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Der Anstieg der Renditen mit langen Laufzeiten setzt sich weiter fort


26.02.18 12:40
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Anstieg der Renditen 10-jähriger Treasuries von 2% auf knapp 3% in sechs Monaten hat die Finanzmärkte in der ganzen Welt in Turbulenzen gestürzt, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die Rentenmärkte in der Eurozone hätten sich von diesem Schreck anstecken lassen; die Renditen der 10-jährigen Bunds seien in der gleichen Zeit von 0,3% auf 0,8% gestiegen. Der Anstieg hier werde gebremst durch die unverändert niedrigen EZB Geldmarktzinsen von rund 0%. Einmal mehr gebe die Wall Street den Ton an, alle anderen Märkte würden folgen. Eine Abkoppelung sei im Ausmaß möglich, aber nicht in der generellen Richtung.

Die FED wolle von der ultra-expansiven Ausrichtung ihrer Geldpolitik zurück zur "Normalität". Dabei orientiere sie sich unter anderem an der Entwicklung der Inflationsrate. Für diese habe sie sich ein Ziel von 2% gesetzt. In der letzten Woche sei ein Anstieg des CPI auf 2,1% und des PPI auf 2,7% im Januar veröffentlicht worden. Für die Märkte sei dies ein Zeichen, dass im März die Leitzinsen um 0,25% angehoben würden und im weiteren Jahresverlauf noch 2 bis 3 Schritte folgen würden.

Nun stelle sich die Frage, ob dieser Anstieg der Teuerung nur ein einmaliges Ereignis sei oder der Beginn eines länger anhaltenden Trends. Dies lasse sich noch nicht beantworten. Die Zukunftsindikatoren würden darauf hindeuten, dass weder Verharmlosung noch Übertreibung angemessen seien. Die den Konsumentenpreisen zeitlich vorauseilenden Indices, wie z.B. Rohstoffpreise, Produzentenpreise, Großhandelspreise usw. würden nicht für eine Entwarnung sprechen. Sie würden sich im Jahresverlauf bis zur Ebene der Konsumenten durcharbeiten. Auch die Teuerung tendiere deshalb in Richtung Normalisierung.

Die Inflationsgefahren würden in der aktuellen Konjunkturphase verstärkt durch die hohe Neuverschuldung des Staates. Die gigantischen Neuemissionen seien die eigentliche Ursache des Renditeanstiegs.

Dies lenke den Fokus auf die Angebots-/Nachfragerelation in den USA. Die Sparquote (personal savings rate) in Prozent des verfügbaren Einkommens sei im Dezember auf 2,4% gefallen. Das sei der niedrigste Stand seit 2007. In den nächsten Haushaltsjahren werde das Budgetdefizit der USA auf USD 1,5 Billionen steigen. Derzeit lägen die Leitzinsen bei 1,25% bis 1,50%. Die Annahme von 4% Soll-Zinsen in 2020/2021 werde immer wahrscheinlicher. Doch wer seien die Käufer dieser riesigen Menge von US Staatsanleihen in Höhe von mehr als USD 20 Billionen? Ausländer würden derzeit USD 6,3 Billionen halten. China mit USD 1,176 Billionen und Japan mit USD 1,084 Billionen seien die größten Gläubiger. Die Vereinigten Staaten seien damit sehr abhängig vom Vertrauen ihrer ausländischen Gläubiger und deren Überzeugung in die Stabilität der US Valuta. Doch dieses Vertrauen sei in den letzten zwölf Monaten hohen Belastungen ausgesetzt worden.

Die US-Notenbank wolle keine Käufe mehr vornehmen. Sie habe für die nächsten Jahren noch mehrere USD Billionen aus den vorangegangenen QE-Programmen in ihrer Bilanz, die sie allmählich in die Märkte abgeben wolle. In 2018 und in 2019 sei daher eine hohe Steigerung an Neuemissionen von Treasuries zu erwarten.

Folgerung: Den Zentralbanken falle es, wie erwartet, sehr schwer, zügigere Schritte in Richtung Normalisierung der Geldpolitik zu beschließen. Der Grad der Expansion sei nicht mehr kongruent mit der Konjunkturentwicklung. Die Notenbanken seien mit ihren Maßnahmen seit 2008 einfach über das Ziel hinausgeschossen. ZIRP und NIRP würden inzwischen mehr Nach- als Vorteile bringen. Als Folge von QE seien die Bilanzen der FED, EZB und BoJ seit 2008 um ca. USD 9 Billionen gestiegen. An den Finanzmärkten hätten sich dadurch Fehlentwicklungen gebildet. So niedrige Renditen habe es in den USA seit 1789 nicht mehr gegeben (Quelle: Alan Greenspan). Die Zinsen würden nicht mehr das wahre Risiko von Krediten spiegeln. Die explosionsartig gestiegenen Schulden auf weltweit USD 230 Billionen (Quelle: IIF) würden die Zentralbanken in eine Zwickmühle bringen. Die Märkte würden auf weitere Sicht höhere Renditen erzwingen. (26.02.2018/alc/a/a)