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Aussichten für Geldpolitik nähern sich wieder an - vorläufig


29.09.15 16:41
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hat ihre Leitzinsen nicht erhöht aus Rücksicht auf die Ausrichtung der Geldpolitik in anderen Industrieländern und zur Beruhigung von Währungsturbulenzen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Damit hätten sich die Spreads zwischen den Geldmarktzinsen und den Rentenrenditen wieder einander angenähert, die Turbulenzen kurzfristig beruhigt. Aber das dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Janet Yellen eine Normalisierung der US-Zinsstruktur anstrebe, d.h. weg von den 0% Zinsen (ZIRP) und hin zu höheren Geldmarktzinsen. Dieser Plan sei nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Schon sei die Spekulation an den Finanzmärkten über den Zeitpunkt der ersten Erhöhung voll im Gange. Eine Erkenntnis aber setze sich erst langsam um: "Normalisierung" heiße nicht eine Anhebung auf den Durchschnitt der letzten 50 Jahre, also etwa 2 bis 3% für die Geldmarktzinsen und 4 bis 5% für die Rentenrenditen.

Das Congressional Budget Office (CBO) schätze, dass bis 2025 das Budgetdefizit wieder auf 3,8% des BIP und kumuliert um USD 7,2 Billionen auf USD 25 Billionen steige. Bei einem Durchschnittszinssatz von 4% müssten dann USD 1 Billion Soll-Zinsen für das Staatsdefizit pro Jahr verbucht werden. Die Finanzpolitik werde handlungsunfähig. Es könne damit nur zur bescheidenen US-Zinserhöhungen kommen. Die Erwartungen seien in den letzten Monaten weiter gesunken, die Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung im Dezember habe abgenommen.

Auch im Einsatz von quantitativen Lockerungen würden sich die Zentralbanken unterscheiden. Während die FED die Käufe von Wertpapieren nur noch auf die anfallenden Zinsen und Tilgungen beschränke, würden die EZB und die BoJ weiter in großem Maße kaufen. Die EZB erwerbe bis Ende September 2016 monatlich EUR 60 Mrd. Insgesamt seien EUR 1,1 Billionen geplant. Die BoJ sei jetzt schon bei USD 2 Billionen. Doch die FED habe vorher schon ihre Bilanz von knapp USD 1 Billion Ende 2008 auf 4,5 Billionen Ende 2014 ausgeweitet. Das nominale US-BIP sei aber nur um USD 2,7 Billionen gestiegen. Rund USD 900 Mrd. seien in die Finanzmärkte geflossen.

Das Konzept, eine schwache Konjunktur mithilfe von quantitativen Lockerungen auf einen Wachstumspfad zurückzubringen, scheine gescheitert. Zahlreiche Beispiele in der Geschichte würden zeigen, dass die Finanzierung staatlicher Ausgaben mithilfe der Notenbank nur in eine Krise führe. Schon hätten führende Forschungsinstitute ihre BIP-Wachstumsprognosen für verschiedene Weltregionen nach unten revidiert.

Die EZB zeige sich weiterhin von der positiven Wirkung ihrer Wertpapierkäufe auf die Kreditvergabe an die Realwirtschaft überzeugt und führe als Beleg das langsam steigende Kreditvolumen sowie die sehr günstigen Kreditkonditionen an. Die Daten zur Entwicklung der Sichtguthaben der Banken bei der EZB würden ein anderes Bild zeichnen. Unter Abzug der Mindestreserveguthaben seien die Guthaben auf Girokonten sowie in der Einlagenfazilität, die sogenannte Überschussliquidität, im August um 54,4 Mrd. Euro gestiegen, während die EZB Wertpapiere im Gegenwert von 51,6 Mrd. Euro gekauft habe. Das Geld sei zurück zur Zentralbank gewandert. Es stehe deshalb zu befürchten, dass eine nochmalige Erhöhung des monatlichen Wertpapierkaufvolumens nicht zur Stimulierung der Wirtschaft beitragen, sondern nur die Sichtguthabenkonten bei der EZB aufblähen werde, es sei denn, man flankiere die Maßnahme mit einer erneuten Zinssenkung, um die Kosten der Geldhaltung für die Banken zu erhöhen.

Der Glaube an die Geldpolitik als Allheilmittel gegen Konjunkturprobleme könnte ins Wanken geraten. ZIRP, NIRP und QE ohne Reformen würden ebenso in eine Sackgasse wie immer neue staatliche Programme zur Konjunkturankurbelung führen. Für Investoren bedeute dies: Erhöhung der Risikoaversion sei angebracht. (29.09.2015/alc/a/a)