Anleihemarkt: Immer mehr Minusrenditen


20.04.15 10:41
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Und es geht noch tiefer: Die Bundrenditen fallen und fallen, bald könnten auch die der zehnjährigen Papiere in den Minusbereich abtauchen, so die Deutsche Börse AG.

Der aktuelle Auslöser: Die EZB habe in dieser Woche bekannt gegeben, dass sie an ihrem Kurs festhalte und kein vorzeitiges Ende des Anleihekaufprogramms in Betracht ziehe. Der Euro-Bund-Future sei daraufhin erstmals über 160 Punkte geklettert, am heutigen Freitag werde ein neues Hoch von 160,43 Punkten markiert. Die Rendite zehnjähriger Staatstitel sei heute Morgen auf nur noch 0,069 Prozent gefallen - ein Rekordtief.

"Bundesanleihen mit Restlaufzeiten bis neun Jahre rentieren schon negativ", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. "Nach Berechnungen des Hedgefondshauses Astellon Capital Partners werfen sage und schreibe 71,3 Prozent der hiesigen Staatsschuldtitel Minuszinsen ab", heiße es in der "Welt" von gestern. Heute dürften es sogar schon mehr sein.

Was nicht erwartet gewesen sei: Auch die Renditen von Staatsanleihen anderer Peripherieländer würden wieder etwas steigen. "Anders als von der EZB beabsichtigt, müssen Italien, Spanien und Portugal wieder höhere Zinsen zahlen - wegen Griechenland", erkläre Brunner.

Die Fronten im Streit zwischen Griechenland und den anderen Euroländern seien völlig verhärtet, für das am 24. April anstehende Treffen der Euro-Finanzminister in Riga gebe es nur noch wenig Hoffnung auf eine Einigung. "Die Befürchtungen steigen, dass Griechenland seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommen kann und die nächste Kredittranche an das Land dementsprechend nicht ausgezahlt würde", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen steige immer weiter und liege mit aktuell 12,72 Prozent mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. "Die Rendite für die dreijährige Anleihe kletterte allein gestern von 24,18 auf ein Rekordhoch von 27,77 Prozent", melde Brunner. "Ende März waren es noch 18 Prozent."

Eine von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft gehandelte 2023 fällige Anleihe (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) notiere mittlerweile nur noch bei gut 50 Prozent. "Da sehen wir, wenn überhaupt, fast nur Verkäufe", berichte Gregor Daniel. Einige wenige extrem spekulativ eingestellte Anleger hätten aber auch tiefe Kauflimits gesetzt.

Im Bereich der Unternehmensanleihen stoße Daniel zufolge weiter der Anfang des Monats emittierte Stada-Bond mit einem Zins von 1,75 Prozent und Laufzeit bis 2022 auf großes Interesse. Derzeit notiere die Anleihe des Arzneimittelherstellers um 100,3 Prozent.

Daneben würden Fremdwährungsanleihen beliebt bleiben. "US- und Neuseeland-Dollar sind hier die Favoriten", melde Tillmann. Laut Daniel sei das Interesse an einer auf Kiwi-Dollar lautenden Anleihe (ISIN XS1015430561 / WKN BP7TP5) der BNP Paribas groß. "Da steckt wohl eine Empfehlung dahinter." Die 2020 fällige Anleihe mit Kupon von 6 Prozent werde mittlerweile zu 106,75 Prozent gehandelt, was eine Rendite von 4,25 Prozent ergebe.

Was immer etwas interessantere Zinsen verspreche, werde Händlern aus den Händen gerissen. Das sei laut Daniel zum Beispiel der Fall bei einer neuen Anleihe (ISIN AT0000A1DWK5 / WKN A1ZZ63) der österreichischen Immobiliengesellschaft S Immo gewesen, die einen Kupon von 3,25 Prozent biete und bis 2027 laufe. "Die ist direkt nach Aufnahme in den Handel durch die Decke geschossen." Aktuell notiere das Papier bei 103,10 Prozent.

Daniel berichte außerdem von zwei neuen Hybridanleihen von RWE mit Fälligkeit im April 2075. Die eine (ISIN XS1219499032 / WKN A14KAB) sei durch den Versorger im April 2025 vorzeitig kündbar und mit einem Kupon von 3,5 Prozent ausgestattet. "Wir sehen durchaus Nachfrage", berichte der Händler. Wahrscheinlich würde dafür eine ewige Anleihe (ISIN XS0542298012 / WKN A1EWR0) von RWE bald gekündigt. Die zweite Anleihe (ISIN XS1219498141 / WKN A14KAA) biete einen Kupon von 2,75 Prozent und sei seitens des Emittenten im Oktober 2020 kündbar. Bei beiden liege die Mindeststückelung bei 1.000 Euro.

Brunner warne allerdings vor den bei Emittenten derzeit sehr beliebten Hybridanleihen: "Für Privatanleger eignen sie sich nicht, in Krisenzeiten leiden Hybridanleihen wegen der Nachrangigkeit sehr." Der Zinsaufschlag decke die Risiken nicht mehr ausreichend ab.

Im Bereich der Fremdwährungsanleihen würden sich Tillmann zufolge neue Bonds (ISIN AU000XCLWAN8 / WKN A1ZZ3E) des Staates Australien mit Laufzeit bis 2020 und Zinssatz von 1,75 Prozent großer Beliebtheit erfreuen, ebenso neue Anleihen (ISIN AU3CB0228823 / WKN A1ZZ2K) der Europäischen Investitionsbank EIB mit Kupon von 2,90 und Laufzeit bis 2025 - beide in Australischen Dollar.

Gut nachgefragt würden auch neue US-Dollar-Anleihen (ISIN XS1218431705 / WKN A1ZZ2L) des Rohstoffhändlers Glencore mit Kupon von 2,125 Prozent und Laufzeit bis 2018 und ein Papier (ISIN XS1212617663 / WKN A14J6Z) von Daimler auf Neuseeländische Dollar mit Zins von 4 Prozent und Laufzeit bis 2019. Die Stückelung sei in allen Fällen kleinanlegerfreundlich. (Ausgabe vom 17.04.2015) (20.04.2015/alc/a/a)





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