Anleihen: Wieder neue Rekorde


16.01.15 16:39
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Und es geht noch höher: Nach der völlig überraschenden Entscheidung der Schweizerischen Notenbank (SNB) am gestrigen Donnerstag, den 2011 festgelegten Mindestkurs des CHF gegenüber dem Euro aufzugeben, kletterte der Euro-Bund-Future auf ein neues Rekordhoch von 157,70 Prozent, am heutigen Freitagmittag waren es zwischenzeitlich sogar 157,97 Punkte.

"Vermutlich will die SNB die Geldpolitik der EZB nicht weiter nachvollziehen", mutmaße Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Wegen der hohen Nervosität und der extremem Volatilität der Märkte hätten Anleger jedenfalls lieber auf qualitativ hochwertige Staatsanleihen gesetzt.

Der im September vergangenen Jahres einsetzende Aufwärtstrend beim Euro-Bund-Future habe sich damit auch im neuen Jahr fortgesetzt, Ende 2014 habe der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen noch bei 155,80 Punkten gelegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei zwischenzeitlich auf 0,45 Prozent gefallen, am Freitag seien es 0,46 Prozent. "Es war eine wilde Woche", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank. Der Bund habe eine neue zehnjährige Anleihe (ISIN DE0001102374 / WKN 110237) zu einem Kupon von nur 0,5 Prozent platzieren können, bei der letzten Emission sei es noch 1 Prozent gewesen. "Die Nachfrage war gut."

Der Zeitpunkt der CHF-Freigabe sei nach Ansicht von Analysten und Händlern nicht zufällig gewählt gewesen, die Notenbank habe damit der EZB zuvorkommen wollen, die bereits am kommenden Donnerstag ein Ankaufprogramm für Staatsanleihen bekannt geben könnte. Ein solches würde den Euro, der mittlerweile nur noch 1,16 USD wert sei, voraussichtlich noch weiter unter Druck setzen, die Schweizerische Notenbank hätte noch mehr Euro aufkaufen müssen, um den Wechselkurs zu halten.

Der Handel mit auf Schweizer Franken lautenden Anleihen sei aufgrund heftiger Bewegungen zwischenzeitlich ausgesetzt. "Viele machten Kasse, es wurde aber auch gekauft", melde Brunner und nennt als Beispiel eine bis 2016 laufende Staatsanleihe (ISIN CH0022859612 / WKN A0GGG2) der Schweiz.

Entgegen komme der EZB, dass der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof in dieser Woche das erste Anleihekaufprogramm der EZB während der Finanzkrise für grundsätzlich rechtmäßig erklärt habe. "Für den Präsidenten der EZB hätte das Resümee kaum besser ausfallen können", urteile Klaus Stopp von der Baader Bank. "Das bedeutet freie Bahn für zukünftige Anleihekäufe", meine Brunner. Alles deute darauf hin, dass am kommenden Donnerstag Staatsanleihekäufe im großen Stil angekündigt würden.

Auch die Zinsen in den anderen Euroländern seien in dieser Woche weiter zurückgegangen. "Genährt wurde diese Nachfrage in erster Linie durch den Ölpreis, der in den letzten Tagen wie ein Stein gefallen ist und auf diese Weise die Erwartung weiter sinkender Konsumentenpreise erhöht hat", bemerke die HSH Nordbank.

Am Sonntag der kommenden Woche stünden zudem Wahlen in Griechenland an. "Mittlerweile scheint der voraussichtliche Wahlgewinner Alexis Tsipras seine Rhetorik etwas abzumildern", erkläre die HSH Nordbank. Es werde wohl zu neuen Verhandlungen über die Schulden kommen, "einen einseitig deklarierten Schuldenschnitt erwarten wir aber nicht". Anleger würden von Griechenland-Anleihen unterdessen nichts mehr wissen wollen. "Bei uns wird nur verkauft", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Viele Investoren im Anleihebereich hätten auf das gestrige Chaos eher konsterniert reagiert. "Anleger verfielen in eine Schockstarre, es war plötzlich gar nichts mehr los", schildere Daniel die Lage. Er melde Käufe in einem Papier (ISIN XS1064049767 / WKN A11QFG) der Württembergischen Lebensversicherung.

Wie Arne Hellwig melde, habe der neue Eigentümer der Depfa Bank, FMS Wertmanagement, einen Tender für die drei ausstehenden Hybridanleihen der Depfa angekündigt. Es sei vorgesehen, die Anleihen zu 58,4509 Prozent (ISIN DE000A0E5U85 / WKN A0E5U8) und 60,4509 Prozent (ISIN XS0291655727 / WKN A0LPRW, ISIN XS0178243332 / WKN 916788) zurückzukaufen. "Bereits im Vorfeld hat die FMS eine hohe Zustimmungsrate bei institutionellen Investoren erreichen können." Die Papiere seien am Donnerstag vom Handel ausgesetzt worden, heute aber wieder handelbar.

Der Primärmarkt sei nach der Weihnachtspause wieder in Gang gekommen. Im Bereich der Staatsanleihen habe es von Portugal, Spanien und Italien neue Papiere gegeben, die alle gut angekommen seien, wie Brunner feststelle. Auf rege Nachfrage sei auch eine bis 2027 laufende Anleihe (ISIN SK4120010430 / WKN A1ZUZV) der Slowakei mit Kupon von 1,375 Prozent gestoßen.

Emittiert worden seien auch viele neue Unternehmensanleihen. "Die Autokonzerne geben Gas", bemerke Stopp. Etwa emittierte Volkswagen zwei Anleihen. Die erste (ISIN XS1167644407 / WKN A1ZUTN) biete einen Kupon von 0,875 Prozent und laufe bis 2023, die zweite (ISIN XS1167667283 / WKN A1ZUTM), endfällig 2030, 1,625 Prozent. Auch von BMW gebe es zwei neue Bonds, beim ersten (ISIN XS1168971213 / WKN A1ZUTX), endfällig 2020, liege der Kupon bei 0,5 Prozent, beim zweiten (ISIN XS1168962063 / WKN A1ZUTY), 2025 fälligen, bei 1 Prozent.

"Alle vier Gattungen wurden nicht zuletzt im Hinblick auf eine erhoffte Nachfrage seitens der Privatanleger mit einer Mindeststückelung von nominal 1.000 Euro begeben", erläutere Stopp. Der Händler berichte außerdem von einer neuen Anleihe des Essener Spezialchemieunternehmens Evonik, die bis 2023 laufe und mit 1 Prozent verzinst werde. Die Mindestanlagesumme liege hier ebenfalls bei 1.000 Euro. (16.01.2015/alc/a/a)
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