Anleihemarkt: Renditen spanischer Anleihen auf Rekordtief


25.07.14 17:28
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zuspitzung der Lage in der Ukraine und die Eskalation der Gewalt in Israel lässt Anleger laut Händler verstärkt die als sicher geltenden Häfen ansteuern, so die Deutsche Börse AG.

"Deutsche Staatsanleihen und Bonds aus den USA und Frankreich waren zum Wochenbeginn gefragt", melde Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sei im Wochenverlauf dennoch von seinem Rekordhoch wieder etwas abgerückt und notiere am Freitagmittag knapp über 148 Prozent. "Kursverluste gibt es für viele russische Anleihen", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Durch die Bank kämen etwa Gazprom-Bonds (ISIN CH0222948710 / WKN A1HTD5, ISIN XS0906949523 / WKN A1HHG3) weiterhin aus den Depots raus.

Bonds der Euro-Peripherie seien gefragt, wie Hellwig beobachte. Mit knapp 2,53 Prozent habe etwa die Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen ein neues historisches Tief markiert. "In Spanien scheint das Tal der Tränen durchschritten", ergänze Brunner. In der viertgrößten Volkswirtschaft im Euroraum gehe es mit der Arbeitslosigkeit runter. Insbesondere die Tourismusbranche boome. Angesichts der günstigen Refinanzierungsbedingungen denke Spanien sogar über die Emission einer 50-jährigen Anleihe nach.

Allerdings würden sich nach Auffassung von Sintje Boie die Abwärtsrisiken für die Konjunkturerholung im gesamten Euroraum mehren. "Die Stimmungsindikatoren haben ihren Zenit überstiegen und harte Fakten, wie zum Beispiel die Industrieproduktion, senden Schwächesignale", meine die Analystin der HSH Nordbank.

Die Insolvenzanträge von Espírito Santo International und der zur Gruppe gehörenden Rio Forte Investment würden ihre Spuren hinterlassen. Obwohl Portugals bedeutendste Privatbank nach wie vor versichere, über ausreichende Rücklagen zum Auffang eventueller Kreditausfälle zu verfügen, hätten portugiesische Staatsanleihen geschwächelt, wie Klaus Stopp von der Baader Bank beobachte.

Ein fünfjähriger Bond (ISIN PTOTEMOE0027 / WKN A0T7AG) mit Fälligkeit im Juni 2019 und aktuell rund 2,38 Prozent Rendite habe seit Anfang Juni von 112,25 Prozent auf 111,05 Prozent nachgegeben. "Ähnlich verhält es sich im zehnjährigen Bereich." Nach einem Stand von 118,89 Prozent am 12. Juni sei eine bis Februar 2024 laufende Staatsanleihe (ISIN PTOTEQOE0015 / WKN A1HKUP) bis auf 115,09 Prozent gerutscht. Anleihen der Portugal Telecom hätten ebenfalls den Druck gespürt. Eine fünfjährige Anleihe (ISIN XS0462994343 / WKN A1APFE) mit einer Laufzeit bis November 2019 habe von 113,21 Prozent Ende Juni auf derzeit 106,18 Prozent nachgegeben.

Ob die Pleite in Portugal einen Domino-Effekt auslösen werde, hänge nach Auffassung von Stopp von der Kapitalkraft der Espírito Santo ab. "Mit Goldman Sachs und dem Hedgefonds D.E. Shaw sind nun zwei US-Institute bei der Großbank in die Bresche gesprungen und haben Anteile von 2,3 Prozent bzw. 2,7 Prozent gekauft."

Die Niedrigstzinsen würden Staaten und Unternehmen nach Ansicht von Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank dazu verleiten, Schulden tendenziell auf- statt abzubauen. Anleger sollten dabei im Auge behalten, dass kapitalhungrige Konzerne im Gegensatz zu in Not geratenen Eurostaaten keine Überlebensgarantie vonseiten der Politik und Notenbank bekämen.

"Der durchschnittliche Schuldenberg der Euroländer hat in den ersten drei Monaten des Jahres mit 93,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eine neue Rekordhöhe erreicht", bestätige Klaus Stopp von der Baader Band. Im Vorquartal stünden noch 92,7 Prozent zu Buche. Griechenland führe mit 174 Prozent die Schuldenliste an. Unter Berücksichtigung von Schuldenschnitten und Zinsgeschenken wäre die Quote noch höher. Es seien Italien mit 136 und Portugal mit 133 Prozent gefolgt. Estland schneide mit 10 Prozent Verschuldung am besten ab. Deutschland liege mit 77 Prozent im Mittelfeld und übersteige damit aber deutlich die Maastricht Kriterien von 60 Prozent.

Bei saisonbedingt niedriger Emissionstätigkeit hätten am Mittwoch zwei Unternehmen erfolgreich Anleihen in einem Volumen von jeweils 500 Millionen Euro platzieren können, wie Stopp berichte. Ein siebenjähriger Bond des französischen Immobilienunternehmen Gecina mit einem Kupon von 1,75 Prozent habe bei 99,317 Prozent emittiert. Der britische Postdienst Royal Mail habe sich über eine zehnjährigen Anleihe (ISIN XS1091654761 / WKN A1ZMMG) mit einem jährlichen Zins von 2,375 Prozent über den Kapitalmarkt refinanziert. Bei einem Emissionskurs von 99,482 Prozent liege der Spread bei 108 Basispunkten über dem Mittelwert von An- und Verkaufspreis.

Mit einer in dieser Woche neu aufgelegten, im Juli 2019 fälligen Anleihe biete Thom Europe seinen Anlegern einen jährlichen Zins von 7,375 Prozent, wie Hellwig berichte. Der europaweit führende Einzelhändler von Schmuck in Einkaufszentren habe so 346,78 Millionen Euro eingesammelt. Beim aktuellen Kurs von 99,17 Prozent erreiche die Anleihe eine aktuelle Rendite von 7,78 Prozent.

Die WM sei vorbei, Argentinien sei geschlagen und in den Fußballstadien sei wieder Ruhe eingekehrt. "Für den Handel mit argentinischen Anleihen gilt dies allerdings nicht", bemerke Hellwig. Es bleibe die spannende Frage, ob die argentinische Regierung zahle. "Das Ende der 30-tägigen Zahlungsfrist für den Kupon der Discountanleihen aus den Umtauschaktionen 2005 und 2010 (ISIN XS0205545840 / WKN A0DUDG) steht weiter in unserem Kalender." Das Land habe zwar durch Überweisung der nötigen Gelder an die Bank Mellon Zahlungsbereitschaft gezeigt. Das Urteil des Bezirksrichters Griesa verhindere aber die Auszahlung der Zinsen an die Anleihe-Inhaber. Demnach fließe erst Geld, wenn gleichzeitig die Altanleihen der Kläger bedient würden. "Direkte Verhandlungen zwischen den beiden Parteien am Donnerstag brachte keine Lösung." (25.07.2014/alc/a/a)





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