Bund-Future: Wo bleibt die Wende?


13.10.23 11:25
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Rendite deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichte Anfang Oktober mit 2,96 Prozent den höchsten Stand seit 2011, so Marktexperte Ronald Gehrt in einer aktuellen Analyse für den Online-Broker LYNX.

Und die EZB habe zuletzt angedeutet, dass der Leitzins sein Hoch erreicht habe. Das müsste doch reichen für die Aufwärtswende des Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)? Dieser Frage widme sich Ronald Gehrt.

"Wer am Anleihemarkt aktiv tradet, nutzt dafür meist den Bund-Future, das Barometer für zehnjährige deutsche Bundesanleihen am Futures-Markt. Dieser Bund-Future bildet den Kurs solcher Anleihen ab, was wie bei den Anleihen selbst bedeutet: Steigen die Renditen der Anleihen, fällt der Kurs. Fallen diese Renditen, steigt der Bund-Future. Und eigentlich, so dachten zumindest viele Anleger, müsste doch die Andeutung der EZB im Zuge ihrer jüngsten Sitzung Mitte September ausreichend gewesen sein, um eine Wende der schon so lange gestiegenen Renditen nach unten und damit des Bund-Future nach oben zu bewirken," fasse Gehrt die Lage zusammen.

Aber es sei anders gekommen. Der Bund-Future sei nur am 14. September gestiegen, dem Tag der Zinsentscheidung, und habe gleich am Folgetag eine Abwärtsbewegung begonnen, die ihn durch die bis dahin massiv wirkende Unterstützungszone zwischen 129,17 und 130,08 Prozent auf ein neues Jahrestief gedrückt habe. Am 4. Oktober sei mit 126,62 Prozent ein neues Tief im Abwärtszyklus erreicht worden, das dem oben genannten Hoch der Anleihe-Rendite von 2,96 Prozent entsprochen habe.

"Seither versucht man sich am Anleihemarkt an einer Bodenbildung des Future. Aber in dem Moment, in dem die Käufer Charthürden zu bezwingen hatten, ging ihnen die Luft aus, der Bund-Future scheiterte gestern an dieser Zone 129,17 zu 130,08 Prozent. Das - auf den Bund-Future und damit die Kurse bezogen - bärische Lager scheint ein Ende der Baisse nicht zulassen zu wollen." Für Gehrt stelle sich jedoch die Frage nach dem warum, wenn die EZB doch avisiert habe, man sei mit den Leitzinsen vermutlich oben?

Weil die großen Akteure am Bondmarkt nicht daran glauben würden, dass die Leitzinsen ihr Hoch bereits erreicht hätten, zumal der schnelle Abstieg der Geldmenge und das Quantitative Tightening der Notenbanken Geld knapper machen würden. Was dazu führe, dass, wer sich über Anleihen Geld besorgen wolle, höhere Zinsen bieten müsse, um auch genug von diesem Geld zu bekommen. Gerade gestern Abend sei das deutlich geworden, als das US-Finanzministerium bei einer Auktion neuer 30-jähriger Staatsanleihen einen überraschend teuren Zins von 4,837 Prozent habe zahlen müssen. Eine derart hohe Rendite über sagenhaft lange 30 Jahre, das sei so hoch wie zuletzt im Sommer 2007.

Dabei mache man derzeit keinen großen Unterschied zwischen den USA und der Eurozone, denn das Problem sei dasselbe: Die Inflation sei bislang nicht im Griff und das Risiko, dass sie sich auf zu hohem Niveau festsetze, wenn die Notenbanken nicht doch noch nachlegen würden, nicht zu unterschätzen. Und selbst, wenn der Leitzins nicht weiter steigen sollte, würde die Geldverknappung an sich erst einmal weitergehen. Das sei es, was den Bund-Future zuletzt gedrückt habe und was das bärische Lager dazu animiere, Gegenbewegungen nach oben zu kontern.

Der Bund-Future müsste über 133 Prozent schließen, erst dann ließe sich unterstellen, dass man hier eine Aufwärtswende sehe. Das hieße deutlich niedrigere Anleiherenditen und bärische Trader, die sich zurückgezogen hätten. Und in dem derzeitigen Umfeld wäre das ein eher steiniger Weg, während neue Tiefs im Bund-Future bzw. neue Hochs bei der Rendite der ihm zugrundeliegenden zehnjährigen Bundesanleihe alles wären, aber nicht unmöglich. (13.10.2023/alc/a/a)






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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 131,95 € 124,26 €