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Bazooka mit Billionen - Geldpolitik als Allheilmittel?


27.03.20 10:45
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - COVID-19 beherrscht inzwischen mit wechselnden Nachrichten das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Entsprechend würden die Finanzmärkte mit ständig wechselnden Tendenzen und Ausschlägen reagieren. Spekulationen über die künftigen Entwicklungen hätten Hochkonjunktur, doch genauere Prognosen seien noch immer unmöglich. Eine weltweite Rezession lasse sich nicht mehr vermeiden, doch wie tief werde das globale BIP sinken und wann werde das Wachstum wieder steigen? Es lasse sich nicht beziffern und deswegen seien Börsenprognosen derzeit extrem unsicher.

Das ifo-Institut rechne mit Kostenbelastungen der Wirtschaft von hunderten von Mrd. Euro, die in Deutschland alles übersteigen würden, was aus Wirtschaftskrisen und Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt sei. Das Virus beschere der deutschen Wirtschaft Produktionsausfälle, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit und werde den Staatshaushalt erheblich belasten. Die Wirtschaft könne um ein Fünftel einbrechen. Das IIF Institut rechne mit einem globalen Einbruch im 1. Halbjahr und einer Erholung im zweiten. Insgesamt werde das globale BIP die geringste Wachstumsrate seit der Weltfinanzkrise 2008/2009 erzielen. Keine der großen Regionen bleibe davon verschont.

Was könne man dagegen machen? Als Allheilmittel sei in der ganzen Welt seit 2008 die Geldpolitik angesehen worden. Mit Zinssenkungen und quantitativen Lockerungen (QE) durch die Zentralbanken könne man alles steuern, so die vorherrschende Meinung. Doch die Zinsen seien schon bei 0%. Also noch mehr QE? Dann sei sich des Defizit Spendings erinnert worden. Der britische Nationalökonom John Maynard Keynes (1883 bis 1946) habe die Meinung vertreten, im Falle einer Konjunkturflaute solle der Staat mit kreditfinanzierten Förderungsprogrammen die Gesamtnachfrage ankurbeln (Deficit Spending). Auch jetzt in einer Phase der weltweiten Konjunkturberuhigung werde wieder in vielen Ländern nach Möglichkeiten zur Konjunkturstimulierung gesucht. Doch da die öffentlichen Kassen leer seien, gehe das nur über Kreditfinanzierung. Doch wieviel Wirtschaftswachstum bringe eigentlich staatliche Neuverschuldung?

Seit 1965 sei in den USA die Staatsverschuldung von etwa 0 auf jetzt USD 23 Billionen immer nur gestiegen. Ein Einfluss auf die Konjunkturentwicklung lasse sich dabei nicht erkennen. Inzwischen würden die Finanzminister mit der Bazooka Geld in Höhe von Billionen in die Märkte schießen (1 Billion = zehn hoch zwölf). Mit dem "Helikopter" werde Geld nach dem Gießkannenprinzip über alle Sektoren geschüttet. Wenn jemand Zweifel über deren Nutzen äußere, werde er sofort verteufelt. Doch die Erfahrung zeige: Das "Deficit Spending" funktioniere nicht. Völlig in Vergessenheit geraten sei die Forderung von Keynes, in wirtschaftlich guten Zeiten die Schulden wieder zurück zu bezahlen.

Der amerikanische Volkswirt Irving Fisher (1867 bis 1947) sei für eine ganze Reihe wirtschaftswissenschaftlicher Gleichungen berühmt geworden. Nach seiner Quantitätsgleichung sei die in einem Jahr umgesetzte Geldmenge M multipliziert mit der Geldumlaufgeschwindigkeit V gleich der Produktion von Gütern und Leistungen Y multipliziert mit der Teuerungsrate P. Somit: M x V = Y x P. Die monetäre Seite einer Volkswirtschaft spiegele sich in der fundamentalen. Danach seien Geldmenge M und Geldumlaufgeschwindigkeit V direkt proportional zu den konjunkturellen Aktivitäten einer Volkswirtschaft. Doch die Wirtschaft gleite in eine Rezession, Y sinke. Andererseits steige die Geldmenge infolge der Geld- und Fiskalpolitik. Die Umlaufgeschwindigkeit V bleibe gleich oder steige eher an. Die Gleichung gehe nur auf durch eine steigende Teuerungsrate P. Man müsse sich also auch bei Genugtuung über die ultra-expansive Geldmenge und das Defict Spending in Billionen Höhe darüber klar sein, dass das inflationär wirke.

Liquidität bleibe Trumpf. Risiken im Depot bei Aktien und Renten niedrig halten. Die extrem hohe Volatilität der Märkte zeige, dass die Sicherheit durch ein entsprechendes Rating unterschätzt werde. Einen Schutz gegen extreme Risiken biete Gold, insbesondere gegen Inflationsgefahren. (Ausgabe vom 26.03.2020) (27.03.2020/alc/a/a)