Erweiterte Funktionen

Anleihen bleiben ein wichtiger Stabilitätsanker


16.12.25 09:00
FERI Institut

Bad Homburg (www.anleihencheck.de) - Währungen und Anleihen entwickeln sich zunehmend im Gleichklang: Währungstrends beeinflussen die Renditechancen – und umgekehrt, so die Experten von FERI.

"Der US- Dollar bleibt auf absehbare Zeit sicherlich Referenzwährung, er verliert aber an Strahlkraft", sagt Marcus Zasada, Managing Director Traditional Investments bei FERI. "Die erratische und stark national orientierte Politik der US-Regierung hat bereits 2025 Kapitalabflüsse und eine US-Dollarabwertung von über zehn Prozent gegenüber dem Euro ausgelöst – eine Bewegung, die sich auch im neuen Jahr strukturell fortsetzen dürfte, wenngleich mit geringerer Dynamik." Diese Abwertung werde Zasada zufolge in Zyklen und Schüben verlaufen: "Aktives Management ist entscheidend, um in den jeweiligen Phasen gut positioniert zu sein."

Daraus ergebe sich ein ambivalentes Bild für US-Staatsanleihen. Zwar könnte die konjunkturelle Abkühlung infolge der Importzölle das Renditeniveau dämpfen und temporär Kursgewinne ermöglichen. Die Risiken aber würden zunehmen: "Der massive Schuldenanstieg und die Sensitivität des Marktes gegenüber politischen Schocks belasten vor allem das lange Laufzeitende." In Kombination mit einem abwertenden US-Dollar entstehe für internationale Investoren ein doppeltes Risiko – Währungsverluste und mögliche Kursrückgänge. Das mache den US-Rentenmarkt 2026 zu einem relativ unattraktiven Markt, in dem aktive Durationsteuerung und Währungsabsicherung untrennbar zusammengehören würden.

Insgesamt bleiben Anleihen aus Sicht von FERI 2026 ein wichtiger Stabilitätsanker, doch ihr Puffer wird dünner. Die voraussichtlichen Zinssenkungen vieler Zentralbanken würden die Märkte stützen, während hohe und steigende Staatsverschuldung weltweit die Unsicherheit vergrößern würden. "Die Zinskurven werden steiler, weil kurze Laufzeiten von der geldpolitischen Lockerung profitieren, während lange Laufzeiten unter politischen und fiskalischen Risiken leiden", erläutere Zasada. "Euro-Anleihen mit einer kurzen bis mittleren Laufzeit bieten immerhin eine Rendite auf dem Niveau eines realen Kapitalerhalts, was für konservative Investoren zumindest eine Beimischung im Portfoliokontext erlaubt. Im längeren Laufzeitenbereich sehen wir vor allem Chancen für Staatsanleihen von Schwellenländern, da dort tendenziell ein Umfeld sinkender Zinsen zu erwarten ist."

Bei Unternehmensanleihen verweise Zasada darauf, dass sich die Spreads gegenüber Staatsanleihen bereits deutlich eingeengt hätten. Das bedeute ein Risiko bei einer Verschlechterung der konjunkturellen Lage, die jedoch nicht das Hauptszenario darstelle. "Vor allem im Investment-Grade-Bereich überzeugen nach wie vor solide Bilanzqualität und eine attraktive Basisverzinsung, was in einer aktiven Gewichtung resultieren sollte." (Ausgabe vom 15.12.2025) (16.12.2025/alc/a/a)