Anleihen: Coronavirus? Halb so wild!


14.02.20 17:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz sprunghaft ansteigender Coronavirus-Fälle: Der Anleihemarkt ist eher im "Risk-on"-Modus, und an den Aktienbörsen setzt sich die Rekordjagd fort, so die Deutsche Börse AG.

"Von Nervosität kann nicht die Rede sein", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Analysten würden darauf verweisen, dass der massive Anstieg der Infektionsfälle mit neuen Untersuchungsmethoden zusammenhänge. Mit der Entspannung an den Märkten seien die als sicher geltenden Bundesanleihen etwas weniger gefragt. Zehnjährige Bundesanleihen würden am Freitagmorgen mit minus 0,39 Prozent nach minus 0,44 Prozent vergangene Woche rentieren.

Aufgrund der dennoch weiter niedrigen Zinsen würden Investoren wieder verstärkt nach höheren Renditen suchen, wie Anleiheanalyst Cem Keltek von der Commerzbank berichte. "Bei den europäischen Staatsanleihen profitierten Papiere Italiens und Griechenlands am meisten." Wie Daniel feststelle, sei der Risikoaufschlag zehnjähriger italienischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen auf den niedrigsten Stand seit Mai 2018 gefallen. "Nach dem Ausscheiden des Rechtspopulisten Salvini sehen Anleger weniger Risiken in Italien."

Unterdessen sei die Rendite für zehnjährige griechische Anlehen unter 1 Prozent gefallen. Zum Vergleich: Noch 2016 seien es 11,5 Prozent gewesen, angetrieben von der Sorge über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Mittlerweile sei das Vertrauen in das Land wieder da, vor allem nach der Wahl des Mitte-Rechts-Kandidaten Kyriakos Mitsotakis und seiner Partei Neue Demokratie im vergangenen Jahr.

Gut nachgefragt im Bereich Unternehmensanleihen seien laut Daniel weiter die bis 2024 laufende ThyssenKrupp-Anleihe mit Kupon von 2,875 Prozent und die 1996 emittierte Aegon-Hybridanleihe mit Kupon von 4,26 Prozent.

Leicht unter Druck seien Papiere von FCR Immobilien geraten. "Das wird gleich für Zukäufe genutzt", erkläre Daniel. Am Mittwoch habe FCR bekannt gegeben, mit dem Ankauf eines Fachmarkts in Höchstadt a.d. Aisch das Immobilienportfolio weiter auszubauen. "Außerdem hofft man auf gute Zahlen für 2019."

Eine neue Anleihe gebe es vom Immobilienunternehmen Accentro Real Estate (ISIN DE000A254YS5 / WKN A254YS), melde Rainer Petz von Oddo Seydler. Sie biete 3,625 Prozent, laufe bis 2023 und habe eine Stückelung von 1.000 Euro.

Einen neuen Coco-Bond habe die Deutsche Bank auf den Markt gebracht, allerdings auf US-Dollar lautend und mit Stückelung von 200.000 US-Dollar. "Die wird aber sehr gut angenommen", stelle Rainer Petz von Oddo Seydler fest. Ursprünglich sei ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar vorgesehen gewesen, am Ende seien es 1,25 Milliarden geworden. Deutlich gestiegen seien auch die viel gehandelten, auf Euro lautenden Coco-Bonds der Bank mit Kupon von 6 Prozent. Nach Kursen von unter 85 Prozent im August würden diese mittlerweile zu 103,64 Prozent gehandelt.

Bei CoCo-Anleihen (Contingent Convertible Bonds) handele sich um langfristige, nachrangige Papiere mit meist festem Kupon, die im Gegensatz zu gewöhnlichen Anleihen auch in Eigenkapital, also Aktien, gewandelt werden könnten. Coco-Bonds würden wegen ihrer Komplexität und hohen Risiken für Privatanleger als ungeeignet gelten. (14.02.2020/alc/a/a)