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Die Aussichten für EUR High Yield Bonds
01.07.13 15:43
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Verzug ist das Versäumnis des Schuldners, Kapital- und Zinszahlungen rechtzeitig zu erbringen, so die Experten von ING Investment Management.
Aus Sicht der Ratingagenturen liege ein Verzug vor, wenn eine Kapital- oder Zinszahlung gar nicht oder verzögert erfolge sowie bei Insolvenz, Zwangsverwaltung oder Nottausch (Umschuldung im Wege eines Austauschs von Verbindlichkeiten aufgrund finanzieller Engpässe, Distressed Exchanges).
Die HY-Ausfallrate messe den Anteil von Unternehmen mit der Bonitätseinstufung "junk", die über die letzten zwölf Monate ihre Zins- und Tilgungsverpflichtungen nicht termingerecht hätten erfüllen können. Die Ausfallraten würden sich im Gleichlauf mit dem Konjunkturzyklus entwickeln: In einer Rezession würden sie steigen, während sie in Boomzeiten fallen würden.
Historisch liege die HY-Ausfallrate über einen Zwölfmonatszeitraum bei durchschnittlich 3 bis 4% mit einer Einbringungsquote (Recovery Rate) von 30%. Nach einem Anstieg auf 9% in 2009 sei die Ausfallrate im Zuge der wirtschaftlichen Erholung rasch unter ihren Langzeitdurchschnitt gesunken. Nach Berechnungen von Moody's Investors Services im April 2013 habe die Ausfallrate bei Speculative-Grade-Unternehmen im Zwölfmonatszeitraum bis Q1/2013 bei 2,4% und damit niedriger als Ende 2012 (2,8%) gelegen. In Europa sei die Ausfallrate von 2,0% im Vorquartal weiter auf 1,8% in Q1/2013 gerutscht. Noch vor einem Jahr habe diese Rate bei 3,3% gelegen. Auf Basis seines Prognosemodells rechne Moody's jetzt damit, dass die Speculative-Grade-Ausfallrate bis Ende 2013 weltweit wieder auf 2,8% steigen werde.
Die niedrige Ausfallrate erkläre sich zunächst durch das aktuelle Konjunkturumfeld: Eine moderate weltweite Erholung mit kräftigen Unternehmensgewinnen und Cashflows sei für High-Yield-Unternehmen günstig.
Neben dem leicht positiven makroökonomischen Ausblick werde die Ausfallrate bei HY-Anleihen voraussichtlich auch deshalb niedrig bleiben, weil viele Unternehmen die hohe Nachfrage nach Hochverzinslichen im vergangenen Jahr zum Anlass genommen hätten, um Neuemissionen in Rekordhöhe aufzulegen. Rund 50 bis 60% der Neuemissionstätigkeit seien dabei auf die Rückzahlung fälliger Verbindlichkeiten entfallen. Im Ergebnis würden in den nächsten zwei Jahren kaum Hochzinsanleihen fällig. Auch dies spreche dafür, dass die Ausfallraten über die nächsten zwei Jahre niedrig bleiben würden.
Neben dem Ausfallrisiko seien hochverzinsliche Unternehmensanleihen auch dem Risiko von Kreditereignissen ausgesetzt. Dabei handle es sich um plötzliche und konkrete (negative) Veränderungen der Bonität eines Schuldners. Kreditereignisse würden die Fähigkeit eines Schuldners, seine Verbindlichkeiten zurückzuzahlen, in Frage stellen. Kreditereignisse könnten sich unter Umständen weitaus gravierender auf die Anleihekurse auswirken als ein Verzug.
Die Ratingagenturen hätten ihre Unternehmensbewertungen wegen der geringeren Ausfallwahrscheinlichkeit in diesem Jahr nach oben angepasst. Das gelte allerdings vor allem für US-Unternehmen und weniger für Firmen aus der EU.
Der Zusammenhang zwischen Spreads und Ausfällen deute auf eine Korrelation zwischen der Performance von HY-Anleihen und dem Konjunkturzyklus hin.
Bei tieferen und längeren Konjunkturabschwüngen würden Unternehmensgewinne und Aktiendividenden aller Wahrscheinlichkeit nach enttäuschen. Ausfälle und Herabstufungen würden zunehmen. Unternehmensanleihen, darunter auch HY, und Aktien würden fallen.
Mit sinkenden Gewinnen und dem Risiko weiterer Herabstufungen würden Unternehmen zunehmend konservativer und sich auf die Sanierung ihrer Bilanzen sowie den Abbau ihrer Schulden konzentrieren. Im Ergebnis würden sich die Kreditrahmendaten bessern. Tendenziell würden Anleihen für Investoren attraktiver als Aktien, während Gewinne und Dividenden weiter sinken würden. In dieser Phase der Bilanzsanierung würden Anleihen besser abschneiden als Aktien.
Sobald der Aufschwung einsetze, würden auch wieder Gewinne und Bonitätsbewertungen steigen. Davon würden beide Anlageformen profitieren.
ING IM schätze die Perspektiven in Euro denominierter Hochzinsanleihen positiv ein, da diese Assetklasse im Vergleich zu anderen festverzinslichen Anlageformen ein günstigeres Risiko-Ertrags-Profil aufweise.
Europäische Hochzinsanleihen würden derzeit eine Verzinsung von nahezu 5% bieten und seien damit gegenüber anderen festverzinslichen Anlagen sowie Aktien vergleichsweise attraktiv.
Das gegenwärtige konjunkturelle Umfeld lasse sich als moderater Aufschwung mit geringer Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften beschreiben. Mit 2 bis 3% seien die globalen Wachstumsraten für Unternehmensanleihen weiterhin günstig (mit nur geringem Fehlerspielraum). Europa möge von einer anhaltenden Rezession geplagt werden, doch die meisten europäischen Unternehmen seien zu einem Großteil ohnehin außerhalb der EU tätig.
ING IM gehe davon aus, dass die Kurzfristzinsen so lange auf niedrigem Niveau verharren würden, bis sich der Privatsektor wiederbelebe, die Arbeitslosenzahlen fallen würden und die Inflationsentwicklung anziehe. Günstig für die Fundamentaldaten sei auch die Tatsache, dass Cashflows zum Schuldenabbau eingesetzt würden. Doch mit der Aussicht auf eine weitere Entschuldung durch Aktienemissionen bewege sich die Ausfallrate derzeit auf sehr niedrigem Stand und werde wohl auch im kommenden Jahr auf diesem Niveau bleiben. Eine weitere Spread-Einengung sei somit wahrscheinlich.
Auch 2013 solle die lebhafte Emissionstätigkeit im HY-Segment anhalten; die Anlegernachfrage dürfte diesen Trend begünstigen.
Andererseits werde das Aufwärtspotenzial durch Emissionsauflagen gedeckelt, die für viele HY Bonds gelten würden. Das seien beispielsweise traditionell Auflagen, wonach die Anleihe vom Emittenten nach der Hälfte der Laufzeit zu 100% plus 50% des Anleihezinssatzes kündbar sei. Zur Verdeutlichung: Eine Hochzinsanleihe werde für eine Laufzeit von acht Jahren zum Nennwert mit einem Kupon von 8% aufgelegt. Nach vier Jahren könne die Anleihe zu 104%, nach fünf Jahren zu 103% und bei Ende der Laufzeit zu 100% zurückgezahlt werden. Durch diese Option werde der Anleihekurs gedeckelt, da die Anleihe nach vier bzw. fünf Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu 104 bzw. 105% notieren werde.
Angesichts der guten Fundamentaldaten bei gleichzeitig begrenztem Aufwärtspotenzial erscheine eine Rendite von aktuell 5,0% abzüglich einer Ausfallrate von 2,0% (mit einer Recovery-Rate von 30%) bei einer marginalen Spread-Verringerung realistisch (Renditeprognose auf Jahressicht). Damit betrüge die voraussichtliche Rendite bei dieser Anlageform 5%, die durch zusätzliches Alpha in einem Bottom-up-Auswahlprozess ausbaufähig sei.
Nach unserem Dafürhalten ist die prognostizierte Rendite von 5,2% auf EUR HY eine attraktive Vergütung für das höhere Risiko und die höhere Volatilität, so die Experten von ING Investment Management. Während diese Assetklasse 2009 außergewöhnliche 63% abgeworfen habe, sei es im Krisenjahr 2008 ein Minus von 32% gewesen. Im Zeitraum 2001 bis 2012 habe die jährliche Rendite des Merrill Lynch European HY Index 9,6% mit einer Standardabweichung von 24% betragen.
Die mit dieser Anlageform verbundenen Risiken würden sich weitgehend auf einen deutlichen Anstieg der Staatsanleiherenditen und der Ausfallrate beschränken.
Das mit einem weltweiten Anstieg der Zinsen verbundene Risiko sei theoretisch eher begrenzt, da HY-Anleihen eine nur geringe Zinssensitivität aufweisen würden. Das bedeute, dass Hochzinsanleihen durch die voraussichtliche Spread-Einengung besser gewappnet seien, falls es zu einem unerwarteten Anstieg der Staatsanleiherenditen kommen sollte. Außerdem sei die Duration hochverzinslicher Anleihen mit rund 3,7 Jahren kürzer als die herkömmlicher Staatsanleihen (ca. 6,3 Jahre). Auch dadurch würden HY Bonds weniger sensibel auf Zinsveränderungen reagieren.
Ein zunehmendes Ausfallrisiko würde sich erst dann bemerkbar machen, falls die Weltwirtschaft in eine Double-Dip-Rezession rutschen sollte und die Eurozone sich bis 2014 nicht aus der gegenwärtigen Flaute befreien könne.
Eine weitere Risikoquelle könnte sich ergeben, falls es im Zuge von Leveraged Buyouts - wie bereits 2006 - zu einem Überangebot von hochverzinslichen Anleihen komme. Die jüngsten Zahlen würden indes darauf hindeuten, dass die Emissionstätigkeit im Zusammenhang mit LBO weniger als 10% der Emissionen insgesamt ausmache. In 2006 habe sich der Anteil auf 40% belaufen.
Last but not least würden in Euro denominierte Hochzinsanleihen immer noch als risikoreiche Anlageform gelten. Wenn in Krisenzeiten die Risikoaversion steige, sinke tendenziell das Anlegerinteresse an risikoreicheren Assets. Trotz der guten Renditen in 2012 hätten Euro-Hochzinsanleihen im Mai 2,5% eingebüßt, als die Sorge um das Schicksal der Eurozone gewachsen sei. Ein erneuter Anstieg der Risikoscheu könnte Hochzinsanleihen indirekt belasten.
Zwar bieten Hochzinsanleihen attraktive Renditen, die für das Ausfallrisiko entschädigen, doch sind sie auch anderen Risiken wie etwa Rating-Herabstufung und Liquiditätsengpässen ausgesetzt, so die Experten von ING Investment Management. Daher sollten Investoren nicht auf einen einzigen Titel setzen, sondern sich möglichst im Rahmen eines gut diversifizierten Portfolios in diesem Segment engagieren und einen langfristigen Investment-Horizont verfolgen.
Staatsanleihen bzw. nachrangige Schuldverschreibungen / Hybridanleihen im Non-Investment-Grade-Bereich seien derzeit von zusätzlichen Risikosorgen betroffen. In der EU diskutiere man bereits, ob es hier im Fall einer Rettung zu einem Schuldenschnitt komme. Das liege im Wesentlichen in den Händen der Politiker. Viele Investoren würden sich daher von diesen Anleihen fernhalten.
Hochverzinsliche Anleihen würden zwar seit jeher als festverzinsliche Werte gelten, doch würden sie in vielerlei Hinsicht eher Aktien als herkömmlichen Anleihen ähneln. Gleichwohl könnten High-Yield-Bonds das Risiko-Ertrags-Profil durch Diversifizierung optimieren, indem man eine niedrig korrelierte Assetklasse ins Portfolio nehme.
Die Jagd nach Rendite sei das neue Paradigma der Finanzmärkte. ING IMs Multi-Asset Team (IIM MA) sei überzeugt, dass in Euro denominierte HY-Anleihen immer noch eine attraktive Vergütung für das Kreditrisiko bieten würden. Wenn auch die Renditen insgesamt niedrig seien, so würden sich die HY-Spreads weiterhin auf auskömmlichem Niveau bewegen. Ganz allgemein ziehe ING IM derzeit Spread-Produkte - wie EUR HY Bonds - Staatsanleihen vor, denn die Credit-Spreads würden noch Spielraum für eine weitere Verengung bieten, falls die Zinsen steigen sollten.
Um die vielfältigen Risiken zu steuern, sei eine umfassende Streuung über verschiedene HY-Emissionen erforderlich. In diesen Prozess sollte man nicht nur eine hohe Anzahl von Emissionen einbeziehen. Vielmehr empfehle sich auch die Wahl von Bonds unterschiedlicher Ratingstufen, Laufzeiten und Sektoren. Privatanleger würden dieses Ziel am besten im Wege eines aktiv verwalteten Fonds erreichen.
Im Vergleich zu passiven Strategien biete ein aktiv verwalteter EUR-HY-Fonds eine praktische Möglichkeit zur Minimierung der Transaktionskosten. Da im EUR HY Index etwa 433 Emissionen vertreten seien, seien einige davon unter Umständen nur auf dem Sekundärmarkt erhältlich, wo die Liquidität gering, Spreads und Gebühren aber hoch seien. Ein aktiv verwalteter HY-Fonds könne sich auf weniger Emissionen konzentrieren und die Transaktionskosten somit gering halten. In INGs Fonds seien nur 40 bis 60 Emittenten vertreten.
Anleger sollten vor jeder Investitionsentscheidung ausführliche Informationen zu den betreffenden Fonds einholen. (01.07.2013/alc/a/a)
Aus Sicht der Ratingagenturen liege ein Verzug vor, wenn eine Kapital- oder Zinszahlung gar nicht oder verzögert erfolge sowie bei Insolvenz, Zwangsverwaltung oder Nottausch (Umschuldung im Wege eines Austauschs von Verbindlichkeiten aufgrund finanzieller Engpässe, Distressed Exchanges).
Die HY-Ausfallrate messe den Anteil von Unternehmen mit der Bonitätseinstufung "junk", die über die letzten zwölf Monate ihre Zins- und Tilgungsverpflichtungen nicht termingerecht hätten erfüllen können. Die Ausfallraten würden sich im Gleichlauf mit dem Konjunkturzyklus entwickeln: In einer Rezession würden sie steigen, während sie in Boomzeiten fallen würden.
Historisch liege die HY-Ausfallrate über einen Zwölfmonatszeitraum bei durchschnittlich 3 bis 4% mit einer Einbringungsquote (Recovery Rate) von 30%. Nach einem Anstieg auf 9% in 2009 sei die Ausfallrate im Zuge der wirtschaftlichen Erholung rasch unter ihren Langzeitdurchschnitt gesunken. Nach Berechnungen von Moody's Investors Services im April 2013 habe die Ausfallrate bei Speculative-Grade-Unternehmen im Zwölfmonatszeitraum bis Q1/2013 bei 2,4% und damit niedriger als Ende 2012 (2,8%) gelegen. In Europa sei die Ausfallrate von 2,0% im Vorquartal weiter auf 1,8% in Q1/2013 gerutscht. Noch vor einem Jahr habe diese Rate bei 3,3% gelegen. Auf Basis seines Prognosemodells rechne Moody's jetzt damit, dass die Speculative-Grade-Ausfallrate bis Ende 2013 weltweit wieder auf 2,8% steigen werde.
Die niedrige Ausfallrate erkläre sich zunächst durch das aktuelle Konjunkturumfeld: Eine moderate weltweite Erholung mit kräftigen Unternehmensgewinnen und Cashflows sei für High-Yield-Unternehmen günstig.
Neben dem leicht positiven makroökonomischen Ausblick werde die Ausfallrate bei HY-Anleihen voraussichtlich auch deshalb niedrig bleiben, weil viele Unternehmen die hohe Nachfrage nach Hochverzinslichen im vergangenen Jahr zum Anlass genommen hätten, um Neuemissionen in Rekordhöhe aufzulegen. Rund 50 bis 60% der Neuemissionstätigkeit seien dabei auf die Rückzahlung fälliger Verbindlichkeiten entfallen. Im Ergebnis würden in den nächsten zwei Jahren kaum Hochzinsanleihen fällig. Auch dies spreche dafür, dass die Ausfallraten über die nächsten zwei Jahre niedrig bleiben würden.
Neben dem Ausfallrisiko seien hochverzinsliche Unternehmensanleihen auch dem Risiko von Kreditereignissen ausgesetzt. Dabei handle es sich um plötzliche und konkrete (negative) Veränderungen der Bonität eines Schuldners. Kreditereignisse würden die Fähigkeit eines Schuldners, seine Verbindlichkeiten zurückzuzahlen, in Frage stellen. Kreditereignisse könnten sich unter Umständen weitaus gravierender auf die Anleihekurse auswirken als ein Verzug.
Die Ratingagenturen hätten ihre Unternehmensbewertungen wegen der geringeren Ausfallwahrscheinlichkeit in diesem Jahr nach oben angepasst. Das gelte allerdings vor allem für US-Unternehmen und weniger für Firmen aus der EU.
Der Zusammenhang zwischen Spreads und Ausfällen deute auf eine Korrelation zwischen der Performance von HY-Anleihen und dem Konjunkturzyklus hin.
Bei tieferen und längeren Konjunkturabschwüngen würden Unternehmensgewinne und Aktiendividenden aller Wahrscheinlichkeit nach enttäuschen. Ausfälle und Herabstufungen würden zunehmen. Unternehmensanleihen, darunter auch HY, und Aktien würden fallen.
Mit sinkenden Gewinnen und dem Risiko weiterer Herabstufungen würden Unternehmen zunehmend konservativer und sich auf die Sanierung ihrer Bilanzen sowie den Abbau ihrer Schulden konzentrieren. Im Ergebnis würden sich die Kreditrahmendaten bessern. Tendenziell würden Anleihen für Investoren attraktiver als Aktien, während Gewinne und Dividenden weiter sinken würden. In dieser Phase der Bilanzsanierung würden Anleihen besser abschneiden als Aktien.
Sobald der Aufschwung einsetze, würden auch wieder Gewinne und Bonitätsbewertungen steigen. Davon würden beide Anlageformen profitieren.
ING IM schätze die Perspektiven in Euro denominierter Hochzinsanleihen positiv ein, da diese Assetklasse im Vergleich zu anderen festverzinslichen Anlageformen ein günstigeres Risiko-Ertrags-Profil aufweise.
Europäische Hochzinsanleihen würden derzeit eine Verzinsung von nahezu 5% bieten und seien damit gegenüber anderen festverzinslichen Anlagen sowie Aktien vergleichsweise attraktiv.
Das gegenwärtige konjunkturelle Umfeld lasse sich als moderater Aufschwung mit geringer Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften beschreiben. Mit 2 bis 3% seien die globalen Wachstumsraten für Unternehmensanleihen weiterhin günstig (mit nur geringem Fehlerspielraum). Europa möge von einer anhaltenden Rezession geplagt werden, doch die meisten europäischen Unternehmen seien zu einem Großteil ohnehin außerhalb der EU tätig.
Auch 2013 solle die lebhafte Emissionstätigkeit im HY-Segment anhalten; die Anlegernachfrage dürfte diesen Trend begünstigen.
Andererseits werde das Aufwärtspotenzial durch Emissionsauflagen gedeckelt, die für viele HY Bonds gelten würden. Das seien beispielsweise traditionell Auflagen, wonach die Anleihe vom Emittenten nach der Hälfte der Laufzeit zu 100% plus 50% des Anleihezinssatzes kündbar sei. Zur Verdeutlichung: Eine Hochzinsanleihe werde für eine Laufzeit von acht Jahren zum Nennwert mit einem Kupon von 8% aufgelegt. Nach vier Jahren könne die Anleihe zu 104%, nach fünf Jahren zu 103% und bei Ende der Laufzeit zu 100% zurückgezahlt werden. Durch diese Option werde der Anleihekurs gedeckelt, da die Anleihe nach vier bzw. fünf Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu 104 bzw. 105% notieren werde.
Angesichts der guten Fundamentaldaten bei gleichzeitig begrenztem Aufwärtspotenzial erscheine eine Rendite von aktuell 5,0% abzüglich einer Ausfallrate von 2,0% (mit einer Recovery-Rate von 30%) bei einer marginalen Spread-Verringerung realistisch (Renditeprognose auf Jahressicht). Damit betrüge die voraussichtliche Rendite bei dieser Anlageform 5%, die durch zusätzliches Alpha in einem Bottom-up-Auswahlprozess ausbaufähig sei.
Nach unserem Dafürhalten ist die prognostizierte Rendite von 5,2% auf EUR HY eine attraktive Vergütung für das höhere Risiko und die höhere Volatilität, so die Experten von ING Investment Management. Während diese Assetklasse 2009 außergewöhnliche 63% abgeworfen habe, sei es im Krisenjahr 2008 ein Minus von 32% gewesen. Im Zeitraum 2001 bis 2012 habe die jährliche Rendite des Merrill Lynch European HY Index 9,6% mit einer Standardabweichung von 24% betragen.
Die mit dieser Anlageform verbundenen Risiken würden sich weitgehend auf einen deutlichen Anstieg der Staatsanleiherenditen und der Ausfallrate beschränken.
Das mit einem weltweiten Anstieg der Zinsen verbundene Risiko sei theoretisch eher begrenzt, da HY-Anleihen eine nur geringe Zinssensitivität aufweisen würden. Das bedeute, dass Hochzinsanleihen durch die voraussichtliche Spread-Einengung besser gewappnet seien, falls es zu einem unerwarteten Anstieg der Staatsanleiherenditen kommen sollte. Außerdem sei die Duration hochverzinslicher Anleihen mit rund 3,7 Jahren kürzer als die herkömmlicher Staatsanleihen (ca. 6,3 Jahre). Auch dadurch würden HY Bonds weniger sensibel auf Zinsveränderungen reagieren.
Ein zunehmendes Ausfallrisiko würde sich erst dann bemerkbar machen, falls die Weltwirtschaft in eine Double-Dip-Rezession rutschen sollte und die Eurozone sich bis 2014 nicht aus der gegenwärtigen Flaute befreien könne.
Eine weitere Risikoquelle könnte sich ergeben, falls es im Zuge von Leveraged Buyouts - wie bereits 2006 - zu einem Überangebot von hochverzinslichen Anleihen komme. Die jüngsten Zahlen würden indes darauf hindeuten, dass die Emissionstätigkeit im Zusammenhang mit LBO weniger als 10% der Emissionen insgesamt ausmache. In 2006 habe sich der Anteil auf 40% belaufen.
Last but not least würden in Euro denominierte Hochzinsanleihen immer noch als risikoreiche Anlageform gelten. Wenn in Krisenzeiten die Risikoaversion steige, sinke tendenziell das Anlegerinteresse an risikoreicheren Assets. Trotz der guten Renditen in 2012 hätten Euro-Hochzinsanleihen im Mai 2,5% eingebüßt, als die Sorge um das Schicksal der Eurozone gewachsen sei. Ein erneuter Anstieg der Risikoscheu könnte Hochzinsanleihen indirekt belasten.
Zwar bieten Hochzinsanleihen attraktive Renditen, die für das Ausfallrisiko entschädigen, doch sind sie auch anderen Risiken wie etwa Rating-Herabstufung und Liquiditätsengpässen ausgesetzt, so die Experten von ING Investment Management. Daher sollten Investoren nicht auf einen einzigen Titel setzen, sondern sich möglichst im Rahmen eines gut diversifizierten Portfolios in diesem Segment engagieren und einen langfristigen Investment-Horizont verfolgen.
Staatsanleihen bzw. nachrangige Schuldverschreibungen / Hybridanleihen im Non-Investment-Grade-Bereich seien derzeit von zusätzlichen Risikosorgen betroffen. In der EU diskutiere man bereits, ob es hier im Fall einer Rettung zu einem Schuldenschnitt komme. Das liege im Wesentlichen in den Händen der Politiker. Viele Investoren würden sich daher von diesen Anleihen fernhalten.
Hochverzinsliche Anleihen würden zwar seit jeher als festverzinsliche Werte gelten, doch würden sie in vielerlei Hinsicht eher Aktien als herkömmlichen Anleihen ähneln. Gleichwohl könnten High-Yield-Bonds das Risiko-Ertrags-Profil durch Diversifizierung optimieren, indem man eine niedrig korrelierte Assetklasse ins Portfolio nehme.
Die Jagd nach Rendite sei das neue Paradigma der Finanzmärkte. ING IMs Multi-Asset Team (IIM MA) sei überzeugt, dass in Euro denominierte HY-Anleihen immer noch eine attraktive Vergütung für das Kreditrisiko bieten würden. Wenn auch die Renditen insgesamt niedrig seien, so würden sich die HY-Spreads weiterhin auf auskömmlichem Niveau bewegen. Ganz allgemein ziehe ING IM derzeit Spread-Produkte - wie EUR HY Bonds - Staatsanleihen vor, denn die Credit-Spreads würden noch Spielraum für eine weitere Verengung bieten, falls die Zinsen steigen sollten.
Um die vielfältigen Risiken zu steuern, sei eine umfassende Streuung über verschiedene HY-Emissionen erforderlich. In diesen Prozess sollte man nicht nur eine hohe Anzahl von Emissionen einbeziehen. Vielmehr empfehle sich auch die Wahl von Bonds unterschiedlicher Ratingstufen, Laufzeiten und Sektoren. Privatanleger würden dieses Ziel am besten im Wege eines aktiv verwalteten Fonds erreichen.
Im Vergleich zu passiven Strategien biete ein aktiv verwalteter EUR-HY-Fonds eine praktische Möglichkeit zur Minimierung der Transaktionskosten. Da im EUR HY Index etwa 433 Emissionen vertreten seien, seien einige davon unter Umständen nur auf dem Sekundärmarkt erhältlich, wo die Liquidität gering, Spreads und Gebühren aber hoch seien. Ein aktiv verwalteter HY-Fonds könne sich auf weniger Emissionen konzentrieren und die Transaktionskosten somit gering halten. In INGs Fonds seien nur 40 bis 60 Emittenten vertreten.
Anleger sollten vor jeder Investitionsentscheidung ausführliche Informationen zu den betreffenden Fonds einholen. (01.07.2013/alc/a/a)


