EZB: Leitzinssenkung auf 0,15% erwartet


05.06.14 09:58
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Das EWU-BIP ist im 1. Quartal um 0,2% gewachsen, womit die vorläufige Schätzung bestätigt wurde, so die Analysten von Postbank Research.

Wachstumsimpulse seien dabei ausschließlich von der Binnennachfrage ausgegangen. Privater Verbrauch, Staatsverbrauch, Bruttoanlageinvestitionen und Lagerinvestitionen hätten jeweils leicht zugelegt. Dagegen seien die Importe stärker als die Exporte gestiegen, sodass der Außenhandel das Wachstum gedämpft habe.

Die gestrigen US-Konjunkturdaten seien gemischt ausgefallen. Der Datenverarbeiter ADP habe den Stellenzuwachs im privaten Sektor der US-Wirtschaft für Mai auf 179 Tsd. geschätzt, womit die Markterwartungen verfehlt worden seien. Die Schätzung sei allerdings kompatibel mit der Analysten-Prognose eines Stellenaufbaus um 200 Tsd. in der gesamten US-Wirtschaft.

Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor habe sich im Mai von 55,2 auf 56,3 Punkte verbessert und damit die Erwartungen geschlagen. Zugleich habe er sein höchstes Niveau seit August 2013 erreicht. Noch deutlicher hätten sich die produktionsnahen Komponenten für die Geschäftsaktivitäten und die Auftragseingänge verbessert, die zudem mit Werten von über 60 Punkten auf sehr hohen Niveaus lägen. Dies untermauert die Einschätzung der Analysten von Postbank Research, dass die US-Wirtschaft im laufenden Quartal einen kräftigen Rebound hinlegen sollte.

Die deutschen Industrieaufträge seien, wie heute Morgen gemeldet worden sei, im April um 3,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Damit sei der Rückgang aus dem Vormonat um 2,8% wieder ausgeglichen worden. Auch die sehr kräftig von 1,4% auf 6,4% gestiegene Vorjahresveränderungsrate weise darauf hin, dass die schwachen März-Zahlen wohl nur ein Ausreißer nach unten gewesen seien und sich der Aufschwung in der deutschen Industrie fortsetze.

Der EZB-Rat treffe sich heute zu seiner wahrscheinlich wichtigsten geldpolitischen Sitzung seit langer Zeit. Er dürfte ein geldpolitisches Maßnahmenpaket verkünden, um die Kreditkonditionen in der Eurozone zu verbessern und die Inflationserwartungen zu erhöhen. Dass es weitere Schritte geben würde, habe EZB-Präsident Draghi auf der Mai-Sitzung sehr klar angedeutet, was durch Stellungnahmen weiterer Ratsmitglieder in der Zwischenzeit untermauert worden sei. Die Analysten von Postbank Research erwarten eine Leitzinssenkung um 10 Basispunkte auf 0,15%. Auch der Einlagensatz dürfte um diese Größenordnung auf dann -0,10% gesenkt werden und damit erstmals in der Geschichte der EZB im negativen Bereich liegen.

Neben einer Veränderung des Zinsniveaus werde allgemein auch mit einer Verlängerung der Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften sowie mit einer Ausweitung der Liquiditätsversorgung gerechnet. Letzteres dürfte in Form eines zweckgebundenen Langfristtenders sowie eventuell einer Aufhebung der Sterilisierung der im Rahmen des Securities Market Programms (SMP) gekauften Anleihen geschehen. (05.06.2014/alc/a/a)






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