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EUR-Anleihen unter Druck


06.03.26 12:07
Julius Bär Holding

Zürich (www.anleihencheck.de) - "Europäische Anleihen gerieten unter erheblichen Druck, da die tragischen Ereignisse im Nahen Osten zu einem starken Anstieg der Gaspreise führten", erklärt Mathieu Racheter, Head of Euqity Strategy Research bei Julius Bär.

Die Renditen in Euro seien sprunghaft angestiegen, wobei Bundesanleihen um rund 20 Basispunkte zugelegt hätten. Die Peripherieländer seien noch stärker betroffen gewesen. Obwohl Racheter die Sensibilität der Anleihemärkte zu Wochenbeginn unterschätzt habe, gehe er weiterhin davon aus, dass es zu keiner strukturellen Veränderung der Inflationsentwicklung kommen werde.

Die rasch zunehmenden Energieprobleme hätten dazu geführt, dass die Märkte nun mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung der EZB bis zum Jahresende einpreisten. Der erneute Anstieg der Energiepreise habe sich schnell auf die Rentenmärkte niedergeschlagen und habe insbesondere die längerfristige EUR-Duration unter Druck gesetzt. Entgegen seiner ursprünglichen Annahme spielten "sichere Häfen" offenbar eine weitaus geringere Rolle bei der Preisbildung an den Anleihemärkten.

Während die globalen Anleihemärkte einen schwierigen Start in die Woche gehabt hätten, habe es Mitte der Woche größere Unterschiede zwischen den Regionen gegeben. Bei US-Staatsanleihen habe sich der Ausverkauf trotz anfänglicher Schwäche zumindest verlangsamt. EUR-Anleihen seien hingegen dem Aufwärtsdruck der Energiemärkte ausgesetzt gewesen. Infolgedessen sei der Anstieg der EUR-Renditen sehr steil erschienen und sei dies auch bis Donnerstag geblieben.

Diese Entwicklung erscheine zwar außergewöhnlich, bleibe aber dennoch hinter dem Renditeverfall im Februar zurück. Gleichzeitig hätten Spekulationen über eine mögliche Energiekrise und die Reaktion der Zentralbanken an Bedeutung gewonnen.

Tatsächlich hätten sich die Erwartungen an die EZB stark verändert. Die Märkte seien schnell von einer "abwartenden Haltung" mit einer leicht lockeren Ausrichtung zu einer bedeutenden Wahrscheinlichkeit (jetzt über 80%) einer Leitzinserhöhung bis zum Jahresende übergegangen. Diese schnelle Kehrtwende sei bemerkenswert.

Rachters Arbeitshypothese bleibe unverändert: Er betrachte die aktuelle Situation nicht als Beginn einer starken stagflationären Energiekrise. In solchen angebotsgetriebenen Phasen hätten die Zentralbanken in der Regel nur begrenzten Spielraum, um mit einer strafferen Geldpolitik zu reagieren, wie die jüngsten Erfahrungen gezeigt hätten. Daher würde Racheter seine Strategie auch bei einem starken Aufwärtstrend der Renditen nicht ändern. Er behalte eine leichte Übergewichtung der Duration sowohl in EUR als auch in USD bei. Darüber hinaus würde er für Portfolios ohne ausreichendes Engagement die Entwicklung dieser Woche nutzen, um die Duration zu erhöhen, insbesondere in EUR. (06.03.2026/alc/a/a)