Anleihen: "FED-Protokoll wirbelt die Rentenmärkte durcheinander"


18.08.23 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Bloomberg-Index für die Gesamtrendite globaler Staatsanleihen ist in dieser Woche mit 3,3 Prozent auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geklettert, so die Deutsche Börse AG.

Leizinserhöhungen in Norwegen und Russland würden als Fingerzeig in Richtung anderer Regionen gelten, dass die Phase der steigenden Zinsen noch nicht zu Ende sei. Die Strategen der Bank of America würden davor warnen, dass man sich auf die Rückkehr der "5 Prozent-Welt" einstellen müsse, die es zuletzt vor der globalen Finanzkrise gegeben habe.

Passend dazu hätten die Renditen zehnjähriger US-Treasuries ebenfalls das Hoch aus dem Jahr 2008 erreicht. Auslöser dieser Bewegung sei die aus dem FED-Protokoll entnommene Aussage "Die meisten Teilnehmer sahen weiterhin erhebliche Aufwärtsrisiken für die Inflation, die eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich machen könnten" gewesen. Laut den viel beachteten FED Funds Futures sei die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bis zum November im Anschluss wieder auf rund 40 Prozent gestiegen.

Für Tim Oechsner von der Steubing AG werde den Anleger*innen so langsam klar, dass die Zinsen lange auf hohem Niveau bleiben würden, bis erste Zinssenkungen von der Notenbank auch nur ins Auge gefasst werden dürften. Klaus Stopp, Rentenhändler bei der Baader Bank, beobachte am Markt denn auch eine gewisse Unsicherheit. "Wir befinden uns in einer Phase der Neuorientierung, da es bezüglich der Notenbankpolitik verschiedene Meinungen gibt". Die Diskussion um mögliche Zinserhöhungen auch in den USA gehe auf jeden Fall wieder los.

Da zusätzlich die Probleme in China (schwache Verbrauchernachfrage, Immobilien- und Banken-Krise) belasten würden, komme es laut Stopp zur typischen "Flucht in sichere Häfen". Starke Nachfrage herrsche vor allem bei kurzlaufenden Papieren der Bundesrepublik Deutschland. Bei der im Dezember fälligen Bundesanleihe mit einer jährlichen Rendite von 3,4 Prozent sehe der Händler recht kräftigen Handel. Dasselbe gelte bei vergleichbaren Papieren mit Fälligkeiten im Oktober (ISIN DE0001141786 / WKN 114178) und im Januar (ISIN DE0001134922 / WKN 113492). Die Renditen würden zwar nicht zum Ausgleich der Inflation reichen, seien aber "besser als nix", so Stopp.

Im Handel mit Unternehmensanleihen sehe Oechsner nach wie vor eine gute Nachfrage nach Papieren bis maximal sieben Jahren Laufzeit. "Vor allem drei- bis fünfjährige Anleihen mit 1.000er Stückelung, mindestens 3 Prozent Rendite und einem guten Namen werden gekauft". Als Beispiele nenne der Renten-Spezialist unter anderem zwei bis 2028 laufende Anleihen von Porsche und der Deutschen Telekom, die Renditen von 4 Prozent bzw. 3,3 Prozent abwerfen würden.

Interesse bestehe zudem an einer vom Autobauer Mercedes-Benz emittierten Anleihe (ISIN DE000A3LH6T7 / WKN A3LH6T), die im Mai 2026 fällig werde und 3,6 Prozent bringe. Sogar 4,6 Prozent Rendite würden bei einem Bond des Wettbewerbers Volkswagen (ISIN XS2374594823 / WKN A2LQ6S) winken, der allerdings auch erst Anfang 2030 zurückgezahlt werde. "Anleger kaufen die Papiere als Rendite-Pick-Up und lassen sie bis zur Endfälligkeit liegen", berichte Oechsner.

Bei der Baader Bank gebe es vereinzelte spekulative Käufe auf eine variabel verzinste Anleihe von Südzucker (ISIN XS0222524372 / WKN A0E6FU). Hier gebe es jedes Quartal eine Vergütung in Höhe des 3-Monats-Euribor zzgl. 3,10 Prozent p.a. Das Papier habe keine Laufzeitbegrenzung, könne unter gewissen Voraussetzungen von der Emittentin aber quartalsweise zum Nennwert gekündigt und zurückgezahlt werden. Aktuell notiere die Anleihe knapp unter Nennwert. (18.08.2023/alc/a/a)