Anleihen: Lagarde-Alleingang sorgt für Kurs-Druck bei kürzeren Laufzeiten


30.05.22 10:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ankündigung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu Wochenbeginn, negative Zinsen zum Ende des dritten Quartals abzuschaffen, hat für Druck bei Anleihen gesorgt, insbesondere bei kürzeren Laufzeiten, so die Deutsche Börse AG.

Im Verlauf der Debatte hätten weitere EZB-Ratsmitglieder noch schnellere Zinserhöhungen gefordert. Die Renditen zweijähriger Staatsanleihen hätten zeitweise das höchste Niveau seit 2011 erreicht. Zuletzt habe sich die Lage beruhigt: Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) stehe bei 153,71 Zählern. Die zehnjährigen Bundesanleihen würden mit 0,94 Prozent rentieren.

"Der Alleingang von Christine Lagarde dürfte eine kontroverse Diskussion innerhalb des EZB-Rates nach sich ziehen", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Von Zinserhöhungen über 50 Basispunkte sei aber zunächst noch nicht auszugehen.

Ratsmitglied Francois Villeroy habe im Wochenverlauf betont, dass eine Erhöhung um 50 Basispunkte derzeit nicht das Basisszenario der EZB sei. Hingegen habe EZB-Ratsmitglied Robert Holzmann einen solch größeren Zinsschritt nicht ausgeschlossen.

Positiv hingegen hätten die Anleihenmärkte auf das jüngste FED-Protokoll reagiert. Es bestätige einen Konsens für FED-Chef Powells Basisszenario von Erhöhungen um 50 Basispunkte im Juni und Juli und eine restriktive Haltung der Geldpolitik. "Nun erhöht sich der Druck auf den EZB-Rat weiter, die Zinsen schneller zu straffen", kommentiere Tim Oechsner von der Steubing AG. Ein straffer Kurs der FED sei aber eingepreist. Zugleich färbe aber nach seiner Ansicht das schwache Umfeld für Technologie-Aktien und die damit verbundene Unsicherheit der Anleger*innen auf das Sentiment am Anleihenmarkt ab.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte von generell moderaten Umsätzen im Anleihenhandel. "Das Interesse der Anleger*innen wäre größer, wenn Risiken adäquat verzinst werden würden", erkläre Daniel. Aktuell sei nicht absehbar, dass die Marktrisiken wie Ukraine-Krieg, Inflation und drohende Rezession weichen würden. Auch wenn die Zinsen steigen würden, seien die Realrenditen im aktuellen Umfeld negativ geblieben. "Investor*innen haben hier noch keinen Ausgleich."

Bewegung sei im Markt für Staatspapiere: Frankreich, Finnland und Litauen seien hier vergangene Woche aktiv gewesen, berichte Brunner. Nach seinen Angaben sei in der vergangenen Woche Österreich in den Markt für Green Bonds eingestiegen. Die Alpenrepublik sei mit ihrer ersten grünen Anleihe über 4 Milliarden Euro auf hohe Nachfrage gestoßen: "Es gab Gebote im Wert von 25 Milliarden", berichte Brunner. Österreich wolle nun innerhalb von zwei Jahren grüne Staatspapiere mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro emittieren.

Brunner verweise insbesondere auf die Bewegung bei Immobilien-Unternehmen: So seien Zinspapiere (ISIN DE000A254RV3 / WKN A254RV) von Publity mit Laufzeit 2025 und einem Kupon 5,5 Prozent in der vergangenen Woche auf den Kauflisten gewesen. "Das überrascht vor allem hinsichtlich der Negativ-Nachrichten aus dem Sektor", ergänze Brunner. Die Staatsanwaltschaft solle strafrechtliche Ermittlungen gegen die Adler Group, einem der großen Immobilien-Unternehmen mit Sitz in Luxemburg, eingeleitet haben.

Oechsner berichte in diesem Zusammenhang von Einbrüchen bei einem Papier (ISIN DE000A19SPK4 / WKN A19SPK) der Corestate. Das Papier mit Laufzeit 2022 und 1,375 Prozent Kupon habe Anfang März noch bei 90 gestanden, notiere nun nur noch bei 45. Der Immobiliensektor an sich sei auf Grund der Negativ-Meldungen nicht zuletzt von Adler unter Druck.

Käufe habe Oechsner in der vergangenen Woche in der Anleihe (ISIN XS1417876163 / WKN A181ZP) des Fintechs 4Finance mit 11,25 Prozent Zins und Fälligkeit 02/2025 registriert. Das Fintech sei Anbieter von Verbraucherkrediten. "Mit einem Moody's Rating der Anleihe von B2 gehen Investor*innen hier ein sehr hohes Risiko ein." Nach Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal habe die Anleihe bei 97 Prozent gehandelt, zuletzt bei 95 Prozent.

Hohe Nachfrage verzeichne Brunner nach Ferratum-Anleihen, die bis 2023 laufen würden bei 5,5 Prozent Kupon.

Gekauft worden sei eine Anleihe des Automobil-Zulieferers Schaeffler, berichte Daniel, das auf Wochensicht Kursgewinne verzeichne. Das Papier (ISIN DE000A2YB7B5 / WKN A2YB7B) laufe bis 2027 und werde mit 2,875 Prozent verzinst. (Ausgabe vom 27.05.2022) (30.05.2022/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 177,24 140,80
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