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Anleihen: Wieder weniger Zinsen
11.04.16 09:44
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sicherheit bleibt gefragt an den Kapitalmärkten, Bundesanleihen sind extrem beliebt, so die Deutsche Börse AG.
In der übrigen Eurozone sehe es allerdings anders aus: Die Risikoaufschläge für südeuropäische Staatsanleihen, etwa italienische oder spanische, hätten zum Teil stark zugelegt. Auch portugiesische Papiere seien betroffen.
Der Euro-Bund-Future habe seinen Mitte März begonnenen Anstieg fortgesetzt: Am Freitagmittag notiere der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 164,19 Punkten, vor einer Woche seien es 163,73 gewesen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen würden sich der Nulllinie nähern: Aktuell seien es 0,09 nach 0,14 Prozent vergangenen Freitag.
Die gedämpfte Stimmung habe vielerlei Gründe: "Wenig beruhigend dürften neben dem abermals gesunkenen Ölpreis Meldungen des Internationalen Währungsfonds gewesen sein, der im Vorfeld der in der kommenden Woche stattfindenden Frühjahrstagung vor Problemen des unter dem Niedrigzinsumfeld leidenden Versicherungssektors warnt", erkläre Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Außerdem habe der IWF auf die zunehmende Gefahr von Ansteckungseffekten durch Krisen in Schwellenländern auf die Industrieländer hingewiesen.
"Die Stimmung hat in der Eurozone aber auch zu tun mit dem Referendum in den Niederlanden, in dem das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abgelehnt wird." Auch hätten Diskussionen darüber, ob der IWF noch willens sei, Griechenland erneut Geld zu geben, bei manchen Beobachtern die Befürchtung einer neuen Griechenland-Krise aufleben lassen. Und schließlich sei da noch der drohende Brexit. "In den jüngsten Umfragen lagen die Europa-Gegner nur noch einen Prozentpunkt hinter den Befürwortern."
Auch bis zum April vergangenen Jahres seien die Kurse von Bundesanleihen deutlich gestiegen, am 21. April habe allerdings ein rasanter Rückgang eingesetzt, der sich bis zum Juni hingezogen habe. Michael Leister von der Commerzbank gehe aber nicht davon aus, dass sich dieses Szenario wiederholen werde: "Trotz mancher Parallelen zur Entwicklung vor einem Jahr bleibt der Ausblick für die europäischen Rentenmärkte positiv." Hierfür sprächen die umfangreicheren EZB-Käufe, zudem flössen hohe Tilgungen und Kuponzahlungen an Investoren zurück. "Auch die aktuell ausgeglichenere Positionierung der Investoren spricht gegen eine scharfe Kurskorrektur." Anleihen der Kern- und Semi-Kernländer würden von der neuerlichen Jagd nach Renditen profitieren.
Derweil werde weiter darüber diskutiert, ob die US-Notenbank die Zinsen noch in diesem Monat abermals anheben werde. "Im veröffentlichten Protokoll der letzten FOMC-Sitzung war zu lesen, dass es mehrere Befürworter für einen nächsten Zinsschritt im April gibt", berichte Sabine Tillman von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Dennoch seien keine klaren Vorgaben für die zukünftige Vorgehensweise herauszulesen gewesen. "Es darf weiter spekuliert werden."
Auch im Bereich der Unternehmensanleihen würden gute Bonitäten gefragt bleiben, wie Arthur Brunner von der ICF Bank feststelle. "Die Nachfrage ist wegen der Absicht der Europäischen Zentralbank, Unternehmensanleihen zu erwerben, groß", meine auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Das habe bereits einen Ansturm auf Kreditausfall-Swaps (CDS) ausgelöst, die als Ersatz für Anleihen benutzt würden.
Bei der ICF Bank seien Anleihen der Heta Asset Resolution, der ehemaligen Hypo Alpe Adria, Gewinner der Woche gewesen, wie Brunner berichte. "Es sieht danach aus, dass Kärnten mit seinem Schuldenschnitt nicht durchgekommen wird." Die Gläubiger, darunter viele deutsche Banken und Versicherungen, hätten das Angebot des österreichischen Bundeslands, die Papiere zu einem Abschlag zurückzukaufen, ausgeschlagen. Kärnten habe die volle Rückzahlung der Schuldscheine garantiert. Hohe Umsätze melde der Händler außerdem für VW-Hybridanleihen sowie Papiere des Finanzdienstleisters International Personal Finance.
Am Freitag sei Brunner zufolge außerdem die Travel24com-Anleihe unter Druck geraten. "Konkrete Nachrichten fehlen, Anleger sind aber nervös, was die Rückzahlung im September 2017 angeht." Das Papier werde mittlerweile nur noch zu 20,10 Prozent gehandelt.
Nervös zeige sich der Markt für Mittelstandsanleihen auch noch wegen der Insolvenz des Modeunternehmens Steilmann Ende Februar. Die Anleihe der Rickmers Holding habe Federn lassen müssen. Zahlreiche Mittelstandsanleihen würden aber weiter deutlich über Pari gehandelt, etwa Adler Real Estate, Berentzen, Eyemaxx Real Estate, Ferratum, Karlsberg Brauerei, Katjes und Paragon.
Der Markt für Neuemissionen laufe unterdessen auf Hochtouren. "Verwunderlich ist es nicht, dass sich nahe dem Renditetief diverse Unternehmen die günstigen Finanzierungskonditionen am Kapitalmarkt sichern wollen", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Allerdings würden sich die großen Neuemissionen, etwa vom Fedex und Sanofi, mit Mindestanlagesummen von 100.000 Euro an institutionelle Anleger richten. (Ausgabe vom 08.04.2016) (11.04.2016/alc/a/a)
In der übrigen Eurozone sehe es allerdings anders aus: Die Risikoaufschläge für südeuropäische Staatsanleihen, etwa italienische oder spanische, hätten zum Teil stark zugelegt. Auch portugiesische Papiere seien betroffen.
Der Euro-Bund-Future habe seinen Mitte März begonnenen Anstieg fortgesetzt: Am Freitagmittag notiere der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 164,19 Punkten, vor einer Woche seien es 163,73 gewesen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen würden sich der Nulllinie nähern: Aktuell seien es 0,09 nach 0,14 Prozent vergangenen Freitag.
Die gedämpfte Stimmung habe vielerlei Gründe: "Wenig beruhigend dürften neben dem abermals gesunkenen Ölpreis Meldungen des Internationalen Währungsfonds gewesen sein, der im Vorfeld der in der kommenden Woche stattfindenden Frühjahrstagung vor Problemen des unter dem Niedrigzinsumfeld leidenden Versicherungssektors warnt", erkläre Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Außerdem habe der IWF auf die zunehmende Gefahr von Ansteckungseffekten durch Krisen in Schwellenländern auf die Industrieländer hingewiesen.
"Die Stimmung hat in der Eurozone aber auch zu tun mit dem Referendum in den Niederlanden, in dem das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abgelehnt wird." Auch hätten Diskussionen darüber, ob der IWF noch willens sei, Griechenland erneut Geld zu geben, bei manchen Beobachtern die Befürchtung einer neuen Griechenland-Krise aufleben lassen. Und schließlich sei da noch der drohende Brexit. "In den jüngsten Umfragen lagen die Europa-Gegner nur noch einen Prozentpunkt hinter den Befürwortern."
Derweil werde weiter darüber diskutiert, ob die US-Notenbank die Zinsen noch in diesem Monat abermals anheben werde. "Im veröffentlichten Protokoll der letzten FOMC-Sitzung war zu lesen, dass es mehrere Befürworter für einen nächsten Zinsschritt im April gibt", berichte Sabine Tillman von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Dennoch seien keine klaren Vorgaben für die zukünftige Vorgehensweise herauszulesen gewesen. "Es darf weiter spekuliert werden."
Auch im Bereich der Unternehmensanleihen würden gute Bonitäten gefragt bleiben, wie Arthur Brunner von der ICF Bank feststelle. "Die Nachfrage ist wegen der Absicht der Europäischen Zentralbank, Unternehmensanleihen zu erwerben, groß", meine auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Das habe bereits einen Ansturm auf Kreditausfall-Swaps (CDS) ausgelöst, die als Ersatz für Anleihen benutzt würden.
Bei der ICF Bank seien Anleihen der Heta Asset Resolution, der ehemaligen Hypo Alpe Adria, Gewinner der Woche gewesen, wie Brunner berichte. "Es sieht danach aus, dass Kärnten mit seinem Schuldenschnitt nicht durchgekommen wird." Die Gläubiger, darunter viele deutsche Banken und Versicherungen, hätten das Angebot des österreichischen Bundeslands, die Papiere zu einem Abschlag zurückzukaufen, ausgeschlagen. Kärnten habe die volle Rückzahlung der Schuldscheine garantiert. Hohe Umsätze melde der Händler außerdem für VW-Hybridanleihen sowie Papiere des Finanzdienstleisters International Personal Finance.
Am Freitag sei Brunner zufolge außerdem die Travel24com-Anleihe unter Druck geraten. "Konkrete Nachrichten fehlen, Anleger sind aber nervös, was die Rückzahlung im September 2017 angeht." Das Papier werde mittlerweile nur noch zu 20,10 Prozent gehandelt.
Nervös zeige sich der Markt für Mittelstandsanleihen auch noch wegen der Insolvenz des Modeunternehmens Steilmann Ende Februar. Die Anleihe der Rickmers Holding habe Federn lassen müssen. Zahlreiche Mittelstandsanleihen würden aber weiter deutlich über Pari gehandelt, etwa Adler Real Estate, Berentzen, Eyemaxx Real Estate, Ferratum, Karlsberg Brauerei, Katjes und Paragon.
Der Markt für Neuemissionen laufe unterdessen auf Hochtouren. "Verwunderlich ist es nicht, dass sich nahe dem Renditetief diverse Unternehmen die günstigen Finanzierungskonditionen am Kapitalmarkt sichern wollen", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Allerdings würden sich die großen Neuemissionen, etwa vom Fedex und Sanofi, mit Mindestanlagesummen von 100.000 Euro an institutionelle Anleger richten. (Ausgabe vom 08.04.2016) (11.04.2016/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 126,0482 € | 125,1945 € | 0,8537 € | +0,68% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



