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EZB-Geldpolitik: klotzen, nicht kleckern
11.03.16 09:40
IKB Deutsche Industriebank
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Erwartungen vor den heutigen Entscheidungen der EZB waren hoch, so Dr. Klaus Bauknecht von der IKB Deutsche Industriebank.
Dies habe weniger an den eigentlichen Konjunkturdaten gelegen, die für die Euro-Zone weiterhin relativ gut ausfallen würden, sondern an den Kommentaren des EZB-Präsidenten Mario Draghi, der hohe Erwartungen geschürt habe. Sicherlich habe es aber auch an den Inflationszahlen der letzten zwei Monate gelegen, die eine deutliche Anpassung der Inflationsprognosen der EZB erfordert hätten. Die EZB habe in ihrer heutigen Sitzung (nicht einstimmig) folgendes beschlossen:
Einlagenzinsen: Der Einlagenzinssatz sei von -0,3% auf -0,4% gesenkt worden. Eine Staffelung, wie es etwa die Bank of Japan mache, sei nicht vorgesehen. Das treffe die Banken durchaus hart, da es für sie künftig noch teurer werde, überschüssiges Geld bei der EZB zu parken. Insgesamt könnte das Geschäftsumfeld der Banken noch einmal deutlich schwieriger werden. Die EZB rechtfertige diese Maßnahme mit dem Ziel, Kapital in den Kreditmarkt zu lenken, um so die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln.
Hauptrefinanzierungszins: Den Leitzins, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten kurzfristig bei der EZB Geld leihen könnten, habe die EZB überraschenderweise um fünf Basispunkte auf historische 0% gesenkt.
Aufkaufprogramm: Die EZB habe den Kauf von Staatsanleihen nochmals deutlich ausgeweitet und werde ab April das Aufkaufvolumen um 20 Mrd. Euro auf 80 Mrd. Euro erhöhen. Um möglichen Liquiditätsengpässen vorzubeugen, würden neben Staatsanleihen künftig auch Unternehmensanleihen gekauft, wenn diese als investitionswürdig (Investment Grade) eingestuft seien.
Außerdem habe Draghi betont, dass die Zinsen auch nach der Beendigung des Aufkaufprogramms langfristig (sehr) niedrig bleiben würden. Für die EZB seien negative Zinsen grundsätzlich kein Tabu, auch wenn es gemäß Draghi sicherlich Grenzen ihres Einsatzes gebe. Die EZB sehe aktuell noch keine bedeutende negative Implikationen für die Profitabilität der Banken. Sie sei sich aber bewusst, dass die Zinsen womöglich nicht so weit gesenkt werden könnten, wie es die EZB gerne hätte. Somit würden andere Maßnahmen (zum Beispiel das Aufkaufprogramm) zentraler Bestandteil der EZB-Politik bleiben.
Auch habe die EZB vier Repo-Transaktionen mit vierjähriger Laufzeit in Aussicht gestellt. Wie bisher seien auch diese Maßnahmen an die Kreditvergabe einer Bank gebunden (so genannte TLTROs). Ziel sei es, das Kreditgeschäft in einem Umfeld generell volatiler Finanzierungskosten für Banken sicherzustellen.
Auch wenn die einzelnen Maßnahmen bereits im Vorfeld diskutiert worden seien, so sei das gesamte Paket in seinem Ausmaß doch etwas überraschend. Allerdings sei fraglich, wie groß der Einfluss dieser Maßnahmen auf die Realwirtschaft werde. Denn während die ursprüngliche Ankündigung des Aufkaufprogramms eine deutliche Korrektur des Euro-Wechselkurs mit sich gebracht habe, seien die weiteren Maßnahmen weitgehend verpufft. Außerdem dürfte die marginale Zinssenkung das Investitionsverhalten in der Euro-Zone nur wenig stimulieren. Trotzdem sollte das Programm die Möglichkeit für fiskalpolitische Maßnahmen weiter erhöhen, da Zinsen und Renditen noch weiter sinken bzw. ins Negative rutschen sollten.
Draghi habe den grundsätzlichen Erfolg der EZB betont und damit auch die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen, wie sie heute angekündigt worden seien. Gemäß Draghi sollte die Fiskalpolitik die Erholung in der Euro-Zone stützen, allerdings sollte dies nicht die fiskalische Stabilität gefährden. Draghi habe erneut die Notwendigkeit von Reformen betont.
Die EZB habe ihre Inflationsprognose vor allem für 2016 deutlich nach unten revidiert und so erwarte sie für dieses Jahr eine Inflationsrate von 0,1% (vorher 1,0%) und für 2017 1,3% (vorher 1,6%). Diese Revision sei aber nicht nur auf die Ölpreisentwicklung zurückzuführen; denn auch die Entwicklung der Kerninflationsrate habe in den ersten Monaten des Jahres 2016 eher enttäuscht. Für 2018 gehe die EZB von einer Inflationsrate (1,6%) unter ihrem langfristigen Ziel aus.
Wie erwartet, habe die EZB keine bedeutenden Anpassungen ihrer Wachstumsprognosen für die Euro-Zone vorgenommen. So erwarte sie ein BIP-Wachstum von 1,4% in 2016 (vorher 1,7%) und 1,7% in 2017 (vorher 1,9%). Grundsätzlich bestehe weiterhin ein erhöhtes Konjunkturrisiko. Dieses werde allerdings durch die heutigen Maßnahmen kaum nennenswert reduziert. Die EZB erwarte in den kommenden Monaten in der Euro-Zone eine negative Inflationsrate, die im Jahresverlauf jedoch wieder ansteigen sollte. Die Geldmenge zeige hingegen eine stabile Wachstumsrate, vor allem getrieben durch M1 (Bargeld und täglich fällige Einlagen (Sichteinlagen) von Nichtbanken), der liquidesten Komponente der Geldmenge.
Die EZB sehe in ihren Ankündigungen keine übertriebene Hektik. Es sei das erhöhte Wachstumsrisiko und nicht der Ölpreis, der laut Draghi im Fokus der EZB stehe. Auch hätten sich die Volatilität auf den Finanzmärkten und damit die Kosten für die Refinanzierung von Banken erhöht. Draghi teile nicht die Einschätzung kritischer Volkswirte, dass Notenbanken keine Munition mehr hätten. Der heutige Tag würde das Gegenteil beweisen. Die EZB sei davon überzeugt, dass sie mit ihren Maßnahmen weiterhin einen effektiven Einfluss auf die Realwirtschaft ausübe, was sich in ihrem Einfluss auf die Finanzierungskosten niederschlage.
Ohne die Aktionen der EZB wäre die Situation sicherlich schlechter, so Draghi. Doch ohne die Bereitschaft der Staaten der Euro-Zone, ihre Fiskalpolitik mithilfe der EZB-Zinspolitik auszuweiten, falle es schwer, weiterhin an einen bedeutenden Einfluss der EZB-Politik auf die Realwirtschaft zu glauben. Eine weitere Alternative wäre die Einführung von Helikoptergeld, also eine direkte Geldmengenausweitung in der Realwirtschaft; doch für beides scheine die EZB noch nicht bereit zu sein. Dies dürfte sich allerdings ändern, falls sich die Konjunktur in der Euro-Zone deutlich eintrüben sollte.
Die EZB habe in ihrer heutigen Sitzung überraschen können, da die angekündigten Maßnahmen weiter gehen würden als allgemein erwartet. Allerdings bleibe abzuwarten, wie stark diese Maßnahmen die Realwirtschaft beeinflussen würden. Die EZB jedenfalls sei weiterhin von der Effektivität ihrer Aktionen überzeugt, was die Ausweitung der bisherigen Maßnahmen erkläre. Eine ausweitende Fiskalpolitik aufgrund fallender Renditen sei auch zukünftig kein Thema für die EZB - auch wenn negative Zinsen nicht ungehindert weiter reduziert werden könnten. Weil die Fiskalpolitik sich zögerlich verhalte und das Vertrauen der Märkte niedrig sei, sollten die Zinsen noch auf lange Sicht niedrig bleiben.
Bei einer Stabilisierung der Rohstoffpreise sei mit einem Anstieg der Inflationsrate zu rechnen. Dies sollte die EZB allerdings eher weniger bewegen, solange die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone so hoch und die Fiskalpolitik so passiv sei. Dennoch sei mit einer Korrektur am langen Ende der deutschen Zinskurve zu rechnen, da die Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte anziehen sollte. Dies gelte vor allem dann, wenn sich die Realwirtschaft weiterhin relativ robust entwickle. (Ausgabe vom 10.03.2016) (11.03.2016/alc/a/a)
Dies habe weniger an den eigentlichen Konjunkturdaten gelegen, die für die Euro-Zone weiterhin relativ gut ausfallen würden, sondern an den Kommentaren des EZB-Präsidenten Mario Draghi, der hohe Erwartungen geschürt habe. Sicherlich habe es aber auch an den Inflationszahlen der letzten zwei Monate gelegen, die eine deutliche Anpassung der Inflationsprognosen der EZB erfordert hätten. Die EZB habe in ihrer heutigen Sitzung (nicht einstimmig) folgendes beschlossen:
Einlagenzinsen: Der Einlagenzinssatz sei von -0,3% auf -0,4% gesenkt worden. Eine Staffelung, wie es etwa die Bank of Japan mache, sei nicht vorgesehen. Das treffe die Banken durchaus hart, da es für sie künftig noch teurer werde, überschüssiges Geld bei der EZB zu parken. Insgesamt könnte das Geschäftsumfeld der Banken noch einmal deutlich schwieriger werden. Die EZB rechtfertige diese Maßnahme mit dem Ziel, Kapital in den Kreditmarkt zu lenken, um so die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln.
Hauptrefinanzierungszins: Den Leitzins, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten kurzfristig bei der EZB Geld leihen könnten, habe die EZB überraschenderweise um fünf Basispunkte auf historische 0% gesenkt.
Aufkaufprogramm: Die EZB habe den Kauf von Staatsanleihen nochmals deutlich ausgeweitet und werde ab April das Aufkaufvolumen um 20 Mrd. Euro auf 80 Mrd. Euro erhöhen. Um möglichen Liquiditätsengpässen vorzubeugen, würden neben Staatsanleihen künftig auch Unternehmensanleihen gekauft, wenn diese als investitionswürdig (Investment Grade) eingestuft seien.
Außerdem habe Draghi betont, dass die Zinsen auch nach der Beendigung des Aufkaufprogramms langfristig (sehr) niedrig bleiben würden. Für die EZB seien negative Zinsen grundsätzlich kein Tabu, auch wenn es gemäß Draghi sicherlich Grenzen ihres Einsatzes gebe. Die EZB sehe aktuell noch keine bedeutende negative Implikationen für die Profitabilität der Banken. Sie sei sich aber bewusst, dass die Zinsen womöglich nicht so weit gesenkt werden könnten, wie es die EZB gerne hätte. Somit würden andere Maßnahmen (zum Beispiel das Aufkaufprogramm) zentraler Bestandteil der EZB-Politik bleiben.
Auch habe die EZB vier Repo-Transaktionen mit vierjähriger Laufzeit in Aussicht gestellt. Wie bisher seien auch diese Maßnahmen an die Kreditvergabe einer Bank gebunden (so genannte TLTROs). Ziel sei es, das Kreditgeschäft in einem Umfeld generell volatiler Finanzierungskosten für Banken sicherzustellen.
Draghi habe den grundsätzlichen Erfolg der EZB betont und damit auch die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen, wie sie heute angekündigt worden seien. Gemäß Draghi sollte die Fiskalpolitik die Erholung in der Euro-Zone stützen, allerdings sollte dies nicht die fiskalische Stabilität gefährden. Draghi habe erneut die Notwendigkeit von Reformen betont.
Die EZB habe ihre Inflationsprognose vor allem für 2016 deutlich nach unten revidiert und so erwarte sie für dieses Jahr eine Inflationsrate von 0,1% (vorher 1,0%) und für 2017 1,3% (vorher 1,6%). Diese Revision sei aber nicht nur auf die Ölpreisentwicklung zurückzuführen; denn auch die Entwicklung der Kerninflationsrate habe in den ersten Monaten des Jahres 2016 eher enttäuscht. Für 2018 gehe die EZB von einer Inflationsrate (1,6%) unter ihrem langfristigen Ziel aus.
Wie erwartet, habe die EZB keine bedeutenden Anpassungen ihrer Wachstumsprognosen für die Euro-Zone vorgenommen. So erwarte sie ein BIP-Wachstum von 1,4% in 2016 (vorher 1,7%) und 1,7% in 2017 (vorher 1,9%). Grundsätzlich bestehe weiterhin ein erhöhtes Konjunkturrisiko. Dieses werde allerdings durch die heutigen Maßnahmen kaum nennenswert reduziert. Die EZB erwarte in den kommenden Monaten in der Euro-Zone eine negative Inflationsrate, die im Jahresverlauf jedoch wieder ansteigen sollte. Die Geldmenge zeige hingegen eine stabile Wachstumsrate, vor allem getrieben durch M1 (Bargeld und täglich fällige Einlagen (Sichteinlagen) von Nichtbanken), der liquidesten Komponente der Geldmenge.
Die EZB sehe in ihren Ankündigungen keine übertriebene Hektik. Es sei das erhöhte Wachstumsrisiko und nicht der Ölpreis, der laut Draghi im Fokus der EZB stehe. Auch hätten sich die Volatilität auf den Finanzmärkten und damit die Kosten für die Refinanzierung von Banken erhöht. Draghi teile nicht die Einschätzung kritischer Volkswirte, dass Notenbanken keine Munition mehr hätten. Der heutige Tag würde das Gegenteil beweisen. Die EZB sei davon überzeugt, dass sie mit ihren Maßnahmen weiterhin einen effektiven Einfluss auf die Realwirtschaft ausübe, was sich in ihrem Einfluss auf die Finanzierungskosten niederschlage.
Ohne die Aktionen der EZB wäre die Situation sicherlich schlechter, so Draghi. Doch ohne die Bereitschaft der Staaten der Euro-Zone, ihre Fiskalpolitik mithilfe der EZB-Zinspolitik auszuweiten, falle es schwer, weiterhin an einen bedeutenden Einfluss der EZB-Politik auf die Realwirtschaft zu glauben. Eine weitere Alternative wäre die Einführung von Helikoptergeld, also eine direkte Geldmengenausweitung in der Realwirtschaft; doch für beides scheine die EZB noch nicht bereit zu sein. Dies dürfte sich allerdings ändern, falls sich die Konjunktur in der Euro-Zone deutlich eintrüben sollte.
Die EZB habe in ihrer heutigen Sitzung überraschen können, da die angekündigten Maßnahmen weiter gehen würden als allgemein erwartet. Allerdings bleibe abzuwarten, wie stark diese Maßnahmen die Realwirtschaft beeinflussen würden. Die EZB jedenfalls sei weiterhin von der Effektivität ihrer Aktionen überzeugt, was die Ausweitung der bisherigen Maßnahmen erkläre. Eine ausweitende Fiskalpolitik aufgrund fallender Renditen sei auch zukünftig kein Thema für die EZB - auch wenn negative Zinsen nicht ungehindert weiter reduziert werden könnten. Weil die Fiskalpolitik sich zögerlich verhalte und das Vertrauen der Märkte niedrig sei, sollten die Zinsen noch auf lange Sicht niedrig bleiben.
Bei einer Stabilisierung der Rohstoffpreise sei mit einem Anstieg der Inflationsrate zu rechnen. Dies sollte die EZB allerdings eher weniger bewegen, solange die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone so hoch und die Fiskalpolitik so passiv sei. Dennoch sei mit einer Korrektur am langen Ende der deutschen Zinskurve zu rechnen, da die Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte anziehen sollte. Dies gelte vor allem dann, wenn sich die Realwirtschaft weiterhin relativ robust entwickle. (Ausgabe vom 10.03.2016) (11.03.2016/alc/a/a)


