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Anleihemarkt: Nachfrage der Investoren hin zu weniger riskanten Anleihen verschoben
27.06.16 11:11
M&G Investments
London (www.anleihencheck.de) - Jim Leaviss, Head of Retail Fixed Interest bei M&G Investments, äußert sich zu den aktuellen Entwicklungen an den Anleihemärkten:
Das Votum Großbritanniens, die EU zu verlassen, habe die Situation grundlegend verändert und sei von den globalen Märkten so nicht erwartet worden. Die Finanzmärkte hätten sich, auch angesichts der letzten Meinungsfragen, auf einen Verbleib eingestellt, sodass es am frühen Freitagmorgen zu signifikanten Marktbewegungen gekommen sei.
Im Vergleich zum US-Dollar sei das Britische Pfund von einem Hoch von fast 1,50 USD am Donnerstagabend auf einen Wert von 1,35 USD am frühen Freitagmorgen gefallen - den tiefsten Wert seit 1985.
Das Pfund sei zwar am stärksten abgestraft worden, doch auch der Euro habe gegenüber dem US-Dollar über 3% an Wert verloren. Dagegen habe der Japanische Yen gegenüber dem US-Dollar an Wert gewonnen.
Die Nachfrage der Investoren habe sich hin zu weniger riskanten Anleihen verschoben, insbesondere hin zu Staatsanleihen.
In der Nacht sei es zu einer Rally bei zehnjährigen US-Staatsanleihen gekommen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei am Freitagmorgen stark ab auf unter Null gesunken und habe damit ein Rekordtief erreicht. Das bedeute, dass die Gläubiger den deutschen Staat de facto für die Anlage in Bundesanleihen bezahlen würden.
Im Gegensatz dazu hätten sich Investoren von den Staatsanleihen der Europeripherie, wie etwa Italien, Portugal und Spanien, sowie von den Staatsanleihen der Schwellenländer abgewandt.
Der Markt für Unternehmensanleihen habe am frühen Freitagmorgen einen Rückschlag hinnehmen müssen, als Investoren in Assets geflohen seien, die geringere Risiken versprochen hätten. Trotzdem hätten Unternehmensanleihen eine deutlich bessere Performance als Unternehmensaktien gezeigt, nicht zuletzt gerade an den Aktienmärkten in Großbritannien und Europa.
Nach Meinung der Experten hätten sich die Investoren zumindest ein Stück weit vom Engagement der EZB beruhigen lassen, den Anleihemarkt durch den Ankauf von Unternehmensanleihen zu stützen - eine Strategie, die die EZB bereits den Juni über verfolgt habe.
Vor dem Referendum habe eine deutliche Mehrheit der Ökonomen erwartet, dass eine Entscheidung gegen Europa das britische Wirtschaftswachstum bremsen würde. Die Abschwächung sei allgemein auf einen Wert zwischen 2,5 bis 3 Prozent des BIP veranschlagt worden. Hauptgrund für diese Verlangsamung wären aufgeschobene und abgesagte Investitionen sowie die Entwicklung im Konsumentenverhalten.
Ein relativer Wertverlust des Britischen Pfunds werde voraussichtlich zu höheren Einfuhrpreisen führen, und das hätte einen starken Einfluss auf die Wirtschaft, weil das Königreich ein großer Importeur ausländischer Waren sei. Das dürfte zu höherer Inflation führen, die jetzt nach allgemeiner Ansicht die Schwelle von 2% durchbrechen dürfte. Andererseits sollte ein schwaches Pfund den Export von Waren und Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigeren Preisen ermöglichen.
Die Bank of England habe am Freitag bestätigt, dass sie nach dem Referendum die nötigen Mittel zur Verfügung habe, um die britische Wirtschaft zu stützen, insbesondere den großen Finanzsektor. Es werde sich zeigen, ob sich die Zentralbank nun veranlasst sehe, den Zinssatz zu senken, um einem drohenden Wirtschaftsabschwung entgegenzuwirken. (Ausgabe vom 24.06.2016) (27.06.2016/alc/a/a)
Das Votum Großbritanniens, die EU zu verlassen, habe die Situation grundlegend verändert und sei von den globalen Märkten so nicht erwartet worden. Die Finanzmärkte hätten sich, auch angesichts der letzten Meinungsfragen, auf einen Verbleib eingestellt, sodass es am frühen Freitagmorgen zu signifikanten Marktbewegungen gekommen sei.
Im Vergleich zum US-Dollar sei das Britische Pfund von einem Hoch von fast 1,50 USD am Donnerstagabend auf einen Wert von 1,35 USD am frühen Freitagmorgen gefallen - den tiefsten Wert seit 1985.
Das Pfund sei zwar am stärksten abgestraft worden, doch auch der Euro habe gegenüber dem US-Dollar über 3% an Wert verloren. Dagegen habe der Japanische Yen gegenüber dem US-Dollar an Wert gewonnen.
Die Nachfrage der Investoren habe sich hin zu weniger riskanten Anleihen verschoben, insbesondere hin zu Staatsanleihen.
Im Gegensatz dazu hätten sich Investoren von den Staatsanleihen der Europeripherie, wie etwa Italien, Portugal und Spanien, sowie von den Staatsanleihen der Schwellenländer abgewandt.
Der Markt für Unternehmensanleihen habe am frühen Freitagmorgen einen Rückschlag hinnehmen müssen, als Investoren in Assets geflohen seien, die geringere Risiken versprochen hätten. Trotzdem hätten Unternehmensanleihen eine deutlich bessere Performance als Unternehmensaktien gezeigt, nicht zuletzt gerade an den Aktienmärkten in Großbritannien und Europa.
Nach Meinung der Experten hätten sich die Investoren zumindest ein Stück weit vom Engagement der EZB beruhigen lassen, den Anleihemarkt durch den Ankauf von Unternehmensanleihen zu stützen - eine Strategie, die die EZB bereits den Juni über verfolgt habe.
Vor dem Referendum habe eine deutliche Mehrheit der Ökonomen erwartet, dass eine Entscheidung gegen Europa das britische Wirtschaftswachstum bremsen würde. Die Abschwächung sei allgemein auf einen Wert zwischen 2,5 bis 3 Prozent des BIP veranschlagt worden. Hauptgrund für diese Verlangsamung wären aufgeschobene und abgesagte Investitionen sowie die Entwicklung im Konsumentenverhalten.
Ein relativer Wertverlust des Britischen Pfunds werde voraussichtlich zu höheren Einfuhrpreisen führen, und das hätte einen starken Einfluss auf die Wirtschaft, weil das Königreich ein großer Importeur ausländischer Waren sei. Das dürfte zu höherer Inflation führen, die jetzt nach allgemeiner Ansicht die Schwelle von 2% durchbrechen dürfte. Andererseits sollte ein schwaches Pfund den Export von Waren und Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigeren Preisen ermöglichen.
Die Bank of England habe am Freitag bestätigt, dass sie nach dem Referendum die nötigen Mittel zur Verfügung habe, um die britische Wirtschaft zu stützen, insbesondere den großen Finanzsektor. Es werde sich zeigen, ob sich die Zentralbank nun veranlasst sehe, den Zinssatz zu senken, um einem drohenden Wirtschaftsabschwung entgegenzuwirken. (Ausgabe vom 24.06.2016) (27.06.2016/alc/a/a)


