Anleihen: Verunsicherung ist zurück


14.11.25 16:39
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zwar ist der Shutdown in den USA beendet, doch die Sorgen um eine KI-Blase sind zurück, so die Deutsche Börse AG.

Zudem scheine eine Zinssenkung in den USA im Dezember nun unsicherer. Schon auf der letzten US-Notenbanksitzung im Oktober habe sich Notenbankchef Powell zurückhaltend bezüglich einer weiteren Zinssenkung in diesem Jahr gezeigt. "Nun sprang ihm neben anderen FOMC-Mitgliedern Susan Collins bei, die eine hohe Hürde für einen Lockerung im Dezember sieht", berichte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Die Markterwartungen einer Zinssenkung seien dementsprechend gesunken. Die Anleihekurse seien gefallen, die Renditen gestiegen - auch hierzulande. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege am Freitagmittag bei 2,71 Prozent nach 2,66 Prozent vor einer Woche.

Ausverkauf in Großbritannien

Für Schlagzeilen sorge am heutigen Freitag allerdings vor allem Großbritannien. "Die Renditen britischer Staatsanleihen sind massiv gestiegen, das britische Pfund hat stark verloren", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Der Auslöser: Großbritanniens Finanzministerin Rachel Reeves habe ihre Pläne zur Erhöhung der Einkommensteuersätze verworfen. Nun sei unklar, wie das Einnahmendefizit ausgeglichen werden solle.

Mittelstandsanleihen: "Die Märkte sind sehr nervös"

Sehr starke Bewegung habe es diese Woche Brunner zufolge bei Mittelstandsanleihen gegeben. "Die Märkte sind sehr nervös", beschreibe er die Lage. Zeitweise sehr deutlich nach unten ging es für hep solar projects (ISIN DE000A351488/ WKN A35148) und hep global (ISIN DE000A3H3JV5/ WKN A3H3JV). "Konkrete Nachrichten dazu fehlen aber", bemerke er.

Anders sei der Fall bei Noratis, Pandion und Paragon. Der Vorstand des Eschborner Wohnimmobilienentwickler Noratis habe ein umfassendes Restrukturierungskonzept beschlossen und die am Dienstag dieser Woche fällige Zinszahlung für die 2029 fällige 5,5 Prozent-Unternehmensanleihe (ISIN DE000A3H2TV6/ WKN A3H2TV) ausgesetzt. Außerdem strebe Noratis eine Reduzierung des Nennbetrags an. Nach 56 Prozent werde der Bond jetzt nur noch zu 27 Prozent gehandelt.

Ebenfalls steil nach unten sei es für Autozulieferer Paragon gegangen. "Paragon plant eine Laufzeitverlängerung der 2027 fälligen 6,75 Prozent-Anleihe (ISIN DE000A2GSB86/ WKN A2GSB8) um vier Jahre", erläutere Brunner. Geplant seien zudem weitere Anpassungen der Anleihebedingungen, darunter eine Zinspause für die 2026 fälligen Zinsen. Der Kurs sei von rund 64 auf 34 Prozent gefallen.

Starke Ausschläge in beide Richtungen habe Pandion verzeichnet. Das Kölner Immobilienunternehmen strebe eine Verlängerung seiner 2026 fälligen 5,50 Prozent-Anleihe (ISIN DE000A289YC5/ WKN A289YC) bis August 2028 zu angepassten Konditionen an, wie Brunner berichte. Vorgesehen sei unter anderem eine Erhöhung des Zinssatzes auf 8 Prozent.
Ein Gegenbeispiel sei Katjes International mit seiner bis 2028 laufenden Anleihe mit 6,75 Prozent-Kupon (ISIN NO0012888769/ WKN A30V78). Die wird aktuell zu 104,60 Prozent gehandelt. "Katjes ist immer gesucht", stellt Brunner fest.

Würth mit Abgaben, Formycon stabilisiert

"Ständig verkauft" werde laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Anleihe von Würth Finance mit Laufzeit bis 2030 und Kupon von 2,125 Prozent (ISIN XS2480515662/ WKN A3K5DY). Stabilisiert habe sich mit der Bestätigung der Jahresziele Formycon mit Fälligkeit 2029 (ISIN NO0013586024/ WKN A4DFJH). "Im Vorfeld der Zahlen ist der Kurs kräftig unter Druck gekommen. Seitdem die Zahlen veröffentlicht sind, bewegt sich der Kurs eher seitwärts", melde Daniel.


Staatsanleihen nicht immer "sicherer Hafen"

Immer mehr Konzerne in Industrieländern würden mittlerweile als stabiler als ihre Regierungen gelten, wie Bloomberg melde. "Anleger verlangen inzwischen für Anleihen von Microsoft, Airbus, L’Oreal und Siemens geringere Renditen als für die Staatsanleihen ihrer Herkunftsländer", heiße es. Seit der Pandemie hätten viele Unternehmenschefs mit gestiegenen Zinsen umzugehen gelernt, Ausgaben gesenkt und Schulden abgebaut. Gleichzeitig gäben die Regierungen wohlhabender Länder weiter viel Geld aus. Der Status als sicher geltender Hafen schwinde - vor allem in den USA.

Schalke 04 könne aufstocken

Sehr gut ankomme die neue Unternehmensanleihe (ISIN DE000A460AT6/B WKN A460AT) des FC Gelsenkirchen-Schalke 04. "Die Nachfrage ist groß, daher hat der Verein das öffentliche Angebot von bis zu 50 auf bis zu 75 Millionen Euro erhöht", berichte Brunner. Die bis November 2030 laufende Anleihe biete 6,50 Prozent sowie einen "Bundesliga-Bonus" als einmalige Bonuszahlung in Höhe von 1,50 Prozent beim Aufstieg des Vereins. Die Zeichnungsfrist laufe noch bis zu 20. November. (14.11.2025/alc/a/a)





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