine Bereitschaft der Menschen zum Sparen besteht schließlich nur, wenn die Sicherheit der Spareinlagen ohne jeden Zweifel gegeben ist." Im Übrigen hätte aus Stopps Sicht eher in den anderen Staaten Europas ein Referendum abgehalten werden müssen. Dann könne die Bevölkerung Europas entscheiden. "Es ist anzunehmen, dass das Ergebnis in Griechenland nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen würde." (03.07.2015/alc/a/a)
Neben rekordverdächtigen Temperaturen komme es zur Abstimmung der Griechen, vorausgesetzt die dortigen Gerichte würden heute den Weg dazu frei geben. "Vor dem Referendum am Sonntag ist allerorten Zurückhaltung angesagt", beschreibe die Helaba die Anlegerstimmung. Sollten sich die Griechen tatsächlich gegen die Reformpläne entscheiden, werde ein Ausstieg aus dem Euro wahrscheinlicher. Das erhöhe das Sicherheitsbedürfnis der Investoren, was kurzlaufenden Bundesschatzanweisungen zu Gute käme. "Trotz tiefroter Renditen müssen diese als Parkposition übers Wochenende herhalten."
Nach Ansicht von Robert Halver scheitere der Euro übrigens nicht, sollten die Griechen austreten. "Denn die Euro-Kette wird nicht schwächer, wenn das schwächste Glied entfernt wird", begründe der Analyst der Baader Bank. "Nur wenn weiter undisziplinierte Verstöße gegen Stabilitätsregeln geduldet werden, hat die Eurozone längerfristig keine Chance."
"Größtenteils gehen Anleger wohl davon aus, dass das Land "irgendwie" in der Eurozone bleibt", beobachte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Allgemein dominiert vor dem Urnengang zwar die Vorsicht." Panik herrsche aber nicht. Privatanleger hätten besonnen reagiert. Abgaben in größerem Maße seien ausgeblieben.
Das vorübergehende Aus der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern habe nicht nur den Bankaktien in dieser Woche zugesetzt. "Insbesondere nachrangige Bankanleihen sind dadurch in schweres Fahrwasser geraten", registriere Tillmann. "Teilweise gab es für diese Werte im OTC-Handel nur stark ermäßigte oder gar keine Geldkurse." Mittlerweile habe sich die Situation wieder etwas entspannt.
Mit Blick auf das zweite Halbjahr rechne Robert Halver von der Baader Bank eher mit einem "Weiter so" an den Rentenmärkten. Als Konsequenz der geldpolitischen Druckbetankung und dem damit einhergehenden Anlagenotstand sei zwar die größte Anleihen-Überhitzung aller Zeiten entstanden. Ein Platzen der Blase würden die Notenbanken aber nicht zulassen.
Das Anlegervertrauen in die Macht der Europäischen Zentralbank, bei einem Grexit einen Dominoeffekt auf andere Euroländer verhindern zu können sei groß. Das erkenne der Händler an den Bonds südeuropäischer Länder. Der Renditeanstieg italienischer, spanischer und portugiesischer Staatsanleihen halte sich in Grenzen. "Allerdings wird die Volatilität an den Anleihemärkten aufgrund der mittlerweile über drei Jahrzehnte andauernden Rentenhausse und des erreichten Niedrigzinsniveaus zunehmen", prognostiziere Halver.
Diskussionen über eine gemeinsame Einlagensicherung mit gegenseitiger Haftung würden bei den Bürgern Europas vermutlich derzeit auf wenig Gegenliebe stoßen, wie Klaus Stopp denke. Der Rentenexperte der Baader Bank rate dazu, den Sparerschutz lieber auf Basis leistungsfähiger nationaler Einlagen- und Institutssicherungssysteme zu gewährleisten.
"Eine Bereitschaft der Menschen zum Sparen besteht schließlich nur, wenn die Sicherheit der Spareinlagen ohne jeden Zweifel gegeben ist." Im Übrigen hätte aus Stopps Sicht eher in den anderen Staaten Europas ein Referendum abgehalten werden müssen. Dann könne die Bevölkerung Europas entscheiden. "Es ist anzunehmen, dass das Ergebnis in Griechenland nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen würde." (03.07.2015/alc/a/a)


