Anleihen: Bei den Notenbanken spielt die Musik


22.11.13 16:44
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Verhalten geht es im Rentenhandel laut Händlern gegenwärtig zu, so die Deutsche Börse AG.

"Wir spüren die Nachwehen der letzten Zinssenkung", fasse Arthur Brunner von ICF Kursmakler zusammen. Nach wie vor dominiere die geldpolitische Ausrichtung der internationalen Notenbanken das Geschehen an den Finanzmärkten.

"Das Hauptaugenmerk der Investoren gilt der Rückführung der Anleihekäufe in den USA", bestätige Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Außerdem sorge die Europäische Zentralbank durch die Erwägung negativer Einlagenzinsen für Gesprächsstoff und einem Anstieg der Volatilität im Rentenmarkt.

Die Botschaft dieser Gedankenspiele sei für Robert Halver von der Baader Bank klar: "Das von Banken bei der EZB geparkte Geld soll, wenn es schon nicht in Form von Krediten in die Wirtschaft gelangt, zumindest in Staatsanleihen fließen." So könnten neue Konjunkturpakete zinsgünstig finanziert werden.

In diesem Zusammenhang stelle sich Gertrud Traud von der Helaba die Frage, ob die großen Zentralbanken einen Strategiewandel vollziehen und statt wie bisher auf Berechenbarkeit zu setzen nun den Überraschungsfaktor mit einbringen würden. "Wenn dem so ist, besteht das Risiko, dass die Federal Reserve einen weniger expansiven Pfad ihrer Geldpolitik nicht ankündigt, sondern einfach umsetzt." Der Einstieg in den Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik könne dann bereits zum Jahreswechsel erfolgen. "Damit wäre dann aber die Party an den Aktienmärkten vorbei."

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sei zunächst mit 141,68 Prozent etwas fester in die Handelswoche gestartet. "Als Reaktion auf einen möglichen Negativzins für Einlagen schoss das deutsche Rentenbarometer zwischenzeitlich in die Höhe, bevor es wieder unter Druck kam", bemerke Hellwig.

Charttechnisch betrachtet mache die HSBC derzeit Bullen und Bären aus. Neben einer anhaltenden Erholungsbewegung seit dem Jahrestief vom September bestünde Respekt vor der 38-Wochen-Linie aktuell bei 142,46 Prozent.

Eine wichtige Haltezone auf der Unterseite würden die Analysten zwischen 141 und 140 Prozent sehen. "Ein nachhaltiges Abrutschen unter diese Marken dürfte weitere kräftige Kursverluste nach sich ziehen." Ein Sprung über die genannte Glättungslinie öffne den Weg in Richtung des Verlaufshochs vom Juli bei 144,37 Prozent. Die technischen Indikatoren hätten das Positivszenario begünstigt.

Die Stimmung an den Anleihemärkten der EU-Peripherie sei Hellwig zufolge gut. "Die gestrige Auktion vierjähriger spanischer Staatsanleihen verlief überaus erfolgreich." Die Aufstockung eines Bonds mit einer Restlaufzeit bis April 2017 um 3,5 Milliarden Euro sei rege nachgefragt worden, das Bid/Cover Ratio liege bei 2,51. "Das vom spanischen Tesoro angestrebte Emissionsziel 2013 für das mittel- und langfristige Anleihesegment ist mit rund 120 Milliarden Euro nahezu erreicht." Die durchschnittlichen Finanzierungskosten hätten sich bis Ende Oktober auf 2,57 Prozent reduziert.

"Ebenso wie Irland beabsichtigt Spanien, den Rettungsschirm hinter sich zu lassen", berichte Sintje Boie von der HSH Nordbank. Das Hilfsprogramm in Höhe von rund 40 Milliarden Euro für seinen maroden Bankensektor laufe im Januar 2014 aus. "Es wird kein Anschlussprogramm geben."

Im Handel würden Anleger bevorzugt zu Unternehmensanleihen mit guter Bonität und längeren Laufzeiten greifen, wie Brunner melde. Etwa komme eine bis 6. September 2022 laufende Volkswagen Leasing Anleihe (ISIN XS0823975585 / WKN A0JCCW) mit einem Kupon von 2,375 Prozent gut an. Investoren hätten sich zudem eine ING Bank-Anleihe mit Fälligkeit im Februar 2022 und einem Zins von 4,5 Prozent verstärkt ins Depot gelegt.

Zu Hellwigs umsatzstärksten Corporate Bonds würden Hybridanleihen der Eurohypo AG (ISIN DE000A0DZJZ7 / WKN A0DZJZ; ISIN XS0169058012 / WKN 542376) gehören. "Nach der Umstellung auf Handel mit Stückzinsen interessieren sich Anleger vorrangig für die erste, niedriger verzinste Anleihe der beiden mit einem Kupon von 1,848 Prozent und einer derzeitigen Notierung von rund 75 Prozent."

Gute Umsätze auf der Kaufseite mache Hellwig für eine im November 2016 fällig werdende und mit einem Kupon von 7,25 Prozent ausgestattete Anleihe der Bombardier aus. "Der Kurs zog daraufhin leicht Richtung 105 Prozent." Gefragt sei auch eine Nachranganleihe (ISIN DE000A0E5U85 / WKN A0E5U8) der Depfa mit einem jährlichen Zins von 1,855 Prozent. "In den vergangenen Tagen legte der Kurs von 50,50 auf knapp 52 Prozent zu."

Mittelstands-Anleihen stünden in Brunners Büchern eher auf der Verkaufsseite. "Der Insolvenzantrag der getgoods.de und die Razzia in den Geschäftsräumen des Unternehmens hat Anleger womöglich verunsichert." Unter Druck geraten sei Brunner zufolge eine bis Dezember 2017 laufende Anleihe (ISIN DE000A1K0YD5 / WKN A1K0YD) der Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mit einem Kupon von 7,75 Prozent. "Innerhalb einer Woche hat die Anleihe von 49 auf gegenwärtig rund 37 Prozent nachgegeben."

Ohne offensichtlichen Grund sei der Kurs einer Anleihe (ISIN DE000A1CRMQ7 / WKN A1CRMQ) des inzwischen insolventen Windparkbauers Windreich noch weiter eingebrochen, wie Hellwig bemerke. "Nachdem sie sich zunächst bei 11,5 Prozent gehalten hat, stürzte sie im gestrigen Handelsverlauf deutlich unter die Marke von 10 Prozent und notierte zwischenzeitlich bei 8,21 Prozent." "Offizielle Nachrichten gibt es keine."

Am 26. November starte die Zeichnung einer Anleihe (ISIN DE000A1YCRD0 / WKN A1YCRD) der Hörmann Finance GmbH an der Börse Frankfurt. Wie bei allen Entry Standard Bonds liege die Stückelung bei 1.000 Euro. Gezeichnet werden könne zu 100 Prozent transaktionsentgelt frei. Der Kupon liege zwischen 6,25 und 6,75 Prozent und werde im Verlauf des heutigen Freitag konkretisiert, die Laufzeit betrage fünf Jahre. Der Technologiespezialist mit Schwerpunkt auf das Automotive-Segment plane die Aufnahme von 50 Millionen Euro. (22.11.2013/alc/a/a)





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