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Drastische Revision der Konjunkturprognose


20.12.21 08:45
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das ifo-Institut hat Mitte Dezember seine Prognose für das BIP-Wachstum 2022 von 5,2% auf 3,7% ungewöhnlich stark korrigiert, so Dr. Eberhardt Unger von fairesearch.

Eine solche Revision erfolge aufgrund außerordentlicher Einflüsse. Die Bundesbank sei für Deutschland noch vorsichtiger geworden.

Der ifo Geschäftsklimaindex sei im November auf 96,5 Punkte gefallen, nach 97,7 Punkten im Oktober. Die Unternehmen seien weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage gewesen. Zudem zeige sich zunehmender Pessimismus bei den Erwartungen. Lieferengpässe und die vierte Coronawelle würden den Unternehmen zu schaffen machen.

Besonders problematisch aber sei die Entwicklung der Teuerungsraten. In der Eurozone sei der Konsumentenpreisindex im November auf 4,9% von 4,1% im Oktober gestiegen. Preisindices, die dem Konsumentenniveau zeitlich vorauseilen würden, wie z.B. Rohstoffpreise, Energiepreise, Industrieerzeugerpreise, Großhandelspreise, würden keine Beruhigung der Teuerungswelle, sondern weitere Inflationsgefahren signalisieren. Diese seien deutlich höher als von den Börsen bisher angenommen.

Damit gerate die EZB in eine knifflige Lage. Solle sie ihre Geldpolitik an den Konjunkturerwartungen oder den Inflationsgefahren ausrichten? Mit ZIRP und NIRP habe sie viel zu lange gezögert, um sich an die Wirtschaftsentwicklung anzupassen. Jetzt würden Zinserhöhungen kaum mehr zur Konjunkturabschwächung passen. Doch werde sie diese nicht mehr allzu lange hinauszögern können. Steigende Soll-Zinsen seien eine besondere Last für die absurd hohe Staatsverschuldung. Der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) müsse vom neuen Haushalt finanziert werden, der aber schon genug unter Spannungen stehe. So nehme die EZB besonders auf die Südperipherie große Rücksicht.

In den USA, der neben China größten Volkswirtschaft der Welt, sei die Entwicklung ähnlich. Auch dort sei der Höhepunkt der Konjunkturerholung überschritten und die Preise würden anziehen. So würden die Produzentenpreise im November um 9,6% gegenüber dem Vorjahr steigen. Die Importpreise (im Chart 10%), die Energiepreise
und die Konsumentenpreise (+5,6%) würden ebenfalls weitere Inflationsgefahren signalisieren. Viel zu lange seien die Zinsen und Renditen durch die Politik der Notenbank zu niedrig gewesen, die Realverzinsung sogar negativ. Doch jetzt komme eine Wende.

Zu erwarten sei eine Wachstumsberuhigung bei gleichzeitig steigenden Inflationsraten. Die angekündigten sechs Leitzinserhöhungen durch die FED bis 2023 auf ca. 2,5 bis 3% würden die Zinsstruktur in Richtung Normalisierung verändern. Die EZB werde diesen Schritten vermutlich langsam folgen.

Disposition: Anlagen am Geldmarkt würden vorerst keine Realverzinsung bringen, würden sich aber als Warteposition eignen. Am Rentenmarkt würden Kursverluste drohen. Dem Aktienmarkt werde der bisherige Treibriemen durch die ultraexpansive Geldpolitik fehlen. Ob die Konjunkturentwicklung dies vollkommen kompensieren könne, bleibe ungewiss. Preise für Edelmetalle würden sich in einer Warteschleife befinden. Die leichten Zinserhöhungen stünden der inflationsgetriebenen Verteuerung aber kaum im Wege, da die Realverzinsung negativ bleibe. (Ausgabe vom 19.12.2021) (20.12.2021/alc/a/a)