Anleihen: Der Ausblick von EZB und FED mit Spannung erwartet


24.07.23 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bei der am Mittwoch anstehenden Sitzung der US-amerikanischen Notenbank scheint eine weitere Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte ausgemachte Sache zu sein, so die Deutsche Börse AG.

Im Anschluss könnte dann aber zunächst eine Pause anstehen. "Die meisten Marktakteure gehen davon aus, dass der Zinserhöhungszyklus nach der Anhebung im Juli beendet wird", berichte Tim Oechsner von der Steubing AG. Laut den viel beachteten FED Funds Futures liege die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung bis zum November nur bei 35 Prozent. Gleichzeitig werde für das Frühjahr 2024 bereits die erste Zinssenkung eingepreist.

Vor diesem Hintergrund seien die Renditen zehnjähriger US-Anleihen nach dem Hoch bei über 4 Prozent vor zwei Wochen zuletzt deutlich gesunken. Dieser Trend sei am Donnerstag aber gestoppt worden. Der überraschende Rückgang der wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe auf ein Zwei-Monats-Tief habe die Renditen von 3,74 auf 3,85 Prozent ansteigen lassen. Der abermals robuste Arbeitsmarkt könnte nach Einschätzung der Commerzbank dazu führen, dass die FED die Leitzinsen doch stärker anhebe, als die Marktteilnehmer dies aktuell erwarten würden.

In der Eurozone habe sich die Rendite der zehnjährige Bundesanleihen auf Wochensicht kaum verändert. Im Verlauf der letzten Tage habe es aber auch hier einen Trendwechsel gegeben. Nach dem Rückgang auf unter 2,3 Prozent sei es in der zweiten Wochenhälfte wieder auf 2,45 Prozent hinaufgegangen.

Die Commerzbank berichte, dass bei der EZB-Sitzung am Donnerstag, bei der eine Anhebung um 25 Basispunkte auch hier als sicher gelte, nun doch mit einem eher falkenhaften Auftritt zu rechnen sei. "Die EZB möchte nicht, dass der September als Wendepunkt im geldpolitischen Zyklus angesehen wird", untermauere die Deutsche Bank diese These. Präsidentin Christine Lagarde dürfte demnach versuchen, Diskussionen über eine baldige Zinssenkung einen Dämpfer zu verpassen. Auch eine weitere Anhebung auf 4,0 Prozent im September sei nach Ansicht der Analysten nicht auszuschließen.

Im Handel mit Unternehmensanleihen sei das Interesse an Papieren mit maximal fünf Jahren Laufzeit und einer 1.000er Stückelung unverändert groß, wenn die damit erzielbare Rendite mindestens im Bereich um 3 Prozent liege. Laut Tim Oechsner von der Steubing AG seien hier zum Beispiel eine bis 2028 laufende und aktuell mit 4,0 Prozent rentierende Schuldverschreibung von Porsche sowie Anleihen von SAP und Volkswagen Financial Services gesucht, die beide bis 2027 laufen und Anlegern per Fälligkeit eine Rendite von 2,8 bzw. 4,1 Prozent ermöglichen würden.

Sogar bei 5,1 Prozent liege die mögliche Rendite bei einer ebenfalls rege nachgefragten Anleihe (ISIN AT0000A35Y85 / WKN A3LKPM) der Immobilien-Investment-Gesellschaft S IMMO mit einer Laufzeit bis 2028. Arthur Brunner von der ICF Bank berichte derweil von einem anhaltend großen Interesse an der vor kurzem neu emittierten Anleihe (ISIN NO0012938325 / WKN A351U9) von Hörmann Industries. "Obwohl die Verzinsung von ursprünglich 7 Prozent durch den Kursanstieg auf 6,2 Prozent gesunken ist, scheint die Anleihe für Investoren immer noch attraktiv zu sein", berichte Brunner.

Im Segment der Mittelstandsanleihen habe sich die Ende des Jahres fällige Schuldverschreibung (ISIN DE000A255D05 / WKN A255D0) von ERWE Immobilien auf niedrigem Niveau stabilisiert. Das Unternehmen habe sich mit dem Vertreter der Anleihegläubiger auf einen Schuldenschnitt geeinigt. Demnach werde der Nennbetrag der Anleihe von 40 Millionen auf nur noch 7 Millionen Euro reduziert. Zudem entfalle die Verzinsung ab dem 10. Juni. Die noch offenen Zinsen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro sollten über eine Barkapitalerhöhung nachgezahlt werden. Die ursprünglich geplante Umwandlung der Anleihe in Eigenkapital sei damit vorerst kein Thema mehr. Die Hauptversammlung müsse den neuen Vereinbarungen aber noch zustimmen. Rainer Petz von Oddo BHF berichte hier von geringen Umsätzen. Im Juni sei der Kurs unter starken Verkäufen bis auf unter 12 Prozent abgerutscht. Aktuell werde die Anleihe zu 17 bis 18 Prozent gehandelt. (Ausgabe vom 21.07.2023) (24.07.2023/alc/a/a)





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