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China gibt Anlass zur Hoffnung - "Geldpolitischer Put" nach wie vor aktiv


07.05.19 15:18
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Laurent Clavel und Serge Pizem erläutern ihre makroökonomischen Überzeugungen und ihre Asset-Allokation für Mai, so die Experten von AXA Investment Managers.

Nach Auffassung von Laurent Clavel, Head of Research bei AXA Investment Managers, würden die Abschwünge im Welthandel und in China ihren Boden erreichen. Die Wirtschaft der Eurozone dürfte bald folgen, und in den USA dürfte sich das Wachstum milde verlangsamen.

Angesichts des nach wie vor aktiven "geldpolitischen Put" (lockere Haltungen der Notenbanken in den USA und Europa sowie fiskalischen Stimulationsmaßnahmen in China und der Eurozone) hätten die Experten auf Zeichen eines zyklischen Aufschwungs gewartet, was die Experten dazu gebracht habe, besonders auf China und den asiatischen Handel zu achten. Beide würden Anzeichen einer Bodenbildung zeigen. Das seien gute Nachrichten für die Eurozone, wo es bisher nur eine sehr zaghafte Erholung gegeben habe.

Das US-Wirtschaftswachstum sollte sich für das dritte Quartal in Folge verlangsamen. Zum Teil liege das an nur kurzfristig relevanten Faktoren. Dennoch nähere sich das Modell der Experten zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA beängstigend stark der Relevanzschwelle.

Der 'geldpolitische Put' sei nach wie vor aktiv. Dazu würden die drastische Reduzierung der Zahl möglicher Zinserhöhungen durch die FED ebenso wie die Ankündigung des vorzeitigen Endes der Schrumpfung der Bilanz der US-Notenbank, die wiedergefundene akkommodierende Haltung der Europäischen Zentralbank in Bezug auf ihre Forward Guidance und zusätzlich auch der signifikante Stimulus in China, der mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmache, sowie die etwas bescheideneren fiskalischen Maßnahmen in verschiedenen Staaten der Eurozone gehören. Dieses Maßnahmenbündel habe die Bühne bereitet für eine nachfolgende Beschleunigung der Konjunktur.

Die Hauptursachen für die Verlangsamung seien der Handel in Asien sowie China gewesen. Allerdings sollte die chinesische Nachfrage in den kommenden Monaten einen Boden finden. Die Experten würden zudem einen Anstieg der Kreditvergabe seit Januar beobachten, in der sich die Konjunkturmaßnahmen widerspiegeln würden. In der Vergangenheit habe dies nach etwa sechs Monaten einen Anstieg der tatsächlichen wirtschaftlichen Aktivität nach sich gezogen. Das sei beruhigend, denn die chinesischen Importe würden nach wie vor deutlich zurückgehen. Hinzu komme, dass das asiatische Exportwachstum ebenfalls seinen Boden zu finden scheine.

Die gegenwärtige Schwäche des globalen Handels erkläre auch die gedämpften Zahlen in Umfragen zur Industrieproduktion, darunter auch einige der jüngsten Befragungen aus den USA. Weil der Konsens zur makroökonomischen Lage der Eurozone sehr hoffnungsvoll gewesen sei (und zwar sowohl in Bezug auf das Timing als auch das Ausmaß), hätten die jüngsten europäischen Wirtschaftsumfragen ebenfalls die Erwartungen enttäuscht. Bisher seien die konjunkturellen Verbesserungen sehr bescheiden gewesen. Ein Anziehen der Aktivität in Asien und der globale Handel sollten aber in den nächsten Quartalen auch die Industrie-Indikatoren stützen. Noch wichtiger sei jedoch, dass der Optimismus der Wirtschaft im Dienstleistungssektor hoch geblieben sei und damit Sorgen über ein Übergreifen des Industrie-Abschwungs habe zerstreuen können.

Unterdessen sehe es aus, als würde sich die US-Wirtschaft das dritte Quartal nacheinander abschwächen und im ersten Quartal 2019 bei einem annualisierten Wachstum von etwa 1,5 Prozent landen. Die Experten würden diese Entwicklung dennoch für vorübergehend halten und damit rechnen, dass der Einzelhandel und staatliche Ausgaben die Konjunktur im zweiten Quartal - bei etwa 2,5 Prozent – stützen würden, während zugleich auch einige saisonale Einflüsse zum Tragen kommen würden.

Serge Pizem, Global Head of Multi-Asset Investments bei AXA IM, lege seine Ansichten zur Asset-Allokation für den Mai dar: "Insgesamt führt das Umfeld zu einem Risiko-Appetit, der nach wie vor begrenzt ist, aber steigt, inmitten des neuerlichen globalen Trends zu niedrigeren Zinsen insbesondere in Bezug auf Spread-Produkte wie US-High-Yield-Anleihen und Emerging-Markets-Anleihen. Im Aktienbereich übergewichten wir Emerging Markets und Banken aus der Eurozone, wo die Bewertungen in diesem im Jahr im Vergleich zu US-Aktien nur sehr zurückhaltend gestiegen sind. Wir behalten unsere neutrale Haltung in Bezug auf die Duration am globalen Anleihemarkt bei. Dies ist eine zurückhaltende Position, während wir auf einen möglichen Wendepunkt beim globalen Wirtschaftswachstum zusteuern, aber noch mehr Belege dafür benötigen, bevor wir noch vorsichtiger in Bezug auf die Duration werden."

Die Experten würden Emerging-Markets-Anlagen übergewichten, und zwar sowohl Anleihen als auch Aktien, weil eine lockerere FED, der Höhepunkt des US-Dollarkurse und geringere Bewertungen unterstützend wirken würden.

Die Experten würden eine neutrale Gewichtung von Staatsanleihen aus Kernländern der Eurozone beibehalten, weil ein geringes Wachstum und eine sinkende Inflation den Renditen Grenzen setzen sollten. Die Experten würden angesichts der erreichten Bewertungen und des geringeren erwarteten Gewinnwachstums vorsichtig in Bezug auf Aktien aus den USA und der Eurozone bleiben.

Die jüngste Stärke der Aktienmärkte sei vor allem durch bessere Wirtschaftsdaten aus China getrieben worden. Die Experten würden allerdings denken, dass eine Erholung des globalen Zyklus von Output und Handel wahrscheinlich nicht vor dem Sommer bestätigt werde.

Erstens bleibe die Situation insbesondere in Europa schwierig . Die Schwäche scheine in der deutschen Industrie besonders ausgeprägt zu sein, sei aber dennoch in der Region weit verbreitet.

Zweitens würden die grünen Triebe in China im Moment am meisten Anlass zur Hoffnung auf eine Erholung der Industrieproduktion in Europa geben. Allerdings gebe es normalerweise eine Verzögerung von sechs Monaten zwischen Turnarounds in China und Turnarounds in der europäischen Industrie. In der Zwischenzeit müssten sich die exportorientierten Unternehmen Europas mit weiteren Risiken, etwa steigenden Ölpreisen und möglichen US-Strafzöllen auf Autoexporte, auseinandersetzen.

Drittens habe die US-Wirtschaft die Effekte der globalen Wachstumsverlangsamung als letzte gespürt. Die dortige Konjunktur sollte sich mit dem Auslaufen der positiven Effekte der Trump'schen Steuergeschenke weiter abschwächen.

Die Bewertung der Aktienmärkte befinde sich nun wieder oberhalb des langfristigen Durchschnitts - und das in einem Umfeld, in dem die Dinge sich noch verschlechtern könnten, bevor sie sich wieder zum Guten wenden würden. Die Experten würden es daher vorziehen, ihre gegenwärtige neutrale Position bei Aktien beizubehalten und eine Übergewichtung von Anleihen einzugehen, wo sie Carry Trades in High-Yield-und Emerging-Markets-Anleihen bevorzugen würden. (07.05.2019/alc/a/a)