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EZB-Entscheidung: "Wir sind nicht kalenderfixiert, sondern datenabhängig"
26.01.24 13:45
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet, hat die EZB bei ihrer Sitzung am 25. Januar die Leitzinsen unverändert bei 4,00% (Einlagefazilität) und 4,50% (Hauptrefinanzierungssatz) gelassen, so Dr. Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank.
Auf die Frage, ob sie an ihrer Aussage festhalte, dass eine Zinssenkung erst im Sommer erfolgen werde, habe Christine Lagarde dies bestätigt. Sie habe jedoch auch betont, dass die EZB weiterhin datenabhängig handle, und auf neue Prognosen im März verwiesen. Damit habe sie darauf verzichtet, den Markterwartungen besonderes energisch zu widersprechen, die eine Zinssenkung bereits im April antizipieren würden. Die Analysten würden bei ihrer Prognose einer ersten Zinssenkung Anfang Juni bleiben (obwohl dann erst meteorologisch, aber noch nicht kalendarisch Sommer sei).
Insgesamt habe Lagarde nicht so sehr auf die Zinssenkung im Sommer bestanden. Sie habe allerdings auch nicht die Tür für eine Zinssenkung im April geöffnet. Die Analysten würden weiterhin für Juni eine Lockerung der Geldpolitik prognostizieren.
Die Ankündigungen im Einzelnen (Zitate in Anführungszeichen und von Christine Lagarde, es sei denn, es werde auf jemand anderen verwiesen):
Über Zinssenkungen und die Frage, ob Zinssenkungen erst im Sommer stattfinden würden: "... der Konsens (...) des EZB-Rats war, dass es verfrüht ist, über Zinssenkungen zu diskutieren." "Ich bleibe normalerweise bei meinen Äußerungen [über Zinssenkungen im Sommer]." "Wir sind nicht kalenderfixiert (...), sondern haben unsere Datenabhängigkeit bekräftigt."
Einordnung: Angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten aus Deutschland (der jüngst veröffentlichte ifo-Index sei am 25. Januar gesunken und die Einkaufsmanagerindices lägen weiterhin unter 50) habe Lagarde weniger entschlossen geklungen, sich gegen frühe Zinssenkungen auszusprechen.
Zur Inflationsentwicklung: "Sie werden gesehen haben, dass die Dezemberzahlen [höher] sind. [Aber ... das ändert nichts an der Ansicht (...), dass der Disinflationsprozess im Gange ist."
Einordnung: Auch hier sehe es so aus, als ob die Inflation für Lagarde weniger ein Problem darstelle.
Über Lieferkettenengpässe und deren Risiko für die Inflation: "Der Anteil der [See-]Frachtkosten liegt bei etwas mehr als 1,5% der Gesamtkosten." "Das hat eine moderate Auswirkung."
Einordnung: Offenbar wolle Lagarde die möglichen Auswirkungen der Probleme im Roten Meer auf die Inflation herunterspielen. Das sei vielleicht richtig, denn die (Fracht-)Schiffe würden mit einer höheren Geschwindigkeit fahren, wenn sie die Route um das Kap der Guten Hoffnung nehmen würden, wodurch sich die Reisezeit nur um sieben Tage verlängere (bei normaler Geschwindigkeit würde diese bis zu zehn Tage länger dauern). Die höheren Treibstoffkosten je Schiff von etwa 1 Mio. US-Dollar würden teilweise durch den Wegfall der Suezkanalgebühren ausgeglichen, die im Einzelfall leicht 0,5 Mio. US-Dollar übersteigen könnten.
Zu den Arbeitskosten: "Die hohe Lohnsteigerungsrate und die sinkende Arbeitsproduktivität halten den Preisdruck im Inland hoch, auch wenn diese beiden Faktoren nachzulassen beginnen. Gleichzeitig haben niedrigere Stückgewinne begonnen, den inflationären Effekt der steigenden Lohnstückkosten abzuschwächen."
Einordnung: Lagarde gehe in der Pressekonferenz mindestens fünf Minuten lang auf die Löhne und die entsprechenden Daten ein. Das zeige und bestätige, dass die Lohndaten bei der Entscheidungsfindung eine große Rolle spielen würden. Viele andere EZB-Mitglieder, darunter auch Chefvolkswirt Lane, hätten betont, dass bis Juni die relevanten Daten vorliegen sollten, sodass man dann besser verstehen könne, wohin sich die Löhne entwickelt hätten. Dies würde dafür sprechen, dass die erste Zinssenkung nicht vor Juni erfolgen werde.
Zum Wirtschaftswachstum: "Die Wirtschaft im Euroraum dürfte im letzten Quartal 2023 stagniert haben. Die eingehenden Daten signalisieren weiterhin Schwäche in der nahen Zukunft. Einige vorausschauende Indikatoren deuten jedoch auf eine Belebung des Wachstums in der Zukunft hin." "Die Risiken für das Wirtschaftswachstum sind nach wie vor eher abwärts gerichtet."
Einordnung: Die Sicht, dass sich das Wachstum beleben werde, klinge ziemlich optimistisch, was offenbar auf die jüngsten PMI-Indikatoren zurückzuführen sei, die sich aufgrund des Anstiegs des Index für das Verarbeitende Gewerbe etwas verbessert hätten. In der Tat sei der HCOB Flash PMI für das Verarbeitende Gewerbe nicht allzu schlecht gewesen, da der Gesamtindex zum dritten Mal in Folge gestiegen sei und auch der zusammengesetzte Produktionsindex einen Aufwärtstrend aufweise. Dennoch seien beide deutlich unter der Expansionsschwelle geblieben. (26.01.2024/alc/a/a)
Auf die Frage, ob sie an ihrer Aussage festhalte, dass eine Zinssenkung erst im Sommer erfolgen werde, habe Christine Lagarde dies bestätigt. Sie habe jedoch auch betont, dass die EZB weiterhin datenabhängig handle, und auf neue Prognosen im März verwiesen. Damit habe sie darauf verzichtet, den Markterwartungen besonderes energisch zu widersprechen, die eine Zinssenkung bereits im April antizipieren würden. Die Analysten würden bei ihrer Prognose einer ersten Zinssenkung Anfang Juni bleiben (obwohl dann erst meteorologisch, aber noch nicht kalendarisch Sommer sei).
Insgesamt habe Lagarde nicht so sehr auf die Zinssenkung im Sommer bestanden. Sie habe allerdings auch nicht die Tür für eine Zinssenkung im April geöffnet. Die Analysten würden weiterhin für Juni eine Lockerung der Geldpolitik prognostizieren.
Die Ankündigungen im Einzelnen (Zitate in Anführungszeichen und von Christine Lagarde, es sei denn, es werde auf jemand anderen verwiesen):
Über Zinssenkungen und die Frage, ob Zinssenkungen erst im Sommer stattfinden würden: "... der Konsens (...) des EZB-Rats war, dass es verfrüht ist, über Zinssenkungen zu diskutieren." "Ich bleibe normalerweise bei meinen Äußerungen [über Zinssenkungen im Sommer]." "Wir sind nicht kalenderfixiert (...), sondern haben unsere Datenabhängigkeit bekräftigt."
Einordnung: Angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten aus Deutschland (der jüngst veröffentlichte ifo-Index sei am 25. Januar gesunken und die Einkaufsmanagerindices lägen weiterhin unter 50) habe Lagarde weniger entschlossen geklungen, sich gegen frühe Zinssenkungen auszusprechen.
Einordnung: Auch hier sehe es so aus, als ob die Inflation für Lagarde weniger ein Problem darstelle.
Über Lieferkettenengpässe und deren Risiko für die Inflation: "Der Anteil der [See-]Frachtkosten liegt bei etwas mehr als 1,5% der Gesamtkosten." "Das hat eine moderate Auswirkung."
Einordnung: Offenbar wolle Lagarde die möglichen Auswirkungen der Probleme im Roten Meer auf die Inflation herunterspielen. Das sei vielleicht richtig, denn die (Fracht-)Schiffe würden mit einer höheren Geschwindigkeit fahren, wenn sie die Route um das Kap der Guten Hoffnung nehmen würden, wodurch sich die Reisezeit nur um sieben Tage verlängere (bei normaler Geschwindigkeit würde diese bis zu zehn Tage länger dauern). Die höheren Treibstoffkosten je Schiff von etwa 1 Mio. US-Dollar würden teilweise durch den Wegfall der Suezkanalgebühren ausgeglichen, die im Einzelfall leicht 0,5 Mio. US-Dollar übersteigen könnten.
Zu den Arbeitskosten: "Die hohe Lohnsteigerungsrate und die sinkende Arbeitsproduktivität halten den Preisdruck im Inland hoch, auch wenn diese beiden Faktoren nachzulassen beginnen. Gleichzeitig haben niedrigere Stückgewinne begonnen, den inflationären Effekt der steigenden Lohnstückkosten abzuschwächen."
Einordnung: Lagarde gehe in der Pressekonferenz mindestens fünf Minuten lang auf die Löhne und die entsprechenden Daten ein. Das zeige und bestätige, dass die Lohndaten bei der Entscheidungsfindung eine große Rolle spielen würden. Viele andere EZB-Mitglieder, darunter auch Chefvolkswirt Lane, hätten betont, dass bis Juni die relevanten Daten vorliegen sollten, sodass man dann besser verstehen könne, wohin sich die Löhne entwickelt hätten. Dies würde dafür sprechen, dass die erste Zinssenkung nicht vor Juni erfolgen werde.
Zum Wirtschaftswachstum: "Die Wirtschaft im Euroraum dürfte im letzten Quartal 2023 stagniert haben. Die eingehenden Daten signalisieren weiterhin Schwäche in der nahen Zukunft. Einige vorausschauende Indikatoren deuten jedoch auf eine Belebung des Wachstums in der Zukunft hin." "Die Risiken für das Wirtschaftswachstum sind nach wie vor eher abwärts gerichtet."
Einordnung: Die Sicht, dass sich das Wachstum beleben werde, klinge ziemlich optimistisch, was offenbar auf die jüngsten PMI-Indikatoren zurückzuführen sei, die sich aufgrund des Anstiegs des Index für das Verarbeitende Gewerbe etwas verbessert hätten. In der Tat sei der HCOB Flash PMI für das Verarbeitende Gewerbe nicht allzu schlecht gewesen, da der Gesamtindex zum dritten Mal in Folge gestiegen sei und auch der zusammengesetzte Produktionsindex einen Aufwärtstrend aufweise. Dennoch seien beide deutlich unter der Expansionsschwelle geblieben. (26.01.2024/alc/a/a)


