Anleihemarkt: FED nimmt "goldenen Mittelweg"


20.12.13 16:25
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Monatelang war es das Schreckensgespenst der Märkte, nun herrscht Gelassenheit, so die Deutsche Börse AG.

Dass die US-Notenbank die Anleihekäufe ab Januar reduzieren werde, wie sie am vergangenen Mittwoch bekannt gegeben habe, sei insgesamt gut angekommen. "Die FED hat den goldenen Mittelweg gewählt: Sie hat ihr Gesicht bewahrt und wird das Anleiheprogramm zurückfahren. Gleichzeitig hat sie versichert, dass die Zinsen langfristig niedrig bleiben", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Mit dieser Entscheidung und der weiteren monatlichen Reduzierung werden die Märkte gut leben können", meine auch Klaus Stopp von der Baader Bank.

Während Aktienkurse nach der Entscheidung in die Höhe geschossen seien, hätten US-Anleihen mit nur moderaten Verlusten reagiert, wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Der Grund ist wohl, dass die FED auch bei Sinken der Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent den Leitzins niedrig halten will."

Der Euro-Bund-Future als Indikator für die langfristigen Zinserwartungen habe vor der Nachricht um 140 Prozent gependelt, dann sei es etwas abwärts gegangen, am Freitagmittag notiere das Rentenbarometer bei 139,80 nach 140,33 Punkten vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 1,87 Prozent nach 1,83 am vergangenen Freitag rentieren.

Am Markt für Neuemissionen von Staats- und Unternehmensanleihen sei zum Jahresausklang nicht mehr viel los. Arthur Brunner von ICF Kursmakler zufolge sei lediglich Spanien in dieser Woche noch mit drei- und zehnjährigen Papieren auf den Markt gekommen. "Die Nachfrage war sehr gut."

Zum Jahresende würden Anleger ihre Portfolios noch einmal anpassen, der Handel mit Unternehmensanleihen sei Händlern zufolge jedenfalls rege. Hellwig berichte von hoher Nachfrage nach einer Deutschen Bahn-Anleihe: "Nach der kürzlich erfolgten Fahrpreiserhöhung waren wohl einige Anleger davon überzeugt, dass hierdurch die Zinszahlungen gesichert sind."

Daniel zufolge seien GE-Anleihen nach einer gut aufgenommenen Investorenkonferenz nachgefragt worden, ebenso Papiere der Deutschen Postbank und der zur Telekom Austria gehörenden Telekom Finanzmanagement. Getrennt hätten sich Anleger hingegen von einem Axa-Bond. "Die Axa-Anleihe mit Kupon von 4,784 Prozent notiert mittlerweile bei über 98 Prozent, im Sommer 2012 waren es nur um die 50. Da das Unternehmen die Anleihe im Januar vorzeitig kündigen kann, steigen Anleger aus."

Noch offen sei, was mit Papieren der Werkstattkette ATU passiere: "Die vorrangig besicherten Anleihen (ISIN XS0548968592 / WKN A1EWTK; ISIN XS0548972784 / WKN A1EWTP) sollen umgetauscht werden, die Gläubiger der Nachranganleihe (ISIN XS0202043898 / WKN A0DLQW) werden wohl leer ausgehen", erkläre Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Die besonders liquide, bis 2014 laufende vorrangige Anleihe verliere heute abermals deutlich an Wert und notiere aktuell bei 67 Prozent, die Nachranganleihe bei 1 Prozent.

Angeschlagen bleibe der Markt für Mittelstandsanleihen nach der Pleite des Online-Händlers Getgoods.de und des Photovoltaikanlagenherstellers S.A.G. Solarstrom. "Bei MS Deutschland (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) kam schon gut an, dass die Zinsen am 18. Dezember gezahlt wurden, die Anleihe stieg auf knapp 60 Prozent", berichte Daniel. Seit der Emission vor einem Jahr sei der Kurs sukzessive gesunken, die Rendite beim aktuellen Kurs liege mittlerweile bei 23,64 Prozent.

Der angeschlagene Solarzulieferer 3W Power habe unterdessen die für den Mittwoch dieser Woche geplante Gläubigerversammlung abgesagt und bekannt gegeben, die eigentlich am 1. Dezember fälligen Zinsen nun doch noch zahlen zu wollen. "Der Kurs der Anleihe (ISIN DE000A1A29T7 / WKN A1A29T) kletterte darauf hin von rund 25 auf 38 Prozent", bemerke Petz.

Etwas erholt von den Kursverlusten in der Vorwoche - ausgelöst durch die erneute Durchsuchung von Büroräumen durch die Staatsanwaltschaft - habe sich Brunner zufolge Travel24 (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG). "Das Minus ist zur Hälfte wieder wettgemacht." Aktuell notiere die Anleihe bei 78 Prozent.

"Unterm Strich landet nach Berechnungen der Ratingagentur Scope fast jeder achte Euro, der in Mittelstandsanleihen gesteckt wird, bei einer Pleitefirma", bemerke Stopp. Die Tatsache, dass häufig das angestrebte Volumen nicht erreicht werde, zeige aber, dass Anleger offenbar nicht mehr alles blind gezeichnet hätten.

Stopp rege an, die Bonds mit mehr Sicherheiten auszustatten, wie dies etwa Projektentwickler und Immobiliengesellschaften tun würden. "Bei 1,84 Prozent Rendite für eine zehnjährige deutsche Staatsanleihe würden sich viele Anleger über 3 Prozent für eine vernünftig besicherte fünfjährige Anleihe des gesunden Mittelstands freuen."

Allerdings seien längst nicht alle Emittenten Sorgenkinder, an der Solidität vieler werde nach wie vor nicht gezweifelt: Zahlreiche Papiere würden noch deutlich über Pari notieren, allen voran Karlsberg Brauerei mit 111 Prozent, Berentzen (ISIN DE000A1RE1V3 / WKN A1RE1V) mit 108,50 und MS Spaichingen mit 108 Prozent. (20.12.2013/alc/a/a)





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