Anleihen: Flut an Neuemissionen


15.01.24 10:54
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - 2024 - das Jahr der Zinssenkungen. Davon ist der Markt weiterhin überzeugt, so die Deutsche Börse AG.

Dass die Inflation in den USA im Dezember stärker als erwartet gestiegen sei, habe daran kaum etwas geändert. Die Jahresrate habe von 3,1 Prozent im November auf 3,4 Prozent im Dezember zugelegt, wie am 11. Januar 2024 bekannt geworden sei. Prognostiziert worden seien 3,2 Prozent.

"Obwohl die Daten keine offensichtliche Unterstützung für eine vorgezogene Zinssenkung durch die US-Notenbank boten, hielt sich die Reaktion der Märkte in Grenzen", beschreibe die Deutsche Bank die Lage. "Nicht einmal der Anstieg der Kernverbraucherpreise auf über 3,6 Prozent führte zu einer nennenswerten Korrektur", konstatiere Ulrich Wortberg von der Helaba. Letztlich werde weiterhin damit gerechnet, dass die Leitzinsen in den USA in diesem Jahr um 125 Basispunkte fallen würden.

Für die Eurozone werde der Commerzbank zufolge dieses Jahr mit Zinssenkungen von rund 140 Basispunkten gerechnet. Die Bank halte das aber für "ambitioniert". "Auch EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel scheint diese Meinung zu teilen, da sie jüngst darauf hinwies, dass es zu früh sein, über Zinssenkungen nachzudenken", erkläre Anleiheanalyst Hauke Siemßen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe am Donnerstag ebenfalls klargemacht, dass es erst bei einer Inflation von 2 Prozent zu Leitzinssenkungen kommen werde. Allerdings liege ihrer Einschätzung nach der "schwierigste Teil hinter uns". Die Renditen würden sich im Wochenvergleich kaum verändert zeigen: Zehnjährige Bundesanleihen hätten am Freitagmittag mit 2,18 Prozent rentiert, vor einer Woche seien es 2,17 Prozent gewesen.

Gegenüber Anfang des Jahres und dem Tief vom Dezember ergebe sich aber immer noch ein klarer Anstieg. "Der Renditeanstieg seit Ende Dezember ist beachtlich. Das heißt: Der Start in das Anleihejahr 2024 ist schwach ausgefallen", erkläre Tim Oechsner von der Steubing AG.

Der Handel mit Unternehmensanleihen laufe ohne große Auffälligkeiten. "Die Umsätze sind gut, wie meist im Januar", bemerke Rainer Petz von Oddo BHF. Beliebt sei laut Arthur Brunner von der ICF Bank die Südzucker-Hybridanleihe (ISIN XS0222524372 / WKN A0E6FU). "Es wird immer wieder auf eine Kündigung gesetzt, auch wenn das unwahrscheinlich ist."

Weiter sehr gut an kommen laut Brunner die 2028 und 2027 fälligen Anleihen von Katjes International und Mutares, so die Deutsche Börse AG. Beide würden mittlerweile über 107 Prozent gehandelt, das ergebe immer noch Renditen von 5,2 und 10,4 Prozent. "Mutares hat ein super Jahr hinter sich und ist im November in den SDAX aufgestiegen", bemerke Brunner. Daniel beobachte Käufe und Verkäufe in der PNE- und einer Voestalpine-Anleihe.

Der ersten zwei Wochen des neuen Jahres hätten zudem ganz im Zeichen von Neuemissionen gestanden. "Es gibt sehr viele neue Anleihen, und die Nachfrage ist gut", erkläre Petz. "Anleger sind auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten und einem Rendite-Pickup", stelle Oechsner fest. Die Deals seien stark überzeichnet, entsprechend schwierig sei die Zuteilung. "Die Nachfrage wird nicht gestillt, daher gibt es Nachkäufe über die Börse im Sekundärmarkt."

Schwerpunkt seien laut Oechsner deutsche Namen mit - idealerweise - Stückelung von 1.000 Euro. Im Skontro der Steubing AG seien etwa zwei E.ON-Anleihen, die eine (ISIN XS2747600109 / WKN A3826U) mit Fälligkeit 2036 und Kupon von 3,75 Prozent, die andere (ISIN XS2747600018 / WKN A3826T) mit Fälligkeit 2031 und 3,375 Prozent. Außerdem: Eine 2031 fällige Commerzbank-Anleihe (ISIN DE000CZ439T8 / WKN CZ439T) mit 4,625 Prozent, zwei Schaeffler-Bonds (ISIN DE000A3823S1 / WKN A3823S; ISIN DE000A3823R3 / WKN A3823R) mit Fälligkeit 2029 und 2026 und 4,75 und 4,5 Prozent und eine Anleihe (ISIN XS2745725155 / WKN A2YN0F) von VW Leasing, die bis 2028 laufe und 3,875 Prozent biete.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte darüber hinaus von einer neuen Mercedes-Benz-Anleihe (ISIN DE000A3LSYG8 / WKN A3LSYG) mit Laufzeit bis 2027 und 3 Prozent. "Die Nachfrage ist aber gering, der Kupon ist vielen wohl zu niedrig." Ebenfalls kaum Interesse finde die Neuemission (ISIN FR001400N3F1 / WKN A3LSR3) von RCI Banque mit 3,875 Prozent bis 2029.

Bei Staatsanleihen sehe es ähnlich aus: "Spanien, Italien, Belgien und Irland kamen mit neuen Anleihen auf den Markt", berichte Brunner. "Die Nachfrage war gut, auch weil asiatische Investoren jetzt eher europäische als US-amerikanische Staatsanleihen kaufen."

Bloomberg Intelligence zufolge würden in den nächsten Wochen die USA, Großbritannien, die Eurozone und Japan neue Anleihen im Wert von 2,1 Billionen US-Dollar begeben, um ihre Haushaltspläne für 2024 zu finanzieren - ein Anstieg von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Da die meisten Zentralbanken keine Anleihen mehr aufkaufen, müssen die Finanzagenturen nun Anleger aus aller Welt umwerben und mit höheren Renditen locken." (Ausgabe vom 12.01.2024) (15.01.2024/alc/a/a)