Anleihen: US-Zinssenkungspläne sorgen für Kursrutsch


28.01.22 17:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit 1,88 Prozent sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries in dieser Woche knapp an ihr Zwei-Jahreshoch gestiegen, so die Deutsche Börse AG.

Zuvor habe FED-Chef Jerome Powell starke Signale für eine erste Zinserhöhung bereits im März gesendet und weitere Zinsschritte zu jeder kommenden Sitzung des Jahres nicht ausgeschlossen. Inklusive März tage die FED siebenmal planmäßig in diesem Jahr.

"Mit ihren falkenhaften Aussagen schafft die FED Klarheit über ihren künftigen Kurs, der neben Leitzinserhöhungen auch das Ende der Anleihenkäufe umfasst", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank die Notenbank-Politik. Tim Oechsner von der Steubing AG ergänze: "An den Märkten wird nach dieser Sitzung mit fünf Zinsschritten gerechnet, das wäre ein Schritt in jedem kommenden Quartal bis ins Jahr 2023 hinein. Vor dem FED-Meeting war die Erwartung bei vier Zinsschritten." Ein erster größerer Zinsschritt um 50 Basispunkte werde bereits mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit gehandelt.

Robert Halver, Leiter Kapitalmarkt-Analyse der Baader Bank, bleibe dennoch gelassen: "Nach dem Motto 'Wer früher anfängt, ist auch früher fertig' wären für die Finanzmärkte selbst anfangs rasche Zinsanhebungen zu verkraften." Zumal die FED betont habe, nicht in einen Zinserhöhungs-Automatismus verfallen zu wollen, sondern datenbezogen zu entscheiden. "Das klingt nicht nach kompromisslos falkenhafter Zinspolitik wie sie ein FED-Chef Paul Volcker in den 80er Jahren zur Inflationsbekämpfung praktizierte."

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe habe sich auch auf Wochensicht kaum geändert. Allerdings sei der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) nach dem US-Zinsentscheid unter Druck geraten, habe sich aber zügig erholen können. Am Freitag würden zehnjährige Bunds mit -0,043 Prozent rentieren.

Die Pipeline für Neuemissionen von Staats- und Unternehmensanleihen sei relativ überschaubar. "Die Zinsängste drücken auf die Stimmung, nur vereinzelte Deals treffen auf sehr verhaltene Nachfrage", berichte Oechsner. Mit dem Auftreten neuer Unternehmensmeldungen kämen vereinzelt Käufer in den Markt. So seien drei Anleihen der Metalcorp href="/7_00_metalcorp_group_17_22_auf_festzins_A19MDV-anleihe">Group,, (ISIN DE000A19MDV0 / WKN A19MDV) gesucht, nachdem der Dienstleister rund um die Beschaffung, Produktion und Vermarktung von Metallen und Mineralien für 2021 das beste Ergebnis seit seiner Gründung bekanntgegeben habe. Die Anleihen stünden am Freitag bei 92, bei 96 und 97 Prozent.

"Ansonsten ist das Interesse zurückhaltend, obwohl der Januar ein Monat ist, in dem üblicherweise viele Investoren aktiv im Markt sind", erkläre Oechsner. So habe das Land NRW das Volumen seiner Anleihe (ISIN DE000NRW0LA3 / WKN NRW0LA) mit 1,75 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2068 um 850 Millionen Euro erhöht. "Das Interesse lag bei 2,3 Milliarden Euro."

Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank blicke auf moderate Umsätze in dieser Woche. Ein Bond, der diese Woche allerdings verhalten gekauft werde, sei Edison International (ISIN US281020AT41 / WKN A3KYWK). "Der Kupon von 5 Prozent ist im aktuellen Umfeld bemerkenswert, allerdings sollten Anleger beachten, dass er ab 2027 variabel wird und nicht mehr fix ist."

Auch Brunner berichte von einer recht geringen Anzahl Neuemissionen. "Wir sehen aber vereinzelt solide Käufe, zum Beispiel bei Volkswagen Financial Services." Die entsprechende Anleihe (ISIN XS2438616240 / WKN A2LQ6U) mit Laufzeit bis 2028 und 0,875 Prozent Kupon werde gut gehandelt.

Der Markt für Mittelstandsanleihen hingegen sei in dieser Woche sehr nervös. "Hier haben wir zum Teil erratische Schwankungen." So seien Greencells-Papiere mit Laufzeit bis 2025 und 6,5 Prozent Kupon auf bis zu 82 Prozent eingebrochen, erholten sich aber im Wochenverlauf. "Möglicherweise gab es hier eine Verwechslung mit Greencity, die in dieser Woche einen Insolvenzantrag gestellt hatten", fasse Brunner zusammen. Am Freitag würden Greencells-Anleihen wieder bei 96,01 Prozent notieren. Positiv sei eine Aufstockung von PHM-Papieren um 40 Millionen Euro verlaufen. Die Titel mit 4,75 Prozent Kupon und bis 2026 Laufzeit würden bei 101,85 Prozent notieren. (28.01.2022/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
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