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Ausblick für Schwellenländeranleihen in 2020: Weniger bekannte Unbekannte


17.12.19 12:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - "Das Wachstum der Weltwirtschaft kühlt sich ab, aber die Schwellenmärkte bleiben das größte und am schnellsten wachsende Segment. Das Schwellenländeruniversum sieht für 2020 stabiler aus und bietet aus unserer Sicht eine große Vielfalt an Risiko-Rendite-Chancen. Ereignisse in Industrieländern könnten 2020 das größte Risiko darstellen: Die Gespräche zwischen den USA und China gehen weiter und die Präsidentschaftswahlen in den USA werfen ihre Schatten voraus", so William Ledward, Senior Vice President, Portfolio Manager von Franklin Templeton Fixed Income Group.

Die Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das weltweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 habe Ende 2018 noch bei 3,7% gelegen und sei Ende 2019 auf 3,4% nach unten korrigiert worden. Allerdings entfalle der größte Teil der Verlangsamung auf die Industrieländer. Somit würden die Schwellenländer einen immer größeren Anteil der Weltwirtschaft auf sich vereinen.

Der IWF nenne den zögerlichen Handel als wichtigen Grund für die Abkühlung. Die Experten von Franklin Templeton würden 2020 keine umfassende Lösung für die Unausgewogenheiten im Handel zwischen den USA und China erwarten, aber sicherlich würden gewisse Fortschritte erreicht. Es könnten sich jedoch weitere Gräben auftun, etwa zwischen den USA und Europa. Je mehr der Handel bei den Industrieländern in Stocken gerate, desto wichtiger dürften die Verbindungen zwischen Schwellenländern werden.

Wahlen hätten 2018 für Störungen gesorgt, während sie 2019 eher konstruktive Ergebnisse hervorgebracht hätten, beispielsweise in der Ukraine, in Indonesien und Indien. Für 2020 seien wenige Wahlen geplant, was für eine gewisse politische Stabilität sorgen dürfte. In manchen Ländern könnte es vorgezogene Neuwahlen geben, etwa im Libanon oder Irak.

Mit Stand von Ende 2019 habe Afrika mit die höchsten Renditen bei Staatsanleihen und die größten Renditespreads geboten. Und Angola gehöre zu einer Reihe afrikanischer Länder, die sich auf dem Weg zu Reformen befänden. Die sambianische Regierung arbeite mit Blick auf die Wahlen 2021 gemeinsam mit dem IWF an einem Ausbau der Währungsreserven. Die ghanaische Regierungsbilanz zeige bislang eine überdurchschnittlich gute Finanzdisziplin, während das Land auf die Parlamentswahlen im Dezember 2020 zusteuere. In Mosambik habe die Wiederwahl des Präsidenten Filipe Nyusi den Weg für eine lange erwartete Umschuldung geebnet. Dies solle der mosambikanischen Offshore-Gasgewinnung, die in den nächsten zehn Jahren einen grundlegenden Wandel hervorrufen dürfte, Starthilfe geben.

Der jüngste Haushalt von Südafrika hingegen sei nicht gerade gelungen und eine Lösung für die staatlich garantierten Schulden des nationalen Stromversorgers sei gescheitert (erneut). Die hohen Kosten für die Ölproduktion in Nigeria und das ungenügende nicht auf Öl basierende Wachstum hindern das Land gemäß unserer Analyse daran, sein Potenzial zu verwirklichen, so die Experten von Franklin Templeton. Außerdem belaste der an den US-Dollar gekoppelte Wechselkurs des Äthiopischen Birr das Wirtschaftswachstum.

Einige der wertvollsten Anleihen würden aus asiatischen Schwellenländern stammen, aber die Renditespreads gegenüber Industrieländern seien klein. Die Aufnahme von China in die wichtigsten Indices für Lokalwährungsanleihen werde ein wichtiges Ereignis darstellen. Sie werde im Februar 2020 beginnen, aber wahrscheinlich werde die Beteiligung der internationalen Anleger anfangs schwach sein.

In manchen anderen asiatischen Märkten sei Kontinuität entscheidend: 2019 sei der indische Premierminister Narendra Modi wiedergewählt worden. Es sei zu hoffen, dass sein Liberalisierungsansatz dem stotternden Wachstum des Landes neuen Anschub geben könne. Auch in Indonesien würden unerledigte Aufgaben auf den wiedergewählten Präsidenten Joko Widodo warten. Größte Dringlichkeit hätten der Ausbau der Infrastruktur, die Finanzdisziplin und höhere Sozialausgaben.

In Lateinamerika dürften die Schlagzeilen Anfang 2020 von der argentinischen Umschuldung beherrscht werden. Der designierte Präsident Alberto Fernández werde bei den Neuverhandlungen über die ausstehenden Staatsanleihen möglicherweise neue Wege beschreiten. Er könnte nämlich zunächst versuchen, die von privaten Anlegern gehaltenen Anleihen umzustrukturieren, bevor er beim IWF ähnliche Bedingungen beantrage. Üblich sei die umgekehrte Reihenfolge.

Die Krise in Venezuela werde sich wahrscheinlich fortsetzen, solange Präsident Nicolás Maduro an der Macht bleibe. Doch nachdem die US-Politik 2019 mit Sanktionen gescheitert sei, könnte sie 2020 einen anderen Weg einschlagen. Brasilien fahre derweil mit einer verwässerten Version der Rentenreform des Präsidenten Jair Bolsonaro fort, die ausreiche, um eine unmittelbare Krise zu verhindern, aber laut der Analyse der Experten von Franklin Templeton nicht geeignet sei, den brasilianischen Staatshaushalt langfristig auf eine stabile Grundlage zu stellen.

Im Jahr 2020 könnten Ereignisse in Industrieländern für eine mögliche Volatilität der Schwellenländer entscheidend sein. Bei den US-Staatsanleihen seien vor den Präsidentschaftswahlen Turbulenzen zu erwarten und die Finanzmärkte hätten ihre Anfälligkeit gegenüber den Handelsgesprächen zwischen den USA und China bereits unter Beweis gestellt. Außerdem könnte in Europa die Abkühlung bei traditionellen Wachstumsmotoren wie dem deutschen Verarbeitenden Gewerbe einen Dominoeffekt auf die europäischen Schwellenländer entfalten.

In den meisten Schwellenmärkten sei nach Ansicht der Experten von Franklin Templeton klarer, wohin die Reise gehe. Daher würden sich die Experten von Franklin Templeton 2020 darauf konzentrieren, die von ihnen verwalteten Portfolios von der Volatilität der Schwellenmärkte abzuschirmen, während sie die höheren Renditen und vielfältigen Chancen der Schwellenmärkte nutzen würden. (Ausgabe Dezember 2019) (17.12.2019/alc/a/a)