Anleihen: EZB-Lockerung längst eingepreist


07.03.16 09:49
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsrate in der Eurozone von minus 0,2 Prozent im Februar hat Hoffnungen auf weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen der EZB am kommenden Donnerstag geschürt, so die Deutsche Börse AG.

Das schlage sich nieder in weiter sinkenden Bundrenditen. Die Rendite für zweijährige deutsche Bonds sei am Freitagmorgen mit -0,586 Prozent auf ein neues Rekordtief gerutscht. Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag bei 165,19 Punkten, vor einer Woche seien es 165,99 Punkte gewesen. Am Montag sei der Index für kurze Zeit auf ein neues Rekordhoch von 166,63 Punkten geklettert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege aktuell bei 0,17 nach 0,14 Prozent vergangenen Freitag.

Für die anstehende EZB-Sitzung werde am Markt mittlerweile fest von einer weiteren Senkung der ohnehin bereits negativen Einlagenzinsen für Banken oder einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms ausgegangen. "Der Markt hat ein Absenken des aktuellen Einlagenzinses von derzeit minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent bereits eingepreist", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Er rechne sogar mit einem Absenken auf minus 0,5 Prozent. Eine Ausweitung des Ankaufvolumens für Anleihen von derzeit rund 60 Milliarden Euro pro Monat halte er hingegen für unwahrscheinlich. "Damit würde man im Markt früher oder später an die Grenzen der Verfügbarkeit stoßen. Der Sekundärmarkt ist ohnehin schon leergefegt."

"Die EZB wird die bereits hohen Markterwartungen voraussichtlich noch übertreffen", meine Rainer Guntermann von der Commerzbank. Die Bank gehe daher davon aus, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den kommenden Monaten unter null fallen werde. "Einer angesichts der EZB-Maßnahmen eigentlich zu erwartenden nachhaltigen Erholung der Risikoaufschläge von Peripherie- und Unternehmensanleihen dürften zunächst noch politische Risiken im Wege stehen."

In den USA blicke alles auf die heute zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktzahlen. "Der Bericht hat das Potenzial, die Zinserwartungen maßgeblich zu beeinflussen", kommentiere Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Laut Viola Julien und Ulrich Wortberg von der Helaba müsste es allerdings schon zu einer deutlichen Überraschung auf der Oberseite kommen, um Spekulationen auf eine Zinserhöhung noch in diesem Monat zu schüren. "Zwar kann eine Erhöhung der Leitzinsen im März nicht komplett ausgeschlossen werden, sie scheint aber vor dem Hintergrund der globalen Risiken und der niedrigen Inflation unwahrscheinlich zu sein."

Im Streit zwischen US-Hedgefonds und Argentinien sei es zu einer Einigung gekommen. Insgesamt 4,65 Milliarden US-Dollar würden bezahlt, das entspreche 75 Prozent der ursprünglich geforderten Summe, wie Stopp erläutere. "In der Folge ist in Argentinien eine innenpolitische Debatte über die Frage ausgelöst worden, ob die Lösung als Erfolg oder als Niederlage einzustufen ist." Einerseits könne Argentinien nun vielleicht bald wieder Zugang zum Kapitalmarkt bekommen, andererseits müssten die Kosten des Deals an anderer Stelle eingespart werden. "Somit schließt sich der Kreis bis zum einfachen Bürger, der zum Schluss der Leidtragende dieser Einigung sein wird."

Wieder deutlich erholt hätten sich Anleihen von Air Berlin, auf die Rainer Petz von Oddo Seydler hinweise. Die Papiere seien in der Vorwoche unter die Räder gekommen und hätten vergangenen Donnerstag nur noch bei 80,50 Prozent notiert. Am Freitag seien es wieder 95 Prozent gewesen.

Dass die HSH Nordbank den Termin für die Veröffentlichung der Jahreszahlen 2015 verschoben habe, sorget offenbar für Unruhe unter Anlegern, Anleihen der Bank (ISIN DE000HSH2H15 / WKN HSH2H1, ISIN DE000HSH2H23 / WKN HSH2H2, ISIN XS0142391894 / WKN 542696) würden abgegeben, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte. Hintergrund seien einer Ad hoc-Meldung zufolge noch offene bilanzrelevante Fragen in den Gesprächen zwischen EU-Kommission und Bundesrepublik Deutschland im laufenden EU-Beihilfeverfahren.

Sehr volatil hätten sich weiterhin Anleihen von Pharol (ISIN PTPTCYOM0008 / WKN A1UB78) präsentiert, der früheren Portugal Telecom. Schon in der Vorwoche sei das Papier von 98,25 auf 79 Prozent abgerutscht, in dieser Woche seien es im Tief sogar nur noch 35 Prozent gewesen, wie Daniel feststelle. Aktuell liege die Anleihe bei 56 Prozent. Auslöser für die Verkäufe sei das Scheitern der Fusion der hoch verschuldeten brasilianischen Telefongesellschaft Oi mit TIM Brasil, dem zweitgrößten Mobilfunker des Landes, gewesen. Pharol sei Großaktionär von Oi. Die Rating-Agenturen Fitch und S&P hätten Oi vergangene Woche bereits von BB auf B mit negativem Ausblick bzw. von BB- auf B+ heruntergestuft, S&P halte sogar eine weitere Herabstufung für möglich.

Was neue Anleihen angehe, berichte die Baader Bank von drei Papieren von Daimler, wobei sich die erste Emission (ISIN DE000A2AAL15 / WKN A2AAL1) mit einer Mindestanlage von 100.000 Euro eher an institutionelle Anleger richte. Die zweite (ISIN DE000A2AAL23 / WKN A2AAL2) laufe bis September 2019 und biete einen jährlichen Kupon von 0,5 Prozent, die dritte (ISIN DE000A2AAL31 / WKN A2AAL3) bis März 2026 und 1,5 Prozent. Beide würden sich durch die Mindestanlage von 1.000 Euro grundsätzlich auch für private Investoren eignen. Nach Schellmann hätten direkt ab Handelsbeginn gerade in den in 2019 fälligen Daimler-Papieren gute Umsätze verzeichnet werden können.

Das sei auch bei einer neuen thyssenkrupp-Anleihe der Fall (ISIN DE000A2AAPF1 / WKN A2AAPF), die bis März 2021 laufe und einen jährlichen Zins von 2,75 Prozent biete. "Die Umsätze sind hoch", erkläre Petz. "Die thyssenkrupp-Anleihe ist mit leichten Kursgewinnen in den Handel gestartet", stelle Schellmann fest. Die Emission der neuen thyssenkrupp-Anleihe habe unterdessen zu Abgabedruck bei älteren Papieren (ISIN DE000A14J579 / WKN A14J57) geführt.(Ausgabe vom 04.03.2016) (07.03.2016/alc/a/a)





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