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BIP-Wachstum - Stagnation - Rezession


31.07.23 14:17
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner neuesten Analyse eine ernüchternde Folgerung für die Weltwirtschaft veröffentlicht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Danach solle die Weltwirtschaft in nächster Zeit nur um 3% wachsen. Die Weltbank sei der Meinung, ein solches Wachstum angesichts der demographischen Entwicklung lediglich Stagnation bedeute. Die Bevölkerung in der Welt habe bereits die 8 Milliardengrenze überschritten, 10 Milliarden würden in absehbarer Zeit erreicht.

China sei jetzt als bevölkerungsreichstes Land der Erde von Indien abgelöst worden. Doch 5% Wachstum in China bedeute im Grunde auch nur Stagnation. Die USA könnten für 2023 ein BIP-Wachstum von 1,8% erwarten, das sich auf 1,0% in 2024 vermindere. Die Eurozone sehe sich für 2023 bei 0,9%. Das Land, das am Schlusslicht der G-7-Staaten stehe, sei Deutschland mit einer Rezession von 0,3%.

Die Anzeichen würden sich nach Ansicht des IWF mehren, dass die Weltwirtschaft an Dynamik einbüße, an Momentum verliere. Nicht vorherzusehen seien die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine. Die geopolitischen Spannungen insgesamt würden die Weltwirtschaft hindern. Dazu würden die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen kommen. Die hoch entwickelten Volkswirtschaften seien von der Konjunkturberuhigung spürbarer betroffen. Überraschend stark würden sich die Arbeitsmärkte halten.

Die Inflationsraten hätten sich zwar global vermindert, würden aber weiter oberhalb der von den Notenbanken gesetzten Ziele bleiben. Die größten Belastungen seien bisher von den Energiepreisen und denen für Lebensmittel ausgegangen. Erstere seien schon deutlich zurückgekommen, aber die Preise für Nahrungsmittel würden hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Die Geldpolitik der Notenbanken konzentriere sich gegenwärtig auf das Ziel, die Preisstabilität wieder herzustellen. Die FED habe ihre Leitzinsen in mehreren Schritten von 0,25% auf jetzt 5,25 bis 5,50% und die EZB von 0,0% auf 4,25% angehoben, beide aber hätten betont, die Inflationsentwicklung weiter zu beobachten und eventuell ihre Leitzinsen weiter zu erhöhen. Der nachlassende Teuerungsdruck (Disinflation) schwäche sich nach Meinung des IWF nur langsam ab. Die globale Inflation habe sich im letzten Jahr auf 8,7% gestellt und werde in diesem Jahr auf 6,8% sinken.

Für 2024 sehe der IWF die Teuerungsrate bei 5,2%. Auf weitere Sicht sei dieses Niveau untragbar hoch. Dann müssten die Leitzinsen noch stärker erhöht werden, was aber wegen der globalen Wirtschaftsentwicklung untragbar wäre. Die Notenbanken würden in einer Zwickmühle stecken, da sie zu spät von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik abgerückt seien. Auch jetzt erscheine das Wachstum der Geldmenge immer noch zu hoch.

Folgerung: Anleger würden mit ihren Investments am Geldmarkt weiter gut aufgehoben bleiben. Sie würden von den auch von den Geschäftsbanken inzwischen erhöhten Einlagenzinsen profitieren. Die Rentenmärkte würden weiter unter der hohen Inflation und den drohenden Zinssteigerungen am Geldmarkt leiden. Geldmarktzinsen höher als Rentenrenditen seien in der Vergangenheit schon immer ein Warnsignal gewesen. Die Aktienmärkte, wie zum Beispiel der DAX, würden auf historischen Höchstständen notieren und sich nicht um die nachlassende Konjunktur und die dadurch sinkenden Unternehmensgewinne sorgen. Doch das müsse nicht so bleiben! Die Edelmetalle würden knapp unter den Höchstständen notieren, hätten aber weiter gute Aussichten für Kursgewinne. (31.07.2023/alc/a/a)