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Bottom-up-Auswahl im Anleihenbereich noch nie so wichtig wie heute
21.12.20 10:15
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sonal Desai, Fixed Income Chefin bei Franklin Templeton, diskutiert Wege zur Erholung in ihrem Ausblick 2021 für Anleihen.
Sonal Desai sei beim Blick auf 2021 vorsichtig optimistisch - und "vorsichtig" sei das entscheidende Wort. Die US-Wirtschaft erweise sich als bemerkenswert resilient und zeige, dass sie nach wie vor die Ausdauer habe, um die COVID-bedingte Rezession hinter sich zu lassen. Mit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen durch die Bundesstaaten hätten sich die Verbraucherausgaben erholt und für eine V-förmige Erholung bei Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Beschäftigung gesorgt. Die fiskalische und geldpolitische Unterstützung sei unverzichtbar gewesen, und es würden weitere Beihilfen ausgezahlt: Die private Sparquote bleibe mit fast 15% hoch, und die Haushalte hätten ihre Kreditwürdigkeit mit einer durchschnittlichen Bonität, die so hoch sei wie noch nie seit Beginn der Erfassung 2005, verbessert und Reserven für künftige Ausgaben gehort.
Diese Erholung bei Ausgaben und Stellenwachstum habe bereits zwei negativen Schocks standgehalten: Der zweiten Welle der COVID-19-Epidemie im Sommer und dem Auslaufen des ersten außerordentlichen Konjunkturpakets im Juli. Dies mache für die Reaktion der Wirtschaftsaktivität auf einen möglichen Anstieg der Neuinfektionen im Winter optimistisch. Zudem gebe es den positiven Trend, dass die Ansteckungen nun relativ mild verlaufen würden und die Hospitalisierungen und Todesfälle weniger stark ansteigen würden als die Neufälle. Dies sei teilweise dadurch bedingt, dass die Neufälle eher jünger und weniger vulnerable Altersgruppen betreffen würden und sich die Behandlungsmethoden verbessert hätten.
Unsere Franklin Templeton-Gallup Economics of Recovery Study hat bestätigt, dass sich die Bereitschaft der Amerikaner zu einer Reihe von Wirtschaftsaktivitäten - von Reisen über Restaurantbesuche und Shopping bis hin zum Arbeiten in der Firma - gegenüber der zweiten und dritten COVID-19-Welle als ähnlich robust erwies, so die Experten von Franklin Templeton. Die Studie habe jedoch auch gezeigt, dass die Einführung eines wirksamen Impfstoffs für die meisten Menschen entscheidend sein könnte, um sich für die vollständige Rückkehr zu normalen Verhaltensmustern ausreichend sicher zu fühlen.
Die aktuellen Nachrichten über den Impfstoff seien ermutigend: Kurz nach der US-Präsidentschaftswahl hätten die Pharmaunternehmen Pfizer und Moderna separat verkündet, dass ihre Impfstoffe in klinischen Versuchen eine Wirksamkeit von rund 95% gezeigt hätten. Es scheine nun eine gute Chance zu bestehen, dass bis zum Frühjahr ein hochwirksamer Impfstoff auf den Markt kommen könnte.
Die US-Wahlen von November liegen nun hinter uns, so die Experten von Franklin Templeton. Auch wenn bisher noch nicht alle amtlichen Ergebnisse bestätigt seien, scheine es äußerst wahrscheinlich, dass der nächste US-Präsident Joe Biden heißen werde. Gleichzeitig sei jedoch die Mehrheit der Demokratischen Partei im Repräsentantenhaus geschrumpft, und die Republikaner dürften ihre Mehrheit im Senat verteidigen, sofern sie mindestens eine der beiden für Januar anberaumten Stichwahlen in Georgia gewinnen würden.
Eine geteilte Regierung könnte für den Konjunkturausblick dadurch von Vorteil sein, dass die Wahrscheinlichkeit von größeren politischen Veränderungen und Regulierungen, die sich ansonsten nachteilig auf die Gesamtwirtschaft oder bestimmte Sektoren auswirken könnten, verringert werde.
Sonal Desai, Fixed Income Chefin bei Franklin Templeton, erwarte zwischen Jahresende und dem ersten Quartal 2021 die Verabschiedung weiterer umfangreicher Konjunkturmaßnahmen. Falls die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten würden, könnte dieses Konjunkturpaket etwas kleiner ausfallen, als bei einer "blauen Welle" zu erwarten gewesen sei - bei der die Demokraten Repräsentantenhaus und Senat kontrollieren und auch den Präsidenten stellen würden -, doch es wäre immer noch erheblich.
Ein Impfstoff würde zudem den Konjunkturausblick im Rest der Welt aufhellen, allen voran in Europa, wo ein Wiederanstieg der COVID-19-Fälle mehrere Staaten gegenwärtig zur neuerlichen Verhängung strenger Beschränkungen von sozialen Kontakten und Wirtschaftsaktivität dränge.
Das entscheidende Wort sei wie gesagt "vorsichtig". Sollte die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe bestätigt werden, werde die Herstellung und flächendeckende Verteilung eine große Herausforderung darstellen. Überdies zeigte unsere gemeinsame Studie mit Gallup, dass lediglich zwischen einem Drittel und der Hälfte der Amerikaner bereit wäre, sich impfen zu lassen, so die Experten von Franklin Templeton. Sofern nicht eine ausreichend große Mehrheit der Bevölkerung zu einer Impfung bereit sei, könne auch ein hochwirksamer Impfstoff die Ansteckungen nicht rasch verringern und der Wirtschaftsaktivität die Rückkehr zur Normalität ermöglichen.
Unterdessen habe sogar die sehr resiliente US-Wirtschaft deutliche Schäden davongetragen, von denen einige von Dauer sein könnten. Die dauerhaften Arbeitsplatzverluste seien seit Februar um 2,4 Millionen gestiegen und würden fast die Hälfte des Anstiegs der Arbeitslosigkeit seitdem ausmachen, obwohl die Zahl der offenen Stellen bereits über das Niveau vor COVID-19 gestiegen sei. Dies könnte auf ein entstehendes Qualifikationsungleichgewicht hindeuten, das möglicherweise damit zusammenhänge, dass die COVID-19-Rezession manche Sektoren viel härter treffe als andere. Auch die langen Schulschließungen könnten auf lange Sicht erhebliche nachteilige Auswirkungen haben. Fernunterricht habe sich als sehr schlechter Ersatz für Präsenzunterricht herausgestellt, insbesondere bei jungen Schülern und Schülern aus einkommensärmeren Schichten. Der langfristige Schaden in Form geringerer Fertigkeiten, eines geringeren Einkommenspotenzials für die Lernenden und einer geringeren Produktivität für die Wirtschaft könnte schwerer sein, als man sich gegenwärtig bewusst sei.
Diese nachteiligen Folgen würden verstärkt, wenn im Land neue generelle Lockdowns verhängt würden, die möglicherweise auch zu einer Doppelrezession führen könnten.
Die Maßnahmen der Politik in den kommenden Monaten seien daher nicht nur für die unmittelbare Erholung und den Ausblick 2021 sehr wichtig, sondern auch - und vielleicht umso mehr - auf längere Sicht. Über den Jahreswechsel erwarten uns demnach viel Ungewissheit, massive wirtschaftliche Ungleichgewichte und geldpolitische und fiskalische Maßnahmen beispiellosen Ausmaßes, so die Experten von Franklin Templeton. Es komme nicht überraschend, dass Aktienkurse und Anleihenrenditen bereits mit massiven Schwankungen auf die Schlagzeilen aus Politik und Gesundheit reagiert hätten.
Möglicherweise unterschätze der Markt auch die potenziellen Auswirkungen der beispiellosen fiskalischen und geldpolitischen Konjunkturprogramme und Hilfspakete auf die Inflation. Außerdem bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch die aktuelle Krise und die anhaltenden Spannungen mit Handelspartnern die Lieferketten zunehmend verändern und ins Inland verlagert würden (nach Überzeugung von Sonal Desai würden die Spannungen zwischen den USA und China auch unter einer neuen US-Administration bestehen bleiben). Da die Wirtschaft bereits eine beachtliche Fähigkeit zur Erholung beweise, und angesichts des Umfangs der bereits umgesetzten und der noch geplanten fiskal- und geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen könne eine unerwartet rasche Erholung der Wachstums- und Preisdynamik nicht ausgeschlossen werden.
Sonal Desai, Fixed Income Chefin bei Franklin Templeton, sage keinen starken Inflationsanstieg voraus, doch auch eine moderate Beschleunigung der Preisdynamik würde ausreichen, um die zuversichtlichen Erwartungen der meisten Marktteilnehmer zu übertreffen und eine weitere Versteilerung der Renditekurve bei US-Staatsanleihen im Jahr 2021 auszulösen.
Darüber hinaus stärke die Kombination aus möglichen enormen makroökonomischen Schwankungen und langfristigen strukturellen Veränderungen, die durch die Pandemie ausgelöst oder beschleunigt würden, Desais Einschätzung, dass aktive Asset-Auswahl auf Basis hochwertiger Fundamentalanalyse für jede erfolgreiche Anlagestrategie unverzichtbar sein werde. Anleihenpositionen würden in den Portfolios vieler Anleger als Diversifikator und als Anlage, die im historischen Vergleich zu Aktien eine niedrigere Volatilität aufweise, weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Aus Desais Sicht sei die Bottom-up-Auswahl im Anleihenbereich jedoch noch nie so wichtig gewesen wie heute.
Die Bewertungen seien in vielen Sektoren ein Grund zur Sorge, da der Markt das Ausmaß der Unsicherheit nicht angemessen einpreise. Wir sehen keine offensichtlichen Bereiche der Unterbewertung mehr; im Gegenteil, einige Sektoren wie beispielsweise Gewerbeimmobilien sind nach wie vor anfällig, so die Experten von Franklin Templeton. Da eine Reihe von Staaten wohl die Steuern erhöhen müsse, um ihre Finanzen auf eine nachhaltigere Basis zu stellen, werde der Sektor der steuerfreien Kommunalanleihen wahrscheinlich eine noch wertvollere Quelle für Investitionsmöglichkeiten werden. Auch Festzinsanlagen außerhalb der USA würden vereinzelte Chancen bieten. Das massive Konjunkturprogramm in Europa biete europäischen Staatsanleihen einhergehend mit der akkommodierenden Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Unterstützung. 2021 werde herausfordernd, könnte jedoch auch lohnend werden. (Ausgabe vom 08.12.2020) (21.12.2020/alc/a/a)
Sonal Desai sei beim Blick auf 2021 vorsichtig optimistisch - und "vorsichtig" sei das entscheidende Wort. Die US-Wirtschaft erweise sich als bemerkenswert resilient und zeige, dass sie nach wie vor die Ausdauer habe, um die COVID-bedingte Rezession hinter sich zu lassen. Mit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen durch die Bundesstaaten hätten sich die Verbraucherausgaben erholt und für eine V-förmige Erholung bei Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Beschäftigung gesorgt. Die fiskalische und geldpolitische Unterstützung sei unverzichtbar gewesen, und es würden weitere Beihilfen ausgezahlt: Die private Sparquote bleibe mit fast 15% hoch, und die Haushalte hätten ihre Kreditwürdigkeit mit einer durchschnittlichen Bonität, die so hoch sei wie noch nie seit Beginn der Erfassung 2005, verbessert und Reserven für künftige Ausgaben gehort.
Diese Erholung bei Ausgaben und Stellenwachstum habe bereits zwei negativen Schocks standgehalten: Der zweiten Welle der COVID-19-Epidemie im Sommer und dem Auslaufen des ersten außerordentlichen Konjunkturpakets im Juli. Dies mache für die Reaktion der Wirtschaftsaktivität auf einen möglichen Anstieg der Neuinfektionen im Winter optimistisch. Zudem gebe es den positiven Trend, dass die Ansteckungen nun relativ mild verlaufen würden und die Hospitalisierungen und Todesfälle weniger stark ansteigen würden als die Neufälle. Dies sei teilweise dadurch bedingt, dass die Neufälle eher jünger und weniger vulnerable Altersgruppen betreffen würden und sich die Behandlungsmethoden verbessert hätten.
Unsere Franklin Templeton-Gallup Economics of Recovery Study hat bestätigt, dass sich die Bereitschaft der Amerikaner zu einer Reihe von Wirtschaftsaktivitäten - von Reisen über Restaurantbesuche und Shopping bis hin zum Arbeiten in der Firma - gegenüber der zweiten und dritten COVID-19-Welle als ähnlich robust erwies, so die Experten von Franklin Templeton. Die Studie habe jedoch auch gezeigt, dass die Einführung eines wirksamen Impfstoffs für die meisten Menschen entscheidend sein könnte, um sich für die vollständige Rückkehr zu normalen Verhaltensmustern ausreichend sicher zu fühlen.
Die aktuellen Nachrichten über den Impfstoff seien ermutigend: Kurz nach der US-Präsidentschaftswahl hätten die Pharmaunternehmen Pfizer und Moderna separat verkündet, dass ihre Impfstoffe in klinischen Versuchen eine Wirksamkeit von rund 95% gezeigt hätten. Es scheine nun eine gute Chance zu bestehen, dass bis zum Frühjahr ein hochwirksamer Impfstoff auf den Markt kommen könnte.
Die US-Wahlen von November liegen nun hinter uns, so die Experten von Franklin Templeton. Auch wenn bisher noch nicht alle amtlichen Ergebnisse bestätigt seien, scheine es äußerst wahrscheinlich, dass der nächste US-Präsident Joe Biden heißen werde. Gleichzeitig sei jedoch die Mehrheit der Demokratischen Partei im Repräsentantenhaus geschrumpft, und die Republikaner dürften ihre Mehrheit im Senat verteidigen, sofern sie mindestens eine der beiden für Januar anberaumten Stichwahlen in Georgia gewinnen würden.
Eine geteilte Regierung könnte für den Konjunkturausblick dadurch von Vorteil sein, dass die Wahrscheinlichkeit von größeren politischen Veränderungen und Regulierungen, die sich ansonsten nachteilig auf die Gesamtwirtschaft oder bestimmte Sektoren auswirken könnten, verringert werde.
Sonal Desai, Fixed Income Chefin bei Franklin Templeton, erwarte zwischen Jahresende und dem ersten Quartal 2021 die Verabschiedung weiterer umfangreicher Konjunkturmaßnahmen. Falls die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten würden, könnte dieses Konjunkturpaket etwas kleiner ausfallen, als bei einer "blauen Welle" zu erwarten gewesen sei - bei der die Demokraten Repräsentantenhaus und Senat kontrollieren und auch den Präsidenten stellen würden -, doch es wäre immer noch erheblich.
Das entscheidende Wort sei wie gesagt "vorsichtig". Sollte die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe bestätigt werden, werde die Herstellung und flächendeckende Verteilung eine große Herausforderung darstellen. Überdies zeigte unsere gemeinsame Studie mit Gallup, dass lediglich zwischen einem Drittel und der Hälfte der Amerikaner bereit wäre, sich impfen zu lassen, so die Experten von Franklin Templeton. Sofern nicht eine ausreichend große Mehrheit der Bevölkerung zu einer Impfung bereit sei, könne auch ein hochwirksamer Impfstoff die Ansteckungen nicht rasch verringern und der Wirtschaftsaktivität die Rückkehr zur Normalität ermöglichen.
Unterdessen habe sogar die sehr resiliente US-Wirtschaft deutliche Schäden davongetragen, von denen einige von Dauer sein könnten. Die dauerhaften Arbeitsplatzverluste seien seit Februar um 2,4 Millionen gestiegen und würden fast die Hälfte des Anstiegs der Arbeitslosigkeit seitdem ausmachen, obwohl die Zahl der offenen Stellen bereits über das Niveau vor COVID-19 gestiegen sei. Dies könnte auf ein entstehendes Qualifikationsungleichgewicht hindeuten, das möglicherweise damit zusammenhänge, dass die COVID-19-Rezession manche Sektoren viel härter treffe als andere. Auch die langen Schulschließungen könnten auf lange Sicht erhebliche nachteilige Auswirkungen haben. Fernunterricht habe sich als sehr schlechter Ersatz für Präsenzunterricht herausgestellt, insbesondere bei jungen Schülern und Schülern aus einkommensärmeren Schichten. Der langfristige Schaden in Form geringerer Fertigkeiten, eines geringeren Einkommenspotenzials für die Lernenden und einer geringeren Produktivität für die Wirtschaft könnte schwerer sein, als man sich gegenwärtig bewusst sei.
Diese nachteiligen Folgen würden verstärkt, wenn im Land neue generelle Lockdowns verhängt würden, die möglicherweise auch zu einer Doppelrezession führen könnten.
Die Maßnahmen der Politik in den kommenden Monaten seien daher nicht nur für die unmittelbare Erholung und den Ausblick 2021 sehr wichtig, sondern auch - und vielleicht umso mehr - auf längere Sicht. Über den Jahreswechsel erwarten uns demnach viel Ungewissheit, massive wirtschaftliche Ungleichgewichte und geldpolitische und fiskalische Maßnahmen beispiellosen Ausmaßes, so die Experten von Franklin Templeton. Es komme nicht überraschend, dass Aktienkurse und Anleihenrenditen bereits mit massiven Schwankungen auf die Schlagzeilen aus Politik und Gesundheit reagiert hätten.
Möglicherweise unterschätze der Markt auch die potenziellen Auswirkungen der beispiellosen fiskalischen und geldpolitischen Konjunkturprogramme und Hilfspakete auf die Inflation. Außerdem bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch die aktuelle Krise und die anhaltenden Spannungen mit Handelspartnern die Lieferketten zunehmend verändern und ins Inland verlagert würden (nach Überzeugung von Sonal Desai würden die Spannungen zwischen den USA und China auch unter einer neuen US-Administration bestehen bleiben). Da die Wirtschaft bereits eine beachtliche Fähigkeit zur Erholung beweise, und angesichts des Umfangs der bereits umgesetzten und der noch geplanten fiskal- und geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen könne eine unerwartet rasche Erholung der Wachstums- und Preisdynamik nicht ausgeschlossen werden.
Sonal Desai, Fixed Income Chefin bei Franklin Templeton, sage keinen starken Inflationsanstieg voraus, doch auch eine moderate Beschleunigung der Preisdynamik würde ausreichen, um die zuversichtlichen Erwartungen der meisten Marktteilnehmer zu übertreffen und eine weitere Versteilerung der Renditekurve bei US-Staatsanleihen im Jahr 2021 auszulösen.
Darüber hinaus stärke die Kombination aus möglichen enormen makroökonomischen Schwankungen und langfristigen strukturellen Veränderungen, die durch die Pandemie ausgelöst oder beschleunigt würden, Desais Einschätzung, dass aktive Asset-Auswahl auf Basis hochwertiger Fundamentalanalyse für jede erfolgreiche Anlagestrategie unverzichtbar sein werde. Anleihenpositionen würden in den Portfolios vieler Anleger als Diversifikator und als Anlage, die im historischen Vergleich zu Aktien eine niedrigere Volatilität aufweise, weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Aus Desais Sicht sei die Bottom-up-Auswahl im Anleihenbereich jedoch noch nie so wichtig gewesen wie heute.
Die Bewertungen seien in vielen Sektoren ein Grund zur Sorge, da der Markt das Ausmaß der Unsicherheit nicht angemessen einpreise. Wir sehen keine offensichtlichen Bereiche der Unterbewertung mehr; im Gegenteil, einige Sektoren wie beispielsweise Gewerbeimmobilien sind nach wie vor anfällig, so die Experten von Franklin Templeton. Da eine Reihe von Staaten wohl die Steuern erhöhen müsse, um ihre Finanzen auf eine nachhaltigere Basis zu stellen, werde der Sektor der steuerfreien Kommunalanleihen wahrscheinlich eine noch wertvollere Quelle für Investitionsmöglichkeiten werden. Auch Festzinsanlagen außerhalb der USA würden vereinzelte Chancen bieten. Das massive Konjunkturprogramm in Europa biete europäischen Staatsanleihen einhergehend mit der akkommodierenden Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Unterstützung. 2021 werde herausfordernd, könnte jedoch auch lohnend werden. (Ausgabe vom 08.12.2020) (21.12.2020/alc/a/a)


