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Auswirkung der US-Wahl auf die Anleihe-Märkte


30.10.20 13:00
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die US-Bürger wählen am 3. November den nächsten Präsidenten sowie die Mitglieder des Kongresses, so die Experten von NN Investment Partners.

Wie werde sich der Ausgang der US-Wahlen auf die Rentenmärkte auswirken? NN Investment Partners (NN IP) sei der Ansicht, dass ein Sieg von Joe Biden und damit die wahrscheinliche Aufstockung weiterer Konjunkturprogramme eine größere Wirkung hätte als ein Sieg von Donald Trump.

"Der wahrscheinlich größere fiskalische Impuls unter einer Biden-Präsidentschaft ist für die Märkte wichtiger als Bedenken über Regulierungen und Steuererhöhungen", sage Marco Willner, Head of Investment Strategy bei NN Investment Partners.

Die Geld-, Handels- sowie Fiskalpolitik seien die Schlüsselfaktoren der Prognose der Experten für den US-Dollar gegenüber dem Euro sowie für die EM-Währungen. Was die Geldpolitik betreffe, so werde die US-Notenbank die Zinsen nahe bei null Prozent halten und weiterhin Anleihen kaufen. Diese akkommodierende Haltung und die hohe Dollar-Liquidität würden die Währungen der Schwellenländer unterstützen. Der EUR/USD-Ausblick hänge eher von geldpolitischen Unterschieden ab. Die FED werde die Inflationserwartungen wahrscheinlich näher an das Ziel bringen als die EZB, was relativ niedrige US-Realzinsen impliziere. Dies könnte den Euro gegenüber dem Dollar stärken.

Der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten in der Handelspolitik liege vor allem in ihrer Vorgehensweise. Beide wollten die US-Industrien schützen und die globale Führung in der Informationstechnologie (IT) verteidigen. Sollte Trump die Wahl gewinnen, sei eine weitere Eskalation des Handelskonflikts mit China möglich, was zu einem stärkeren Dollar führen könnte, sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber den EM-Währungen.

Der wahrscheinlich größere fiskalische Impuls unter einer Biden-Präsidentschaft sei für die Märkte wichtiger als Bedenken über Regulierungen und Steuererhöhungen. Ein solcher Impuls würde wahrscheinlich den EM-Währungen zugutekommen, da höhere Infrastrukturausgaben die Rohstoffnachfrage ankurbeln könnten. Ein größerer fiskalischer Impuls der USA dürfte die Realzinsen ankurbeln, was üblicherweise als währungspolitisch positiv im Verhältnis zum Euro betrachtet werde. Dies könnte den Abwärtsdruck auf die Realzinsen durch eine Lockerung der Geldpolitik ausgleichen. Für den Euro könnten Entwicklungen wie der EU-Wiederaufbaufonds, Corona und Brexit wichtigere Faktoren sein.

Die potenzielle Reaktion der Finanzpolitik werde entscheidend sein. Eine Biden-Präsidentschaft hätte für die EM-Währungen positivere Auswirkungen als eine Trump-Präsidentschaft. Nach Einschätzungen der Experten würden die Pläne beider Kandidaten zu einem bedeutenden T-Bill-Angebot führen, was den Großteil des zusätzlichen Kreditbedarfs abdecken werde. Ein größeres Angebot an Anleihen und sich verbessernde makroökonomische Bedingungen unter einer Biden-Präsidentschaft dürften die Renditen der US-Staatsanleihen im Laufe des nächsten Jahres nach oben treiben.

Trumps Politik und sein Fokus auf niedrigere Steuern, weniger Regulierung, Wachstum und freie Märkte seien generell vorteilhafter für die Finanzmärkte und Unternehmen. Biden würde versuchen, einige Steuersenkungen Trumps rückgängig zu machen, indem er die Unternehmenssteuersätze erhöhe und sich gleichzeitig stärker auf grüne Energien, das Gesundheitswesen und den Handel konzentriere. Die Steuersenkungen seien den meisten US-Unternehmen zugute gekommen, obwohl ein Großteil der Steuervorteile letztlich den Aktionären zugeflossen sei.

Biden schlage vor, den bundesstaatlichen Mindestlohn bis 2026 mehr als zu verdoppeln. Höhere Lohnkosten würden wahrscheinlich die Gewinnmargen drücken, obwohl die Verbraucherausgaben in einigen Bereichen eine positive Verschiebung erfahren könnten, sollten Arbeitnehmer mit niedrigerem Einkommen mehr Geld zur Verfügung haben.

Ein geteilter Kongress sei in der Regel optimal für Unternehmen des Gesundheitswesens, da er die Möglichkeiten jeder Partei begrenze, die bestehende Politik zu reformieren. Obwohl die Experten der Ansicht seien, dass das Gesetz über erschwingliche Pflege ("Affordable Care Act") letztlich beibehalten werde, würde ein Sieg der Demokraten wahrscheinlich zu einer Stärkung des bestehenden Gesetzes führen.

Biden befürworte auch eine "öffentliche Option" für die Krankenversicherung, vor allem um die Absicherung einkommensschwacher Bürger zu verbessern. Die Experten würden glauben, dass ein Sieg von Biden zu einer Ausweitung oder Aufrechterhaltung der Absicherung führen würde, was für den Gesundheitssektor förderlich wäre.

Bidens "Clean Energy Revolution"-Plan sehe Ausgaben in Höhe von 1,7 Billionen US-Dollar über zehn Jahre vor. Biden beabsichtige auch, dem Pariser Abkommen wieder beizutreten und keine neuen Bohrgenehmigungen auf dem Bundesgebiet zu erteilen, auf die schätzungsweise 25% der Öl- und 10% der Gasproduktion in den Vereinigten Staaten entfallen würden. Indem viele von Bidens zu erwartenden politischen Maßnahmen wahrscheinlich das US-basierte Angebot reduzieren würden, könnten seine Anforderungen an die Fahrzeugeffizienz die US-Nachfrage nach Öl verringern. Präsident Trumps Unterstützung für den Energiesektor habe sich in erster Linie auf die an den Sektor gebundene Schaffung von Arbeitsplätzen und weniger auf potenzielle grüne Energieinitiativen konzentriert.

Finanzunternehmen, die zu den größten Profiteuren der Steuersenkungen von 2017 gehörten, wären besonders betroffen, sollten diese Senkungen rückgängig gemacht werden. Eine Biden-Regierung wäre sicherlich für die Banken ungünstiger als eine Trump-Regierung. Aber die Experten würden erwarten, dass Bidens Initiativen zielgerichteter und weniger pauschal als die Maßnahmen Obamas sein würden. Trumps Politik in den Bereichen Steuern und freie Marktwirtschaft unterstütze die Finanzinstitute ebenso wie ein weiterhin leichteres regulatorisches Umfeld.

Bidens politische Vorschläge, sein Eintreten für saubere Energie und gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsfürsorge, Finanzdienstleistungen und fairen Löhnen würden generell eher mit NN IPs Ausrichtung auf verantwortungsbewusstes Investieren übereinstimmen als mit Trumps Vorschlägen, die unternehmens- und aktionärsfreundlicher seien und sich auf Wachstum und eine begrenzte Regulierung stützen würden.

Könnte eine Biden-Präsidentschaft zu einer ersten grünen US-Staatsanleihen-Emission führen, bei der die USA dem weltweiten Trend der Emission grüner Staatsanleihen folgen würden? Die Haushaltsausgaben bezüglich seiner Pläne für saubere Energie und nachhaltige Infrastruktur würden die Projekte ermöglichen, die erforderlich seien, um eine grüne Emission zu rechtfertigen. Bisher gebe es jedoch bei keinem der beiden Kandidaten Anzeichen dafür, dass mit einem solchen Schritt in naher Zukunft zu rechnen sei.

Die US-Investment-Grade-Strategie der Experten für die Wahlen bestehe darin, einen marktneutralen Ansatz beizubehalten. Kurzfristige Unsicherheit sei über die Märkte für Credit-Derivate spürbar, was eine mögliche negative Auswirkung auf die Credit Spreads deutlich über den Wahltag hinaus impliziere. Das Tail-Risiko nach unten ergebe sich aus einer anhaltenden Ungewissheit über die Ergebnisse und einer möglichen Verzögerung der Konjunkturprogramme nach Amtsantritt im Januar. Die Experten würden es als Chance betrachten in der Schwächephase zu investieren und ihre Allokation im Credit-Bereich auf die Sektoren zu konzentrieren, die von dem neuen wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmen am meisten profitieren würden.

Im Hinblick auf US-High-Yields seien die Portfolios der Experten derzeit aufgrund der Bottom-Up-Selektion mit einem etwas höheren Risiko als die Benchmark positioniert. Die Experten würden sich auf Gelegenheiten konzentrieren, bei denen sie Potenzial für eine fundamentale Verbesserung und/oder ausreichende Liquidität sehen würden, um die aktuelle Volatilität zu kompensieren. (30.10.2020/alc/a/a)