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Anleihen: GRENKE, Siemens, VW & Co gefragt - Schlote-Kurs bricht ein
29.01.24 11:45
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Laut der Deutsche Börse AG stand die letzte Woche im Anleihehandel ganz im Zeichen der EZB-Sitzung vom letzten Donnerstag.
"Vorher war Abwarten angesagt", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Immerhin habe man sich Antworten auf die Frage erhofft: Ab wann und in welchem Tempo würden die Notenbanken die Leitzinsen senken? "Die Zinssenkungserwartungen sind beiderseits des Atlantiks ausgeprägt", stelle Tim Oechsner von der Steubing AG fest. Er sehe daher latent das Risiko einer Enttäuschung.
Wie erwartet, habe die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen. EZB-Chefin Christine Lagarde habe zudem ihre Äußerung vom Davoser Weltwirtschaftsforum bekräftigt, dass die Leitzinsen ab Sommer fallen könnten. Das sei aber nicht alles gewesen: "Lagarde hat zum ersten Mal festgestellt, dass sich das Lohnwachstum zuletzt stabilisiert hat", stelle Anleiheanalyst Marco Wagner von der Commerzbank fest. Die Märkte hätten dies als "Trippelschritt in Richtung Zinssenkung" interpretiert.
Die Renditen deutscher Bundesanleihen, die vorab gestiegen seien, seien daraufhin gefallen. Am Freitagmorgen hätten zehnjährige Bundesanleihen mit 2,24 Prozent rentiert, nach 2,35 Prozent im Hoch letzte Woche und 2,30 Prozent vergangenen Freitag. "Die Euphorie war groß, aber vielleicht auch etwas übertrieben", kommentiere Brunner.
In den USA stehe der nächste Zinsentscheid diese Woche an. Nach Einschätzung von Analyst Bernd Weidenstein von der Commerzbank werde die FED keinen Anlass sehen, ihre Leitzinsen zu verändern. "Die FED wird versuchen, Hoffnungen auf rasche Zinssenkungen keine Nahrung zu geben." Zuerst wolle man sich sicher sein, dass die Inflation tatsächlich nachhaltig auf das 2-Prozent-Ziel falle.
Im Handel mit Unternehmensanleihen drehe sich das meiste weiter um bekannte Namen. Gregor Daniel, der für die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handele, sehe unverändert viel Kaufinteresse an der Anfang 2025 fälligen GRENKE-Anleihe, die aktuell 4,46 Prozent abwerfe. Gut nachgefragt seien laut Oechsner Bonds von Siemens mit Laufzeit bis 2028, Volkswagen Leasing bis 2031, Bayer bis 2033 und Fresenius bis 2030. Gut an kämen auch die Mitte des Monats emittierten Papiere von E.ON (ISIN XS2747600018 / WKN A3826T) mit 3,375 Prozent bis 2031 und Schaeffler mit 4,75 Prozent bis 2029.
"Auch längere Laufzeiten von zehn Jahren und mehr sind beliebt", erkläre Oechsner, sogar die neue Nachranganleihe (ISIN XS2751678272 / WKN A35117) vom Energiekonzern EnBW mit 5,25 Prozent und Laufzeit von 60 Jahren. Die Mindestanlagesumme betrage allerdings 100.000 Euro. Ebenfalls gefragt sei laut Daniel etwas "Exotisches": Eine 2030 fällige Nullkuponanleihe (ISIN XS2712548655 / WKN A3LQJM) der EBRD in Türkischen Lira, die aktuell bei 7,26 Prozent gehandelt werde. "Da lockt wohl so manchen die Rendite." Die liegt momentan bei über 47 Prozent (Stand: 26.01.2024).
Sehr gute Umsätze melde Brunner darüber hinaus für die kürzlich aufgestockte Anleihe (ISIN NO0012530965 / WKN A30V9T) der Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares, die mittlerweile zu 104,7 Prozent gehandelt werde. Käufe sehe der Händler auch für Papiere (ISIN NO0010894850 / WKN A3H3FM) von LR Global Holding, ein Direktvertriebsunternehmen für Gesundheits- und Schönheitsprodukte. Bislang nur auf begrenztes Kaufinteresse stoße Daniel zufolge die neue Anleihe (ISIN DE000A3827R4 / WKN A3827R) des Autovermieters SIXT. "Der Kupon ist vielen wohl zu niedrig." Der Bond biete 3,75 Prozent im Jahr und ist 2029 fällig.
Höhere Kurse bei niedrigen Umsätzen sehe Brunner zudem für die SV Werder Bremen-Anleihe (ISIN DE000A3H3KP5 / WKN A3H3KP) nach Einstieg neuer Investoren. "Außerdem hat sich SOWITEC nach Umstrukturierung und Aussetzung vom Handel gut entwickelt." Der Bond werde nach zuvor rund 55 Prozent jetzt wieder zu 84 Prozent gehandelt.
Es gebe aber auch schlechte Nachrichten aus dem Mittelstandssegment: Automobilzulieferer Schlote wolle die im November dieses Jahres fällige Anleihe (ISIN DE000A2YN256 / WKN A2YN25) mit Kupon von 6,75 Prozent umstrukturieren. "Der Nennwert soll halbiert, die Zinszahlung bis zum Rückzahlungstermin ausgesetzt und die Laufzeit um neun Jahre verlängert werden", stelle Brunner fest. Der Kurs sei daraufhin von rund 55 Prozent auf nur noch 6,58 Prozent gefallen. Schlote habe zu einer Abstimmung ohne Versammlung zwischen 9. und 11. Februar aufgerufen. Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK sei das Restrukturierungskonzept nicht zustimmungsfähig, sie rate Betroffenen, sich zu organisieren. (Ausgabe vom 26.01.2024) (29.01.2024/alc/a/a)
"Vorher war Abwarten angesagt", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Immerhin habe man sich Antworten auf die Frage erhofft: Ab wann und in welchem Tempo würden die Notenbanken die Leitzinsen senken? "Die Zinssenkungserwartungen sind beiderseits des Atlantiks ausgeprägt", stelle Tim Oechsner von der Steubing AG fest. Er sehe daher latent das Risiko einer Enttäuschung.
Wie erwartet, habe die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen. EZB-Chefin Christine Lagarde habe zudem ihre Äußerung vom Davoser Weltwirtschaftsforum bekräftigt, dass die Leitzinsen ab Sommer fallen könnten. Das sei aber nicht alles gewesen: "Lagarde hat zum ersten Mal festgestellt, dass sich das Lohnwachstum zuletzt stabilisiert hat", stelle Anleiheanalyst Marco Wagner von der Commerzbank fest. Die Märkte hätten dies als "Trippelschritt in Richtung Zinssenkung" interpretiert.
Die Renditen deutscher Bundesanleihen, die vorab gestiegen seien, seien daraufhin gefallen. Am Freitagmorgen hätten zehnjährige Bundesanleihen mit 2,24 Prozent rentiert, nach 2,35 Prozent im Hoch letzte Woche und 2,30 Prozent vergangenen Freitag. "Die Euphorie war groß, aber vielleicht auch etwas übertrieben", kommentiere Brunner.
Im Handel mit Unternehmensanleihen drehe sich das meiste weiter um bekannte Namen. Gregor Daniel, der für die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handele, sehe unverändert viel Kaufinteresse an der Anfang 2025 fälligen GRENKE-Anleihe, die aktuell 4,46 Prozent abwerfe. Gut nachgefragt seien laut Oechsner Bonds von Siemens mit Laufzeit bis 2028, Volkswagen Leasing bis 2031, Bayer bis 2033 und Fresenius bis 2030. Gut an kämen auch die Mitte des Monats emittierten Papiere von E.ON (ISIN XS2747600018 / WKN A3826T) mit 3,375 Prozent bis 2031 und Schaeffler mit 4,75 Prozent bis 2029.
"Auch längere Laufzeiten von zehn Jahren und mehr sind beliebt", erkläre Oechsner, sogar die neue Nachranganleihe (ISIN XS2751678272 / WKN A35117) vom Energiekonzern EnBW mit 5,25 Prozent und Laufzeit von 60 Jahren. Die Mindestanlagesumme betrage allerdings 100.000 Euro. Ebenfalls gefragt sei laut Daniel etwas "Exotisches": Eine 2030 fällige Nullkuponanleihe (ISIN XS2712548655 / WKN A3LQJM) der EBRD in Türkischen Lira, die aktuell bei 7,26 Prozent gehandelt werde. "Da lockt wohl so manchen die Rendite." Die liegt momentan bei über 47 Prozent (Stand: 26.01.2024).
Sehr gute Umsätze melde Brunner darüber hinaus für die kürzlich aufgestockte Anleihe (ISIN NO0012530965 / WKN A30V9T) der Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares, die mittlerweile zu 104,7 Prozent gehandelt werde. Käufe sehe der Händler auch für Papiere (ISIN NO0010894850 / WKN A3H3FM) von LR Global Holding, ein Direktvertriebsunternehmen für Gesundheits- und Schönheitsprodukte. Bislang nur auf begrenztes Kaufinteresse stoße Daniel zufolge die neue Anleihe (ISIN DE000A3827R4 / WKN A3827R) des Autovermieters SIXT. "Der Kupon ist vielen wohl zu niedrig." Der Bond biete 3,75 Prozent im Jahr und ist 2029 fällig.
Höhere Kurse bei niedrigen Umsätzen sehe Brunner zudem für die SV Werder Bremen-Anleihe (ISIN DE000A3H3KP5 / WKN A3H3KP) nach Einstieg neuer Investoren. "Außerdem hat sich SOWITEC nach Umstrukturierung und Aussetzung vom Handel gut entwickelt." Der Bond werde nach zuvor rund 55 Prozent jetzt wieder zu 84 Prozent gehandelt.
Es gebe aber auch schlechte Nachrichten aus dem Mittelstandssegment: Automobilzulieferer Schlote wolle die im November dieses Jahres fällige Anleihe (ISIN DE000A2YN256 / WKN A2YN25) mit Kupon von 6,75 Prozent umstrukturieren. "Der Nennwert soll halbiert, die Zinszahlung bis zum Rückzahlungstermin ausgesetzt und die Laufzeit um neun Jahre verlängert werden", stelle Brunner fest. Der Kurs sei daraufhin von rund 55 Prozent auf nur noch 6,58 Prozent gefallen. Schlote habe zu einer Abstimmung ohne Versammlung zwischen 9. und 11. Februar aufgerufen. Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK sei das Restrukturierungskonzept nicht zustimmungsfähig, sie rate Betroffenen, sich zu organisieren. (Ausgabe vom 26.01.2024) (29.01.2024/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 1,80 € | 1,10 € | - € | 0,00% | 16.04./17:30 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE000A2YN256 | A2YN25 | 4,00 € | - € | |
Werte im Artikel




