Anleihen-Handel: Gegenbewegung nach Zinsanstieg


30.04.18 11:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Trend hin zu steigenden Zinsen hat sich etwas abgeschwächt, so die Deutsche Börse AG.

Noch zur Mitte der letzten Woche sei die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen über die viel beachtete Marke von 3 Prozent geklettert - das sei der höchste Stand seit Januar 2014 gewesen. "Ein Auslöser war der steigende Ölpreis", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.

Mittlerweile sei es aber zu einer leichten Gegenbewegung gekommen: Die Rendite für die US-Treasuries liege wieder bei 2,97 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen hätten am Freitagmorgen mit 0,57 Prozent rentiert, im Hoch seien es 0,64 Prozent gewesen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future habe am Freitagmorgen bei 158,60 nach zwischenzeitlich unter 157,50 Prozent notiert.

Was den weiteren Kurs der EZB angehe, sei von der Donnerstag-Sitzung - wie erwartet - nichts Neues gekommen. "Es gibt keinerlei Hinweise, dass die EZB früher als erwartet auf die Bremse treten wird", stelle Brunner fest. Die Notenbanker hätten die aktuellen Leitzinsen und die monatlichen Anleihekäufe bestätigt. Außerdem würden sie weiter davon ausgehen, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont der Anleihekäufe hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben würden.

Am kommenden Mittwoch stehe ein Treffen der US-Notenbank an. "Die FED kommt ihren Zielen immer näher", bemerke Bernd Weidensteiner von der Commerzbank und verweise auf die Quasi-Vollbeschäftigung und die gestiegene Inflation in den USA. Nach Ansicht des Analysten sei es nun die Aufgabe der Geldpolitik, das Erreichte zu sichern - durch moderate Zinsanhebungen. "Auf der Sitzung wird sie aber stillhalten und erst im Juni den nächsten Zinsschritt tun. Ein höheres Tempo ist zurzeit nicht erforderlich", meine Weidensteiner.

Nach Ansicht von Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank stehe FED-Präsident Jerome Powell vor einer schwierigen Aufgabe. "Kommuniziert er eine besonders vorsichtige Gangart bei den Leitzinsen, dürften auch die zehnjährigen Renditen kaum weiter steigen. Eine Inversion der Zinsstruktur wäre dann wieder wahrscheinlicher." Werde hingegen angekündigt, dass man kompromisslos auf einen Inflationsanstieg mit Leitzinsanhebungen reagieren wolle, könne es zu Panikreaktionen in Form eines Ausverkaufs von US-Staatsanleihen kommen. "Ein Renditesprung wäre die Folge, der seinerseits Turbulenzen an den Finanzmärkten und möglicherweise eine Rezession auslösen würde." De la Rubia weise darauf hin, dass jede Rezession seit den 1970er Jahren durch eine Inversion der Zinsstruktur angekündigt worden sei. Bei einem solchen Szenario lägen die langfristigen Zinsen unter den kurzfristigen.

Im Bereich der Unternehmensanleihen sehr gesucht sei laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine nachrangige Banco Santander-Anleihe mit Kupon von 5,75 Prozent. Eine ältere Sixt Leasing-Anleihe mit 1,125 Prozent und Laufzeit bis 2021 werde hingegen abgegeben. "Die wird wohl getauscht in die neue Anleihe des Unternehmens", vermute der Händler.

Von Sixt Leasing gebe es nämlich eine Neuemission mit Laufzeit bis zum Mai 2022 und Kupon von 1,5 Prozent (ISIN DE000A2LQKV2 / WKN A2LQKV). Die sei bei Privatanlegern den Händlern zufolge sehr gesucht. Ebenfalls stark nachgefragt von Kleinanlegern sei laut Rainer Petz von Oddo Seydler die Anleihe (ISIN XS1810653540 / WKN A19ZL2) von Heidelberg Cement mit Kupon von 1,75 Prozent und Laufzeit bis April 2028.

Wegen der Renditedifferenz beliebt würden auf US-Dollar lautende Anleihen bleiben, wie Petz feststelle. "Das gilt besonders, wenn der Name bekannt ist." Gute Umsätze sehe er zum Beispiel in einer schon älteren Anleihe (ISIN US85771PAX06 / WKN A1ZR6L) des norwegischen Ölkonzerns Statoil in US-Dollar. Diese biete einen Kupon von 3,25 Prozent und sei 2024 fällig. Ebenfalls gut an kämen relativ neue Bonds (ISIN USU2203CAA90 / WKN A19YVF) des US-Kosmetikkonzerns Coty mit Kupon von 6,5 Prozent und Laufzeit bis 2026. Beide Papiere seien in kleinanlagerfreundlicher Stücklung von 2.000 US-Dollar zu haben. "Das Pendant von Coty in Euro (ISIN XS1801786275 / WKN A19YUL) bietet nur 4 Prozent bis 2023 und hat eine Mindeststückelung von 100.000 Euro." Allerdings scheue so mancher auch das Wechselkursrisiko. Ein schwacher US-Dollar könne den Vorteil der höheren Zinsen schnell zunichte machen. Derzeit zeige sich der US-Dollar wieder stärker: Der Wechselkurs habe am Freitagmittag bei 1,21 US-Dollar für einen Euro gelegen, viele Monate seien es um 1,23 US-Dollar gewesen. (Ausgabe vom 27.04.2018) (30.04.2018/alc/a/a)





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