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Ausblick auf die Wahlen in Italien - und warum EZB-Zinsanhebung vor 2020 nicht erwartet wird
02.03.18 12:40
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die bevorstehenden Wahlen in Italien ziehen nicht dieselbe Aufmerksamkeit der Anleger auf sich wie die Abstimmungen in Frankreich und Deutschland im vergangenen Jahr. Aus genau diesem Grund geht David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, davon aus, dass ein unerwartetes Ergebnis eine übermäßige Marktreaktion auslösen könnte.
Und während sich Anleger mehr Gedanken über die weitere Entwicklung der Geldpolitik der Eurozone zu machen scheinen, meint Zahn, dass es gute Gründe dafür gebe, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) noch bis 2020 zurückhalten werde, bevor sie die Zinsen anhebt.
Aus den meisten Umfragen gehe hervor, dass es bei den bevorstehenden Parlamentswahlen in Italien, die für den 4. März angesetzt seien, keinen klaren Sieger geben werde. Für den wahrscheinlichsten Ausgang halten die Experten von Franklin Templeton eine Technokraten-Regierung oder eine große Koalition, wobei sie weder von der einen noch von der anderen drastische Auswirkungen auf die Anleihenmärkte erwarten.
Die Sache könnte jedoch anders aussehen, wenn eine Gruppe genug Sitze für die Bildung einer Regierung gewinnen würde, insbesondere wenn es sich bei dieser Gruppe um die Koalition der Mitte-rechts-Parteien handle, die in den Umfragen gut abschneiden würden.
Die letzten vor der Wahl veröffentlichten Meinungsumfragen würden nahe legen, dass die Koalition der Mitte-rechts-Parteien (zu der auch die von Silvio Berlusconi geführte Forza Italia gehöre) die meisten Sitze gewinnen könnte. Im Gegensatz zum traditionellen Mitte-rechts-Dogma fordere das Wahlprogramm der Koalition von Berlusconi mehr Ausgaben und einen größeren Haushalt.
Zurzeit sehe es eher unwahrscheinlich aus, dass sie genug Sitze für eine absolute Mehrheit gewinnen werde. Sollte es ihr aber doch gelingen, diese Hürde zu nehmen, könnte das Ergebnis negative Auswirkungen auf italienische Schuldtitel haben. Die Zentralbank des Landes würde wahrscheinlich mehr Staatsanleihen (BTP) emittieren, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem der größte Käufer, nämlich die EZB ihre Käufe von Staatsanleihen zurückfahre.
Bei breiterer Betrachtung haben wir bislang kaum Hinweise darauf erkennen können, dass sich der Einbruch bei weltweiten Aktien Anfang Februar auf die Rentenmärkte übertragen hätte, so die Experten von Franklin Templeton.
Auf dem europäischen Markt für Unternehmensanleihen sei eine moderate Volatilität (eher auf Indexebene) zu verzeichnen gewesen, und die Spreads hätten sich leicht ausgeweitet, was aber kein besonderer Grund zur Sorge sei.
Die Renditen europäischer Staatsanleihen sind in diesem Jahr höher und stiegen ein wenig schneller als die Experten von Franklin Templeton erwartet hatten. Sie seien davon ausgegangen, dass sie mit der Zeit steigen würden, aber wenngleich Europa ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichne, bleibe die Inflation recht verhalten. Doch man finde in den Daten Anzeichen für eine höhere Inflation.
Der Präsident der EZB Mario Draghi habe darauf hingewiesen, dass es das langfristige Ziel sei, die Inflation der Eurozone knapp unter 2% zu halten. Das lege nahe, dass sich die EZB gut damit abfinden könnte, wenn die Inflation kurzfristig über 2% steigen würde.
Daher vermuten die Experten von Franklin Templeton, dass der EZB-Rat es gern sähe, wenn die Inflation höher steigen würde, bevor er eine weniger lockere Geldpolitik in Erwägung zieht.
Zurzeit würden die Experten davon ausgehen, dass die quantitative Lockerung (QE) in der Eurozone bis ins nächste Jahr andauern werde und dass die EZB wahrscheinlich ihre erste Zinsanhebung für 2020 anvisiere.
Doch die Märkte würden beginnen bereits eine noch frühere Anhebung einzupreisen. Das hänge wahrscheinlich zum Teil damit zusammen, dass die Anleger schon seit einiger Zeit einen Anstieg der Renditen erwarten würden. Verständlicherweise möchten die Leute sicherstellen, dass sie nichts verpassen würden, aber die Experten würden glauben, dass der Markt ein wenig mitgerissen werde.
Insgesamt glauben die Experten von Franklin Templeton, dass die zugrunde liegenden Fundamentaldaten sowohl für Investment-Grade- als auch für High-Yield-Unternehmensanleihen in Europa weiterhin gut sind.
Europäische Unternehmen scheinen allgemein gute Bilanzen zu haben, und die Kreditzinsen sind niedrig, so die Experten von Franklin Templeton. Gleichzeitig komme in Europa wieder ein wenig Inflation auf, sodass Unternehmen in der Lage seien, Preiserhöhungen an Verbraucher weiterzugeben. All das würden die Experten für positive Bedingungen für Unternehmensanleihen in der Region halten.
Allerding erscheinen den Experten von Franklin Templeton einige Bewertungen auf der Kreditseite allmählich etwas überzogen. Die Ausweitung der Spreads bei Unternehmensanleihen spiegele möglicherweise eine Normalisierung wider, um ein wenig von dem Risiko auszugleichen, das Anleger eingehen.
Wenngleich man einräume, dass der Anstieg der Volatilität am Aktienmarkt zu den angespannten Bewertungen von Unternehmensanleihen beigetragen haben möge, scheine aber auch die Ungewissheit über den Kurs der Gelpolitik der EZB eine Rolle zu spielen. Vor allem würden Anleger Ausschau nach Hinweisen auf den Zeitplan und den Umfang der Drosselung der quantitativen Lockerung (QE) der EZB halten.
Das derzeitige QE-Programm solle im September dieses Jahres auslaufen, und die Experten würden es für unwahrscheinlich halten, dass die EZB es dann abrupt beenden werde. Die Experten würden also eher von einer Verlängerung ausgehen, möglicherweise begleitet von einer weiteren Drosselung. Vor diesem Hintergrund nähmen sie an, dass die EZB frühestens im Sommer eine Aussage zu ihren Drosselungsplänen machen werde.
Draghi habe darauf hingewiesen, dass jegliche Entscheidung über die Zukunft der quantitativen Lockerung von Daten abhängig gemacht werde. Durch das Abwarten bis zum Sommer hätten die Entscheidungsträger der Zentralbank mehr Daten, die sie berücksichtigen könnten. Währenddessen legt die Analyse der Experten von Franklin Templeton nahe, dass auch andere Überlegungen Einfluss auf den Zeitplan für Zinsanhebungen haben könnten.
Die EZB habe zuvor darauf hingewiesen, dass sie die Zinsen nicht unmittelbar nach der Beendigung des Anleihenkaufprogramms anheben würde. Gehe man davon aus, dass die EZB dieses Programm bis Anfang 2019 verlängere, käme man mit einem Aufschub von sechs bis neun Monaten dem Ende der Amtszeit von Mario Draghi als Präsident schon sehr nahe.
Die Experten von Franklin Templeton halten es für wahrscheinlich, dass die EZB eine Zinserhöhung bis zum Amtsantritt eines neuen EZB-Präsidenten hinauszögern wird, was in der Praxis bedeuten würde, dass es erst Anfang 2020 zu einer ersten Anhebung käme.
Die Experten von Franklin Templeton haben die Kaufgewohnheiten der EZB seit der Kürzung ihres Anleihenkaufprogramms von 60 Milliarden EUR pro Monat auf 30 Milliarden Euro pro Monat im Januar 2017 beobachtet. Obwohl sich die monatlichen Käufe insgesamt halbiert hätten, sei der Betrag von gekauften Nicht-Staatspapieren, darunter gedeckte Schuldverschreibungen und Unternehmensanleihen, nur leicht von 10 Milliarden Euro pro Monat auf 8 bis 9 Milliarden Euro pro Monat gesunken.
Der größte Anteil der Reduzierung der Käufe sei also auf Staatsanleihen entfallen. Wenn die quantitative Lockerung bis 2019 andauere, wovon man ausgehe, dürfte sie sich weiterhin auf private Vermögenswerte konzentrieren.
Wir nehmen an, dass die niedrige Volatilität an den europäischen Rentenmärkten, die wir in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten erlebt haben, hinter uns liegt, so die Experten von Franklin Templeton. Wenngleich wir nicht glauben, dass eine Phase hoher Volatilität auf uns zukommt, meinen wir, dass Anleger akzeptieren sollten, dass es wahrscheinlich immer wieder kurze Schübe geben wird, so die Experten von Franklin Templeton. Wir betrachten Volatilität als eine Chance, um zu investieren, wenn wir eine Ausweitung von Spreads bei Titeln beobachten, die wir für solide halten, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe vom 01.03.2018) (02.03.2018/alc/a/a)
Und während sich Anleger mehr Gedanken über die weitere Entwicklung der Geldpolitik der Eurozone zu machen scheinen, meint Zahn, dass es gute Gründe dafür gebe, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) noch bis 2020 zurückhalten werde, bevor sie die Zinsen anhebt.
Aus den meisten Umfragen gehe hervor, dass es bei den bevorstehenden Parlamentswahlen in Italien, die für den 4. März angesetzt seien, keinen klaren Sieger geben werde. Für den wahrscheinlichsten Ausgang halten die Experten von Franklin Templeton eine Technokraten-Regierung oder eine große Koalition, wobei sie weder von der einen noch von der anderen drastische Auswirkungen auf die Anleihenmärkte erwarten.
Die Sache könnte jedoch anders aussehen, wenn eine Gruppe genug Sitze für die Bildung einer Regierung gewinnen würde, insbesondere wenn es sich bei dieser Gruppe um die Koalition der Mitte-rechts-Parteien handle, die in den Umfragen gut abschneiden würden.
Die letzten vor der Wahl veröffentlichten Meinungsumfragen würden nahe legen, dass die Koalition der Mitte-rechts-Parteien (zu der auch die von Silvio Berlusconi geführte Forza Italia gehöre) die meisten Sitze gewinnen könnte. Im Gegensatz zum traditionellen Mitte-rechts-Dogma fordere das Wahlprogramm der Koalition von Berlusconi mehr Ausgaben und einen größeren Haushalt.
Zurzeit sehe es eher unwahrscheinlich aus, dass sie genug Sitze für eine absolute Mehrheit gewinnen werde. Sollte es ihr aber doch gelingen, diese Hürde zu nehmen, könnte das Ergebnis negative Auswirkungen auf italienische Schuldtitel haben. Die Zentralbank des Landes würde wahrscheinlich mehr Staatsanleihen (BTP) emittieren, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem der größte Käufer, nämlich die EZB ihre Käufe von Staatsanleihen zurückfahre.
Bei breiterer Betrachtung haben wir bislang kaum Hinweise darauf erkennen können, dass sich der Einbruch bei weltweiten Aktien Anfang Februar auf die Rentenmärkte übertragen hätte, so die Experten von Franklin Templeton.
Auf dem europäischen Markt für Unternehmensanleihen sei eine moderate Volatilität (eher auf Indexebene) zu verzeichnen gewesen, und die Spreads hätten sich leicht ausgeweitet, was aber kein besonderer Grund zur Sorge sei.
Die Renditen europäischer Staatsanleihen sind in diesem Jahr höher und stiegen ein wenig schneller als die Experten von Franklin Templeton erwartet hatten. Sie seien davon ausgegangen, dass sie mit der Zeit steigen würden, aber wenngleich Europa ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichne, bleibe die Inflation recht verhalten. Doch man finde in den Daten Anzeichen für eine höhere Inflation.
Der Präsident der EZB Mario Draghi habe darauf hingewiesen, dass es das langfristige Ziel sei, die Inflation der Eurozone knapp unter 2% zu halten. Das lege nahe, dass sich die EZB gut damit abfinden könnte, wenn die Inflation kurzfristig über 2% steigen würde.
Daher vermuten die Experten von Franklin Templeton, dass der EZB-Rat es gern sähe, wenn die Inflation höher steigen würde, bevor er eine weniger lockere Geldpolitik in Erwägung zieht.
Doch die Märkte würden beginnen bereits eine noch frühere Anhebung einzupreisen. Das hänge wahrscheinlich zum Teil damit zusammen, dass die Anleger schon seit einiger Zeit einen Anstieg der Renditen erwarten würden. Verständlicherweise möchten die Leute sicherstellen, dass sie nichts verpassen würden, aber die Experten würden glauben, dass der Markt ein wenig mitgerissen werde.
Insgesamt glauben die Experten von Franklin Templeton, dass die zugrunde liegenden Fundamentaldaten sowohl für Investment-Grade- als auch für High-Yield-Unternehmensanleihen in Europa weiterhin gut sind.
Europäische Unternehmen scheinen allgemein gute Bilanzen zu haben, und die Kreditzinsen sind niedrig, so die Experten von Franklin Templeton. Gleichzeitig komme in Europa wieder ein wenig Inflation auf, sodass Unternehmen in der Lage seien, Preiserhöhungen an Verbraucher weiterzugeben. All das würden die Experten für positive Bedingungen für Unternehmensanleihen in der Region halten.
Allerding erscheinen den Experten von Franklin Templeton einige Bewertungen auf der Kreditseite allmählich etwas überzogen. Die Ausweitung der Spreads bei Unternehmensanleihen spiegele möglicherweise eine Normalisierung wider, um ein wenig von dem Risiko auszugleichen, das Anleger eingehen.
Wenngleich man einräume, dass der Anstieg der Volatilität am Aktienmarkt zu den angespannten Bewertungen von Unternehmensanleihen beigetragen haben möge, scheine aber auch die Ungewissheit über den Kurs der Gelpolitik der EZB eine Rolle zu spielen. Vor allem würden Anleger Ausschau nach Hinweisen auf den Zeitplan und den Umfang der Drosselung der quantitativen Lockerung (QE) der EZB halten.
Das derzeitige QE-Programm solle im September dieses Jahres auslaufen, und die Experten würden es für unwahrscheinlich halten, dass die EZB es dann abrupt beenden werde. Die Experten würden also eher von einer Verlängerung ausgehen, möglicherweise begleitet von einer weiteren Drosselung. Vor diesem Hintergrund nähmen sie an, dass die EZB frühestens im Sommer eine Aussage zu ihren Drosselungsplänen machen werde.
Draghi habe darauf hingewiesen, dass jegliche Entscheidung über die Zukunft der quantitativen Lockerung von Daten abhängig gemacht werde. Durch das Abwarten bis zum Sommer hätten die Entscheidungsträger der Zentralbank mehr Daten, die sie berücksichtigen könnten. Währenddessen legt die Analyse der Experten von Franklin Templeton nahe, dass auch andere Überlegungen Einfluss auf den Zeitplan für Zinsanhebungen haben könnten.
Die EZB habe zuvor darauf hingewiesen, dass sie die Zinsen nicht unmittelbar nach der Beendigung des Anleihenkaufprogramms anheben würde. Gehe man davon aus, dass die EZB dieses Programm bis Anfang 2019 verlängere, käme man mit einem Aufschub von sechs bis neun Monaten dem Ende der Amtszeit von Mario Draghi als Präsident schon sehr nahe.
Die Experten von Franklin Templeton halten es für wahrscheinlich, dass die EZB eine Zinserhöhung bis zum Amtsantritt eines neuen EZB-Präsidenten hinauszögern wird, was in der Praxis bedeuten würde, dass es erst Anfang 2020 zu einer ersten Anhebung käme.
Die Experten von Franklin Templeton haben die Kaufgewohnheiten der EZB seit der Kürzung ihres Anleihenkaufprogramms von 60 Milliarden EUR pro Monat auf 30 Milliarden Euro pro Monat im Januar 2017 beobachtet. Obwohl sich die monatlichen Käufe insgesamt halbiert hätten, sei der Betrag von gekauften Nicht-Staatspapieren, darunter gedeckte Schuldverschreibungen und Unternehmensanleihen, nur leicht von 10 Milliarden Euro pro Monat auf 8 bis 9 Milliarden Euro pro Monat gesunken.
Der größte Anteil der Reduzierung der Käufe sei also auf Staatsanleihen entfallen. Wenn die quantitative Lockerung bis 2019 andauere, wovon man ausgehe, dürfte sie sich weiterhin auf private Vermögenswerte konzentrieren.
Wir nehmen an, dass die niedrige Volatilität an den europäischen Rentenmärkten, die wir in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten erlebt haben, hinter uns liegt, so die Experten von Franklin Templeton. Wenngleich wir nicht glauben, dass eine Phase hoher Volatilität auf uns zukommt, meinen wir, dass Anleger akzeptieren sollten, dass es wahrscheinlich immer wieder kurze Schübe geben wird, so die Experten von Franklin Templeton. Wir betrachten Volatilität als eine Chance, um zu investieren, wenn wir eine Ausweitung von Spreads bei Titeln beobachten, die wir für solide halten, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe vom 01.03.2018) (02.03.2018/alc/a/a)


