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China 2025: Droht die Deflationsfalle?


10.12.24 13:30
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Vieles in China erinnert derzeit an Japan nach 1990: In beiden Ländern sinken die Geburtenraten und in beiden sind Immobilienblasen geplatzt und haben die Verbraucher stark verunsichert, so Andrew Deback, Fondsmanager bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

In den 1980er Jahren habe Japan als wichtigster Rivale der USA gegolten, ähnlich wie China heute. Die Frage liege nahe: Werde China wie Japan Jahrzehnten der wirtschaftlichen Stagnation (inklusive Deflationsfalle) erleben?

Unvermeidlich sei eine solche Entwicklung nicht. Vor über einem Jahrzehnt habe Europa eine Schulden-Deflations-Spirale überwinden können, nicht zuletzt dank Mario Draghis mutiger "Whatever it takes"-Zusage. Werde Chinas Führung ähnlich entschlossen handeln?

Anstatt sich ausschließlich auf das BIP-Wachstum zu konzentrieren, betone Xi Technologie und Produktion. China beobachte den industriellen Niedergang in den USA und Europa als Folge des umfangreichen Outsourcings und setze stattdessen auf staatlich gelenkte Industriepolitik. Durch die kontinuierliche Ausweitung der Produktion wolle China die Effizienz steigern und die Kosten senken, um seine Position auf den globalen Märkten zu festigen. Chinas Wachstum sei daher zunehmend von Exporten abhängig, was auch seinen Handelspartnern nicht entgangen sei. Zum Beispiel stehe China kurz davor, Japan als weltweit größten Autoexporteur zu überholen, nicht zuletzt dank rasanter Fortschritte in der Batterietechnik.

Ein erheblicher Teil der chinesischen Exporte gehe heute in die ASEAN-Staaten und andere Schwellenländer. Chinas Fokus auf Fertigung und Exporte führe zu verstärkten Bemühungen, die Produktion wieder in Industrieländer zu verlagern. Die Drohungen des künftigen US-Präsidenten belegten diesen Trend. Allerdings flössen nicht einmal 15% der chinesischen Exporte in die USA (weniger als 3% des chinesischen BIP). Zudem könne China die Auswirkungen solcher Zölle abmildern, etwa über Währungsanpassungen, die Umgehung von Handelsbarrieren und die Umleitung von Exporten auf andere Märkte.

Wie gehe es weiter mit Chinas Wirtschaft? Die Sorgen seien berechtigt, doch auch die Widerstandskraft und strategische Entschlossenheit Chinas überzeugten. Das Land scheine auf dem Weg zu einer technologischen und produktionstechnischen Führungsmacht zu sein. Eine Deflationsspirale würde das Fortkommen auf diesem Weg behindern; die Regierung würde daher die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sinkende Preise zu verhindern. Man erwarte jedoch allmähliche und maßvolle geld- und fiskalpolitische Anreize, damit auf dem Aktien- und Immobilienmarkt keine neuen Blasen entstünden.

Die Konzentration auf das Produktivitätswachstum bei gleichzeitiger Vermeidung einer Deflationsspirale sollte dem langfristigen Wachstum zugutekommen. Da der Dienstleistungsbereich für Chinas Wirtschaft jedoch immer wichtiger werde, würden Spillover-Effekte aus den High-Tech-Sektoren für die Steigerung der Gesamtproduktivität von entscheidender Bedeutung sein, insbesondere was KI und Robotik angehe. Unternehmen seien auch in China als die Haupttreiber von Innovationen anerkannt und Marktbereinigungen steigerten die Produktivität langfristig zusätzlich.

Chinas strategische Neuausrichtung unterstreiche einen umfassenderen Wandel in der globalen wirtschaftlichen und politischen Landschaft. Ob dies zu einer erneuten Zusammenarbeit, Wachstum und Innovation oder zu weiteren Spannungen und protektionistischen Maßnahmen führe, bleibe abzuwarten. (10.12.2024/alc/a/a)