Erweiterte Funktionen
Brexit-Angst lässt zehnjährige Bunds unter die Nulllinie rutschen
17.06.16 10:27
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Was sich die vergangenen Tage am Kapitalmarkt bereits angedeutet hat, ist nun eingetreten: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den negativen Bereich abgerutscht, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Am Dienstag hätten "Bunds" mit zehnjähriger Laufzeit in der Spitze mit minus 0,034% rentiert. Auch eine Bundesanleihe (ISIN DE0001135044 / WKN 113504) mit elf Jahren Laufzeit (7/2027), die bei rund 172,65% notiere, habe mit ca. minus 0,06% ebenfalls eine negative Rendite ausgewiesen. Zwischenzeitlich habe das Pendel zwar wieder leicht zurückgeschlagen, aber Fakt sei, dass die Rendite von "Bunds" mit einer Restlaufzeit von etwas über zehn Jahren derzeit um die Nulllinie schwanke. Erst Laufzeiten von mehr als 13 Jahren würden leicht positiv rentieren, wie ein Titel (ISIN DE0001135143 / WKN 113514) mit Fälligkeit 1/2030 zeige, der eine Mini-Rendite von 0,02% abwerfe.
Eine Hauptursache der negativen Zinsentwicklung sei in der um sich greifenden Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu sehen. Die Unsicherheit, die ein Brexit mit sich bringen würde, veranlasse Anleger dazu, Aktien abzustoßen und in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen stabiler Länder zu fliehen. Genährt werde die Angst vor dem Brexit durch jüngste Umfragen, welche eine Mehrheit für den Austritt am 23. Juni, dem Tag des Referendums, widerspiegeln würden.
Negative Zinsen würden aus Sicherheitsgründen offenbar in Kauf genommen. Die Risikolaune der Investoren, welche die Aktienmärkte noch bis Mitte vergangener Woche beflügelt habe, sei also verflogen. Und nun kollidiere die Nachfrage der Anleger am Rentenmarkt mit der der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem Ankaufprogramm die Renditen am Markt ohnehin schon kräftig nach unten gedrückt habe. Parallel zu den Renditen der Bundesanleihen seien auch die Devisenkurse von Euro und Pfund Sterling abgerutscht.
Doch neben der Brexit-Angst sei es auch eine allgemeine Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft, die sich wiederum in einem Nachgeben der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, widerspiegle. Unterm Strich sei daher nicht zu erwarten, dass die negative Renditeentwicklung das Ende der Fahnenstange erreicht habe, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) beteuere, sich der Grenzen ihrer Negativzinspolitik bewusst zu sein. "Wir haben nicht vor, die gegenwärtigen Levels dramatisch zu verändern", habe der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio diese Woche verlauten lassen. Dennoch sei davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen durch das Ankaufprogramm der EZB, das mindestens bis Frühjahr 2017 laufe, hoch bleiben werde. Nicht umsonst prüfe die Commerzbank, ob sie einen Teil des Bargelds künftig in Tresoren einlagern solle, anstatt es bei der EZB mit minus 0,4% anzulegen.
Natürlich begünstige eine negative Rendite bei Bundesanleihen zunächst den Bundesfinanzminister, der beim Schuldenmachen nun eben auch im zehnjährigen Bereich Geld verdiene. Allerdings zeige es auch, dass die Kapitalmärkte nicht mehr funktionieren würden, was unter anderem Versicherer und Pensionsfonds noch stärker unter Druck setze. So erachte der Branchenverband der Versicherungen (GDV) die stark gefallenen Renditen als eines der größten Stabilitätsrisiken überhaupt.
Bereits seit März würden sich auch die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen im Minus-Bereich (aktuell: -0,209%) befinden. In der Schweiz liege die Rendite für Zehnjährige mit -0,553% sogar noch deutlicher unter Null.
So, wie es aussehe, hätten die Befürworter eines Brexits in den Umfragen mehr als nur die Nase vorn. Würden die Briten am 23. Juni tatsächlich den Austritt aus der EU beschließen, so werde dies wohl zu einem Schicksalstag für Europa werden.
Fest stehe, dass der Austritt neben den konkret neu zu regulierenden Beziehungen zwischen EU und UK gravierende Konsequenzen für ganz Europa haben würde. Schwächeres Wachstum und weniger Handel dürften die Folgen sein. Die Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zu Großbritannien würde sicherlich zu einer Zurückhaltung bei Investoren führen.
Die Crux der Brexit-Gegner scheine zu sein, dass sie es bisher kaum geschafft hätten, positive Gründe zugunsten eines Verbleibs in der EU vorzubringen. Vielmehr würden sich ihre Argumente im Stile einer Angstkampagne so lesen, als müsse das Vereinigte Königreich über die Apokalypse oder den Verbleib in einem Staatenbund abstimmen.
Und den dürfe ein Land laut Artikel 50 des Vertrags von Lissabon auch wieder verlassen. Eine Neuordnung der britischen Beziehungen zur EU nach einem EU-Austritt würde laut EU-Ratspräsident Donald Tusk bis zu sieben Jahre in Anspruch nehmen. Allein eine Auflösung aller vertraglichen Verbindungen würde zwei Jahre dauern. Jedes einzelne der dann 27 EU-Mitgliedsländer sowie das Europäische Parlament müssten anschließend einer ausgehandelten Neuordnung zustimmen. "Das wird mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, und ich fürchte, ohne jede Erfolgsgarantie", habe Tusk der "Bild" gesagt.
Und wie könnte sich der Virus des Brexit auf andere Mitgliedsstaaten auswirken? Wäre es möglich, dass bei einem Votum zugunsten des Brexits noch mehr Länder dem Beispiel eines Referendums folgen wollten? Er könne jedenfalls nicht ausschließen, dass der britische Austritt Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern. Dies habe vor kurzem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingeräumt. Vielleicht würde ja eine Wirtschaftskrise in Großbritannien, zu der es als Folge des Brexits kommen würde, Nachahmer von der Austrittsidee wieder abschrecken und sie gegen den Brexit-Virus immunisieren. Es könnte aber auch anders kommen.
Der Donnerstag stehe ganz im Zeichen dreier Notenbanken. Bereits am Mittwochabend habe im Anschluss an eine zweitägige FED-Sitzung eine Pressekonferenz der Präsidentin der amerikanischen Notenbank (FED), Janet Yellen, stattgefunden. Und am Donnerstag werde es auch die turnusgemäße Sitzung bei der Bank of England geben, der im Hinblick auf das anstehende Brexit-Referendum große Bedeutung zukomme.
Im Vorfeld habe bereits in den frühen Morgenstunden die Bank of Japan (BoJ) von weiteren geldpolitischen Anreizen abgesehen, was bei Investoren für Enttäuschung gesorgt habe.
Mit einem einstimmigen Beschluss habe die FED den Reigen eröffnet. Die Zinsen würden auf dem bisherigen Niveau verbleiben und wider Erwarten seien in der anschließenden Pressekonferenz weder der Brexit noch andere spezifische Risiken erwähnt worden. Mit verantwortlich für diesen Entscheid seien sicherlich die schwachen US-Arbeitsmarktdaten und auch die gestrigen Daten zur Industrieproduktion gewesen. Es scheine so, als würden die US-Notenbanker immer mehr von ihrem ursprünglichen Plan Abstand nehmen und eine mögliche Zinserhöhung erst im September wieder auf der Agenda stehen.
Bei der Bank of England (BoE) beschäftige man sich allerdings nicht mit einer möglichen Zinsanhebung, die vor vielen Monaten in England immer wieder heiß diskutiert worden sei, sondern mit den Auswirkungen eines möglichen Brexits. Eine Warnung der Notenbanker gelte als sehr wahrscheinlich, da die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien vorerst nicht zu überblicken seien. Allem Anschein nach würden nur die negativen Folgen von den Brexit-Gegnern thematisiert, und eine positive Herausstellung von den Vorteilen einer Mitgliedschaft finde nicht statt.
Man dürfe gespannt sein, ob auch in diesem Fall wieder die Notenbanker die eigentliche Arbeit der vom Volk gewählten Vertreter übernehmen und die Vorteile beim Namen nennen würden. Sicherlich werde sich die BoE mit entsprechenden Maßnahmen darauf vorbereiten, sollte es am kommenden Donnerstag, dem Tag der Wahrheit, zu großen Marktturbulenzen kommen. So könnte auch die Wiederbelebung des bestehenden QE-Programms eine Option sein. Die Bekanntgabe eines solchen Beratungsergebnisses würde sicherlich im Vorfeld des Referendums einer Beruhigungspille für die Finanzmärkte gleichkommen.
Die Bundesbank wolle dem Internationalen Währungsfonds (IWF) demnächst auslaufende Kredite nicht so ohne weiteres verlängern. Von Oktober an würden nach und nach bilaterale Kreditlinien zwischen dem Fonds und seinen Mitgliedsländern im Umfang von 430 Mrd. USD auslaufen. Der Betrag sei von den Zentralbanken mehrerer Industriestaaten dem IWF während der Hochphase der Eurokrise für Notfälle zur Verfügung gestellt worden.
Dem IWF wäre es nun am liebsten, wenn diese Gelder einfach verlängert würden. Dieser Wunsch stoße aber bei der Bundesbank auf wenig Gegenliebe. Die aktuelle Ressourcenausstattung des Fonds sei recht komfortabel, habe Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem "Handelsblatt" gesagt. Immerhin seien die regulären Mittel für den Fonds erst kürzlich erhöht worden. Zusammen mit Mitteln aus regulären Kreditvereinbarungen verfüge der IWF über 930 Mrd. USD Eigenkapital, von denen 650 Mrd. USD für weltweite Kriseneinsätze sofort verfügbar seien.
Die Bundesbank, welche sich mit 41,5 Mrd. Euro an den bilateralen Krediten beteiligt habe, wolle den Fonds nach eigenen Worten nicht knapp halten. Sie wolle aber lieber die regulären Mittel, also die Quoten, die jedes Mitgliedsland aufbringt, weiter erhöhen. Dadurch wären auch die USA, der größte IWF-Aktionär, wieder mit von der Partie. Schließlich seien die bilateralen Kredite nur deshalb gewährt worden, weil die USA fünf Jahre lang eine Quotenerhöhung blockiert hätten. Weil dies nun nicht mehr der Fall sei, wolle die Bundesbank wieder zurück zu regulären Finanzierungsmitteln. Es handle sich also eigentlich nicht um einen Streit zwischen IWF und Bundesbank, sondern um den Versuch der Bundesbank die USA bei der IWF-Finanzierung wieder stärker ins Obligo zu nehmen.
Die Volksrepublik China wolle von der EU als Marktwirtschaft anerkannt werden. Dieser Status sei dem Reich der Mitte in einem vor 15 Jahren geschlossenen Vertrag in Aussicht gestellt worden. Nun würden die Chinesen drohen, falls China die Anerkennung verweigert werde, könnte dies in einen Handelskrieg münden.
Hintergrund des Disputs sei der Umstand, dass die Gewährung des Marktwirtschaftsstatus China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen würde, die unter anderem in der Stahlkrise relevant geworden seien. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe dem "Spiegel" gesagt, China könne den Status einer Marktwirtschaft erst erhalten, wenn es sich auch so verhalte. Peking berufe sich bei seiner Forderung auf Artikel 15 des Vertrags für den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) von 2001, in welchem dem Land für Dezember 2016 die Anerkennung als Marktwirtschaft versprochen worden sei.
Ob sich die EU rein rechtlich der vertraglichen Zusage werde entziehen können, sei fraglich, auch wenn die EU-Abgeordneten im Mai wegen chinesischer Billigimporte gegen eine Einstufung Chinas als Marktwirtschaft votiert hätten.
Obwohl in den vergangenen Wochen immer nur noch nach Großbritannien geblickt werde, sei auch an der "Großbaustelle Griechenland" weiterhin nicht alles zum Besten gerichtet. Eigentlich könnte man auch konstatieren: "Alles beim Alten". Doch die Zeit dränge, denn Griechenland sei auf die Auszahlung von 10,3 Mrd. Euro angewiesen. Die in diesem Zusammenhang von den Gläubigern geforderten Steuererhöhungen sehe der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras als das größte Risiko für die bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogene hellenische Wirtschaft an. So werde auch für das laufende Jahr von einer Schrumpfung des BIP um 0,3% ausgegangen. Jede Steuererhöhung, jede Verzögerung bei Reformvorhaben und Privatisierungen lasse die Zuversicht an ein Überwinden der Krise schwinden.
Aus diesem Grund werde inzwischen seitens der griechischen Notenbank vehement ein Entgegenkommen der europäischen Partner in Form von Schuldenerleichterung und einer geringeren Vorgabe beim Überschuss des Primärhaushalts gefordert. Die bisher von Griechenland geforderten 3,5% würden nur von wenigen Euroländern selbst erreicht, weshalb eine Reduzierung auf 2% zumindest aus Sicht Athens rechtens erscheine.
Diese Forderung komme aus Sicht der EU-Staaten zu einer Unzeit, denn im Falle einer Zersplitterung der Europäischen Union wären die Pakete der einzelnen Mitgliedsländer nicht nur neu zu schnüren, sondern auch nicht unwesentlich schwerer.
Das aktuell historisch tiefe Zinsumfeld und die Ankündigungen der EZB, nun auch in großem Stil Corporate Bonds anzukaufen, ermutige auch den ein oder anderen bisher unbekannteren Emittenten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen.
So unter anderem auch Southern Power. Der US-amerikanische Versorger habe in Euro debütiert und gleich einen Anleihen-Doppelpack mit 1,1 Mrd. Euro emittiert. Bei der ersten Tranche handle es sich um eine sechsjährige Anleihe (ISIN XS1434560642 / WKN A1828W) im Gesamtvolumen von 600 Mio. Euro. Die nominale Verzinsung betrage 1% p.a. bis zum Laufzeitende am 20.06.2022. Der Ausgabepreis habe bei 99,342% (+105 bps über Mid Swap) gelegen. Das zweite Papier (ISIN XS1435056426 / WKN A1828X) sei 500 Mio. Euro schwer und biete dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,85% bis zur Fälligkeit am 20.06.2026. Ausgegeben worden sei die Anleihe zu 99,855% und somit bei +140 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen habe sich das Unternehmen zur Festschreibung der Mindeststückelung auf 100.000 Euro und eines vorzeitigen Kündigungsrecht zugunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) entschieden.
Ebenso aktiv sei das amerikanische Bekleidungsunternehmen PVH Corporation gewesen und habe eine achtjährige 350 Mio. Euro schwere Anleihe (ISIN XS1435229460 / WKN A183EC) mit Laufzeitende am 15.07.2024 aufgelegt. Der Investor erhalte eine Verzinsung in Höhe von 3,625% jährlich. Die Anleihe sei zu 100% emittiert worden (+386 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei dieser Anleihe sei die Mindeststückelung von 100.000 Euro durch den Emittenten gewählt worden.
Aber nicht nur neue Emittenten würden die Gunst der Stunde nutzen. Die auch bei vielen Privatanlegern bekannte Otto GmbH & Co KG habe sich ebenfalls zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt entschieden. Hierbei sei eine am 16.06.2023 fällige Anleihe (ISIN XS1433512891 / WKN A2AAWQ) im Volumen von 250 Mio. Euro aufgelegt worden. Die jährliche Verzinsung belaufe sich auf 2,5% und bei einem Ausgabepreis von 99,21% habe sich ein Emissionsspread von +245 bps über Mid Swap ergeben. In diesem Falle sei neben der inzwischen weit verbreiteten Make-Whole-Option auch die bei Privatanlegern beliebte Mindeststückelung von 1.000 Euro gewählt worden.
Es sei vollbracht. Sicherlich habe am Dienstag der Finanzminister Wolfgang Schäuble in seiner schwäbischen Heimat ein "Viertele" auf das Erreichen bzw. kurzzeitige Unterschreiten der Nulllinie bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen getrunken. In der Spitze habe das Sorgenbarometer bei 165,61% notiert und sei im Zuge der Brexit-Diskussion seiner in der europäischen Finanzkrise verliehenen Bezeichnung gerecht worden.
Nach Erreichen der in Aussicht gestellten Ziellinie würden sich allerdings jetzt alle Marktbeobachter fragen: "Und nun?" Die Beantwortung dieser Frage sei aber nicht eindeutig möglich, da zu viele unbekannte Größen die Lösung der Gleichung verhindern würden. Das sei in der Mathematik auch nicht anders. Doch sei mit einem kräftigen Anstieg der Zinsen auch in naher Zukunft nicht zu rechnen, da die Notenbanken weiterhin u.a. durch das Ankaufprogramm für eine künstliche Nachfrage sorgen würden und so die Renditen - aus Sicht der Investoren - im "Würgegriff" hätten. In diesem Zusammenhang werde immer wieder auf das anstehende EU-Referendum verwiesen, dessen Ausgang zu Verwerfungen führen und massive Interventionen seitens der Notenbanken auf den Plan rufen werde.
In solchen Zeiten biete die Chartanalyse eine Möglichkeit, neutral den Kursverlauf des Euro-Bund-Future zu bewerten. Hieraus ergebe sich eine erste Unterstützungslinie bei 165,10%. Sollte das Rentenbarometer allerdings unter die psychologisch wichtige Marke von 165% fallen, so sei eine Korrektur bis in den Bereich von 164,20% möglich. Nach oben werde vorerst der bisherige Höchstkurs bei 165,61% das Maß aller Dinge bleiben. Aktuell notiere der September-Kontrakt bei 165,38%.
In dieser Woche hätten sich die Eurostaaten Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien am Kapitalmarkt präsent gezeigt und diverse Altemissionen aufgestockt. Hierbei sei besonders das Auftreten Finnlands, welches das Volumen der zehnjährigen Anleihe (ISIN FI4000197959 / WKN A18YM5) um 1 Mrd. Euro zu einer Rendite von 0,311% auf insgesamt 5 Mrd. Euro erweitert habe, zu nennen. Deutschland habe im gleichen Laufzeitsegment das bisherige Emissionsvolumen um 4 Mrd. Euro auf insgesamt 26 Mrd. Euro erhöhen können. Hierbei sei die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe (lediglich Gebote für 3,656 Mrd. Euro) zu einer Durchschnittsrendite von 0,005% erfolgt.
In den USA seien in dieser Handelswoche nur Geldmarkttitel den interessierten Investoren zum Kauf angeboten worden. Das Gesamtvolumen von 102 Mrd. USD ergebe sich durch T-Bills mit einer Laufzeit von vier Wochen für 45 Mrd. USD, von drei Monaten für 31 Mrd. USD und von sechs Monaten für 26 Mrd. USD. In der kommenden Woche dürfen sich Anleger sogar der gesamten Angebotspalette (vier Wochen bis 30 Jahre als TIPS) erfreuen.
Die Europameisterschaft in Frankreich laufe bereits seit fast einer Woche und die bisherige Erkenntnis laute: Die Favoriten würden sich abmühen und die Underdogs würden für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Am Devisenmarkt hingegen würden größere Überraschungen noch ausbleiben. So sei beim Währungspaar EUR/USD momentan kein eindeutiger Favorit auszumachen. Sei in der Vorwoche der europäische Part noch klar auf der Siegerstraße gewesen, so sehe das Bild in dieser Woche wiederum ganz anders aus. Die europäische Gemeinschaftswährung sei in den vergangenen Handelstagen von ihrem Hoch bei 1,1415 USD bis auf 1,1186 USD zurückgefallen. Starke Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz hätten den US-Dollar gestützt und den Euro unter Druck gesetzt. In der Woche zuvor seien es noch schwache US-Arbeitsmarktdaten gewesen, die für ein gänzlich umgekehrtes Kursbild gesorgt hätten. Aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten bleibe die Stimmung angespannt und nervös. So werde sich beim europäisch/amerikanischen Devisenpaar womöglich noch mehrfach die Pole-Position ändern. Nach der gestrigen nicht erhellenden FOMC-Sitzung handle der Euro heute Morgen bei 1,1275 USD.
Im Vorfeld der Abstimmung Großbritanniens zum Verbleib in der EU würden die Anleger größtenteils das Britische Pfund meiden. Daher habe sich das Pfund-Sterling gegenüber dem Euro verbilligt und zuletzt bei 0,7965 GBP notiert, nachdem Ende Mai noch Devisenkurse von 0,7573 GBP festgestellt worden seien.
Zu den favorisierten Währungsanleihen hätten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds gezählt, aber auch Anleihen auf Australische Dollar, Norwegische Kronen und Brasilianische Real hätten ihre Käufer gefunden.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Informationen wurden von uns sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie, für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für dessen zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Bereitstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Für alle Hyperlinks gilt: Die Baader Bank erklärt ausdrücklich, keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten zu haben. Daher distanziert sich die Baader Bank von den Inhalten der verlinkten Seiten und macht sich deren Inhalte ausdrücklich nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle in den Seiten vorhandenen Hyperlinks, ob angezeigt oder verborgen, und für alle Inhalte der Seiten, zu denen diese Hyperlinks führen.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltener weiteren Links übernehmen.
Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader und Dieter Brichmann. (17.06.2016/alc/a/a)
Am Dienstag hätten "Bunds" mit zehnjähriger Laufzeit in der Spitze mit minus 0,034% rentiert. Auch eine Bundesanleihe (ISIN DE0001135044 / WKN 113504) mit elf Jahren Laufzeit (7/2027), die bei rund 172,65% notiere, habe mit ca. minus 0,06% ebenfalls eine negative Rendite ausgewiesen. Zwischenzeitlich habe das Pendel zwar wieder leicht zurückgeschlagen, aber Fakt sei, dass die Rendite von "Bunds" mit einer Restlaufzeit von etwas über zehn Jahren derzeit um die Nulllinie schwanke. Erst Laufzeiten von mehr als 13 Jahren würden leicht positiv rentieren, wie ein Titel (ISIN DE0001135143 / WKN 113514) mit Fälligkeit 1/2030 zeige, der eine Mini-Rendite von 0,02% abwerfe.
Eine Hauptursache der negativen Zinsentwicklung sei in der um sich greifenden Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zu sehen. Die Unsicherheit, die ein Brexit mit sich bringen würde, veranlasse Anleger dazu, Aktien abzustoßen und in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen stabiler Länder zu fliehen. Genährt werde die Angst vor dem Brexit durch jüngste Umfragen, welche eine Mehrheit für den Austritt am 23. Juni, dem Tag des Referendums, widerspiegeln würden.
Negative Zinsen würden aus Sicherheitsgründen offenbar in Kauf genommen. Die Risikolaune der Investoren, welche die Aktienmärkte noch bis Mitte vergangener Woche beflügelt habe, sei also verflogen. Und nun kollidiere die Nachfrage der Anleger am Rentenmarkt mit der der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem Ankaufprogramm die Renditen am Markt ohnehin schon kräftig nach unten gedrückt habe. Parallel zu den Renditen der Bundesanleihen seien auch die Devisenkurse von Euro und Pfund Sterling abgerutscht.
Doch neben der Brexit-Angst sei es auch eine allgemeine Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft, die sich wiederum in einem Nachgeben der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises, widerspiegle. Unterm Strich sei daher nicht zu erwarten, dass die negative Renditeentwicklung das Ende der Fahnenstange erreicht habe, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) beteuere, sich der Grenzen ihrer Negativzinspolitik bewusst zu sein. "Wir haben nicht vor, die gegenwärtigen Levels dramatisch zu verändern", habe der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio diese Woche verlauten lassen. Dennoch sei davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Euro-Staatsanleihen durch das Ankaufprogramm der EZB, das mindestens bis Frühjahr 2017 laufe, hoch bleiben werde. Nicht umsonst prüfe die Commerzbank, ob sie einen Teil des Bargelds künftig in Tresoren einlagern solle, anstatt es bei der EZB mit minus 0,4% anzulegen.
Natürlich begünstige eine negative Rendite bei Bundesanleihen zunächst den Bundesfinanzminister, der beim Schuldenmachen nun eben auch im zehnjährigen Bereich Geld verdiene. Allerdings zeige es auch, dass die Kapitalmärkte nicht mehr funktionieren würden, was unter anderem Versicherer und Pensionsfonds noch stärker unter Druck setze. So erachte der Branchenverband der Versicherungen (GDV) die stark gefallenen Renditen als eines der größten Stabilitätsrisiken überhaupt.
Bereits seit März würden sich auch die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen im Minus-Bereich (aktuell: -0,209%) befinden. In der Schweiz liege die Rendite für Zehnjährige mit -0,553% sogar noch deutlicher unter Null.
So, wie es aussehe, hätten die Befürworter eines Brexits in den Umfragen mehr als nur die Nase vorn. Würden die Briten am 23. Juni tatsächlich den Austritt aus der EU beschließen, so werde dies wohl zu einem Schicksalstag für Europa werden.
Fest stehe, dass der Austritt neben den konkret neu zu regulierenden Beziehungen zwischen EU und UK gravierende Konsequenzen für ganz Europa haben würde. Schwächeres Wachstum und weniger Handel dürften die Folgen sein. Die Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zu Großbritannien würde sicherlich zu einer Zurückhaltung bei Investoren führen.
Die Crux der Brexit-Gegner scheine zu sein, dass sie es bisher kaum geschafft hätten, positive Gründe zugunsten eines Verbleibs in der EU vorzubringen. Vielmehr würden sich ihre Argumente im Stile einer Angstkampagne so lesen, als müsse das Vereinigte Königreich über die Apokalypse oder den Verbleib in einem Staatenbund abstimmen.
Und den dürfe ein Land laut Artikel 50 des Vertrags von Lissabon auch wieder verlassen. Eine Neuordnung der britischen Beziehungen zur EU nach einem EU-Austritt würde laut EU-Ratspräsident Donald Tusk bis zu sieben Jahre in Anspruch nehmen. Allein eine Auflösung aller vertraglichen Verbindungen würde zwei Jahre dauern. Jedes einzelne der dann 27 EU-Mitgliedsländer sowie das Europäische Parlament müssten anschließend einer ausgehandelten Neuordnung zustimmen. "Das wird mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, und ich fürchte, ohne jede Erfolgsgarantie", habe Tusk der "Bild" gesagt.
Und wie könnte sich der Virus des Brexit auf andere Mitgliedsstaaten auswirken? Wäre es möglich, dass bei einem Votum zugunsten des Brexits noch mehr Länder dem Beispiel eines Referendums folgen wollten? Er könne jedenfalls nicht ausschließen, dass der britische Austritt Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern. Dies habe vor kurzem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eingeräumt. Vielleicht würde ja eine Wirtschaftskrise in Großbritannien, zu der es als Folge des Brexits kommen würde, Nachahmer von der Austrittsidee wieder abschrecken und sie gegen den Brexit-Virus immunisieren. Es könnte aber auch anders kommen.
Der Donnerstag stehe ganz im Zeichen dreier Notenbanken. Bereits am Mittwochabend habe im Anschluss an eine zweitägige FED-Sitzung eine Pressekonferenz der Präsidentin der amerikanischen Notenbank (FED), Janet Yellen, stattgefunden. Und am Donnerstag werde es auch die turnusgemäße Sitzung bei der Bank of England geben, der im Hinblick auf das anstehende Brexit-Referendum große Bedeutung zukomme.
Im Vorfeld habe bereits in den frühen Morgenstunden die Bank of Japan (BoJ) von weiteren geldpolitischen Anreizen abgesehen, was bei Investoren für Enttäuschung gesorgt habe.
Mit einem einstimmigen Beschluss habe die FED den Reigen eröffnet. Die Zinsen würden auf dem bisherigen Niveau verbleiben und wider Erwarten seien in der anschließenden Pressekonferenz weder der Brexit noch andere spezifische Risiken erwähnt worden. Mit verantwortlich für diesen Entscheid seien sicherlich die schwachen US-Arbeitsmarktdaten und auch die gestrigen Daten zur Industrieproduktion gewesen. Es scheine so, als würden die US-Notenbanker immer mehr von ihrem ursprünglichen Plan Abstand nehmen und eine mögliche Zinserhöhung erst im September wieder auf der Agenda stehen.
Bei der Bank of England (BoE) beschäftige man sich allerdings nicht mit einer möglichen Zinsanhebung, die vor vielen Monaten in England immer wieder heiß diskutiert worden sei, sondern mit den Auswirkungen eines möglichen Brexits. Eine Warnung der Notenbanker gelte als sehr wahrscheinlich, da die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien vorerst nicht zu überblicken seien. Allem Anschein nach würden nur die negativen Folgen von den Brexit-Gegnern thematisiert, und eine positive Herausstellung von den Vorteilen einer Mitgliedschaft finde nicht statt.
Man dürfe gespannt sein, ob auch in diesem Fall wieder die Notenbanker die eigentliche Arbeit der vom Volk gewählten Vertreter übernehmen und die Vorteile beim Namen nennen würden. Sicherlich werde sich die BoE mit entsprechenden Maßnahmen darauf vorbereiten, sollte es am kommenden Donnerstag, dem Tag der Wahrheit, zu großen Marktturbulenzen kommen. So könnte auch die Wiederbelebung des bestehenden QE-Programms eine Option sein. Die Bekanntgabe eines solchen Beratungsergebnisses würde sicherlich im Vorfeld des Referendums einer Beruhigungspille für die Finanzmärkte gleichkommen.
Die Bundesbank wolle dem Internationalen Währungsfonds (IWF) demnächst auslaufende Kredite nicht so ohne weiteres verlängern. Von Oktober an würden nach und nach bilaterale Kreditlinien zwischen dem Fonds und seinen Mitgliedsländern im Umfang von 430 Mrd. USD auslaufen. Der Betrag sei von den Zentralbanken mehrerer Industriestaaten dem IWF während der Hochphase der Eurokrise für Notfälle zur Verfügung gestellt worden.
Dem IWF wäre es nun am liebsten, wenn diese Gelder einfach verlängert würden. Dieser Wunsch stoße aber bei der Bundesbank auf wenig Gegenliebe. Die aktuelle Ressourcenausstattung des Fonds sei recht komfortabel, habe Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem "Handelsblatt" gesagt. Immerhin seien die regulären Mittel für den Fonds erst kürzlich erhöht worden. Zusammen mit Mitteln aus regulären Kreditvereinbarungen verfüge der IWF über 930 Mrd. USD Eigenkapital, von denen 650 Mrd. USD für weltweite Kriseneinsätze sofort verfügbar seien.
Die Bundesbank, welche sich mit 41,5 Mrd. Euro an den bilateralen Krediten beteiligt habe, wolle den Fonds nach eigenen Worten nicht knapp halten. Sie wolle aber lieber die regulären Mittel, also die Quoten, die jedes Mitgliedsland aufbringt, weiter erhöhen. Dadurch wären auch die USA, der größte IWF-Aktionär, wieder mit von der Partie. Schließlich seien die bilateralen Kredite nur deshalb gewährt worden, weil die USA fünf Jahre lang eine Quotenerhöhung blockiert hätten. Weil dies nun nicht mehr der Fall sei, wolle die Bundesbank wieder zurück zu regulären Finanzierungsmitteln. Es handle sich also eigentlich nicht um einen Streit zwischen IWF und Bundesbank, sondern um den Versuch der Bundesbank die USA bei der IWF-Finanzierung wieder stärker ins Obligo zu nehmen.
Die Volksrepublik China wolle von der EU als Marktwirtschaft anerkannt werden. Dieser Status sei dem Reich der Mitte in einem vor 15 Jahren geschlossenen Vertrag in Aussicht gestellt worden. Nun würden die Chinesen drohen, falls China die Anerkennung verweigert werde, könnte dies in einen Handelskrieg münden.
Hintergrund des Disputs sei der Umstand, dass die Gewährung des Marktwirtschaftsstatus China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen würde, die unter anderem in der Stahlkrise relevant geworden seien. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe dem "Spiegel" gesagt, China könne den Status einer Marktwirtschaft erst erhalten, wenn es sich auch so verhalte. Peking berufe sich bei seiner Forderung auf Artikel 15 des Vertrags für den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) von 2001, in welchem dem Land für Dezember 2016 die Anerkennung als Marktwirtschaft versprochen worden sei.
Ob sich die EU rein rechtlich der vertraglichen Zusage werde entziehen können, sei fraglich, auch wenn die EU-Abgeordneten im Mai wegen chinesischer Billigimporte gegen eine Einstufung Chinas als Marktwirtschaft votiert hätten.
Obwohl in den vergangenen Wochen immer nur noch nach Großbritannien geblickt werde, sei auch an der "Großbaustelle Griechenland" weiterhin nicht alles zum Besten gerichtet. Eigentlich könnte man auch konstatieren: "Alles beim Alten". Doch die Zeit dränge, denn Griechenland sei auf die Auszahlung von 10,3 Mrd. Euro angewiesen. Die in diesem Zusammenhang von den Gläubigern geforderten Steuererhöhungen sehe der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras als das größte Risiko für die bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogene hellenische Wirtschaft an. So werde auch für das laufende Jahr von einer Schrumpfung des BIP um 0,3% ausgegangen. Jede Steuererhöhung, jede Verzögerung bei Reformvorhaben und Privatisierungen lasse die Zuversicht an ein Überwinden der Krise schwinden.
Diese Forderung komme aus Sicht der EU-Staaten zu einer Unzeit, denn im Falle einer Zersplitterung der Europäischen Union wären die Pakete der einzelnen Mitgliedsländer nicht nur neu zu schnüren, sondern auch nicht unwesentlich schwerer.
Das aktuell historisch tiefe Zinsumfeld und die Ankündigungen der EZB, nun auch in großem Stil Corporate Bonds anzukaufen, ermutige auch den ein oder anderen bisher unbekannteren Emittenten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen.
So unter anderem auch Southern Power. Der US-amerikanische Versorger habe in Euro debütiert und gleich einen Anleihen-Doppelpack mit 1,1 Mrd. Euro emittiert. Bei der ersten Tranche handle es sich um eine sechsjährige Anleihe (ISIN XS1434560642 / WKN A1828W) im Gesamtvolumen von 600 Mio. Euro. Die nominale Verzinsung betrage 1% p.a. bis zum Laufzeitende am 20.06.2022. Der Ausgabepreis habe bei 99,342% (+105 bps über Mid Swap) gelegen. Das zweite Papier (ISIN XS1435056426 / WKN A1828X) sei 500 Mio. Euro schwer und biete dem Anleger eine jährliche Verzinsung in Höhe von 1,85% bis zur Fälligkeit am 20.06.2026. Ausgegeben worden sei die Anleihe zu 99,855% und somit bei +140 bps über Mid Swap. Bei beiden Anleihen habe sich das Unternehmen zur Festschreibung der Mindeststückelung auf 100.000 Euro und eines vorzeitigen Kündigungsrecht zugunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) entschieden.
Ebenso aktiv sei das amerikanische Bekleidungsunternehmen PVH Corporation gewesen und habe eine achtjährige 350 Mio. Euro schwere Anleihe (ISIN XS1435229460 / WKN A183EC) mit Laufzeitende am 15.07.2024 aufgelegt. Der Investor erhalte eine Verzinsung in Höhe von 3,625% jährlich. Die Anleihe sei zu 100% emittiert worden (+386 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei dieser Anleihe sei die Mindeststückelung von 100.000 Euro durch den Emittenten gewählt worden.
Aber nicht nur neue Emittenten würden die Gunst der Stunde nutzen. Die auch bei vielen Privatanlegern bekannte Otto GmbH & Co KG habe sich ebenfalls zur Mittelaufnahme am Kapitalmarkt entschieden. Hierbei sei eine am 16.06.2023 fällige Anleihe (ISIN XS1433512891 / WKN A2AAWQ) im Volumen von 250 Mio. Euro aufgelegt worden. Die jährliche Verzinsung belaufe sich auf 2,5% und bei einem Ausgabepreis von 99,21% habe sich ein Emissionsspread von +245 bps über Mid Swap ergeben. In diesem Falle sei neben der inzwischen weit verbreiteten Make-Whole-Option auch die bei Privatanlegern beliebte Mindeststückelung von 1.000 Euro gewählt worden.
Es sei vollbracht. Sicherlich habe am Dienstag der Finanzminister Wolfgang Schäuble in seiner schwäbischen Heimat ein "Viertele" auf das Erreichen bzw. kurzzeitige Unterschreiten der Nulllinie bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen getrunken. In der Spitze habe das Sorgenbarometer bei 165,61% notiert und sei im Zuge der Brexit-Diskussion seiner in der europäischen Finanzkrise verliehenen Bezeichnung gerecht worden.
Nach Erreichen der in Aussicht gestellten Ziellinie würden sich allerdings jetzt alle Marktbeobachter fragen: "Und nun?" Die Beantwortung dieser Frage sei aber nicht eindeutig möglich, da zu viele unbekannte Größen die Lösung der Gleichung verhindern würden. Das sei in der Mathematik auch nicht anders. Doch sei mit einem kräftigen Anstieg der Zinsen auch in naher Zukunft nicht zu rechnen, da die Notenbanken weiterhin u.a. durch das Ankaufprogramm für eine künstliche Nachfrage sorgen würden und so die Renditen - aus Sicht der Investoren - im "Würgegriff" hätten. In diesem Zusammenhang werde immer wieder auf das anstehende EU-Referendum verwiesen, dessen Ausgang zu Verwerfungen führen und massive Interventionen seitens der Notenbanken auf den Plan rufen werde.
In solchen Zeiten biete die Chartanalyse eine Möglichkeit, neutral den Kursverlauf des Euro-Bund-Future zu bewerten. Hieraus ergebe sich eine erste Unterstützungslinie bei 165,10%. Sollte das Rentenbarometer allerdings unter die psychologisch wichtige Marke von 165% fallen, so sei eine Korrektur bis in den Bereich von 164,20% möglich. Nach oben werde vorerst der bisherige Höchstkurs bei 165,61% das Maß aller Dinge bleiben. Aktuell notiere der September-Kontrakt bei 165,38%.
In dieser Woche hätten sich die Eurostaaten Deutschland, Finnland, Frankreich und Italien am Kapitalmarkt präsent gezeigt und diverse Altemissionen aufgestockt. Hierbei sei besonders das Auftreten Finnlands, welches das Volumen der zehnjährigen Anleihe (ISIN FI4000197959 / WKN A18YM5) um 1 Mrd. Euro zu einer Rendite von 0,311% auf insgesamt 5 Mrd. Euro erweitert habe, zu nennen. Deutschland habe im gleichen Laufzeitsegment das bisherige Emissionsvolumen um 4 Mrd. Euro auf insgesamt 26 Mrd. Euro erhöhen können. Hierbei sei die Zuteilung der technisch unterzeichneten Anleihe (lediglich Gebote für 3,656 Mrd. Euro) zu einer Durchschnittsrendite von 0,005% erfolgt.
In den USA seien in dieser Handelswoche nur Geldmarkttitel den interessierten Investoren zum Kauf angeboten worden. Das Gesamtvolumen von 102 Mrd. USD ergebe sich durch T-Bills mit einer Laufzeit von vier Wochen für 45 Mrd. USD, von drei Monaten für 31 Mrd. USD und von sechs Monaten für 26 Mrd. USD. In der kommenden Woche dürfen sich Anleger sogar der gesamten Angebotspalette (vier Wochen bis 30 Jahre als TIPS) erfreuen.
Die Europameisterschaft in Frankreich laufe bereits seit fast einer Woche und die bisherige Erkenntnis laute: Die Favoriten würden sich abmühen und die Underdogs würden für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Am Devisenmarkt hingegen würden größere Überraschungen noch ausbleiben. So sei beim Währungspaar EUR/USD momentan kein eindeutiger Favorit auszumachen. Sei in der Vorwoche der europäische Part noch klar auf der Siegerstraße gewesen, so sehe das Bild in dieser Woche wiederum ganz anders aus. Die europäische Gemeinschaftswährung sei in den vergangenen Handelstagen von ihrem Hoch bei 1,1415 USD bis auf 1,1186 USD zurückgefallen. Starke Zahlen zum US-Einzelhandelsumsatz hätten den US-Dollar gestützt und den Euro unter Druck gesetzt. In der Woche zuvor seien es noch schwache US-Arbeitsmarktdaten gewesen, die für ein gänzlich umgekehrtes Kursbild gesorgt hätten. Aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten bleibe die Stimmung angespannt und nervös. So werde sich beim europäisch/amerikanischen Devisenpaar womöglich noch mehrfach die Pole-Position ändern. Nach der gestrigen nicht erhellenden FOMC-Sitzung handle der Euro heute Morgen bei 1,1275 USD.
Im Vorfeld der Abstimmung Großbritanniens zum Verbleib in der EU würden die Anleger größtenteils das Britische Pfund meiden. Daher habe sich das Pfund-Sterling gegenüber dem Euro verbilligt und zuletzt bei 0,7965 GBP notiert, nachdem Ende Mai noch Devisenkurse von 0,7573 GBP festgestellt worden seien.
Zu den favorisierten Währungsanleihen hätten in dieser Woche abermals die US-Dollar Bonds gezählt, aber auch Anleihen auf Australische Dollar, Norwegische Kronen und Brasilianische Real hätten ihre Käufer gefunden.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Informationen wurden von uns sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie, für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für dessen zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Bereitstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Für alle Hyperlinks gilt: Die Baader Bank erklärt ausdrücklich, keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten zu haben. Daher distanziert sich die Baader Bank von den Inhalten der verlinkten Seiten und macht sich deren Inhalte ausdrücklich nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle in den Seiten vorhandenen Hyperlinks, ob angezeigt oder verborgen, und für alle Inhalte der Seiten, zu denen diese Hyperlinks führen.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltener weiteren Links übernehmen.
Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader und Dieter Brichmann. (17.06.2016/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,2472 € | 125,1945 € | 0,0527 € | +0,04% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




